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Die Struktur des Gräberfeldes von Kleinhadersdorf 183
verhält es sich auch bei der Hocklage. Die am gesamten Grä-
berfeld mit einem Anteil von 85 % klar dominierende linke
Hocklage hat im zentralen Bereich einen deutlich höheren
Anteil als im NW, doch ist der Unterschied wesentlich ge-
ringer als bei den Orientierungen. Der Nachweis von Rötel-
streuung beschränkt sich auf die beiden Grabgruppen und
hat nun im NW einen etwas höheren Anteil als im Zentrum.
Einen auffälligen Unterschied zwischen den beiden
Grabgruppen gilt es noch zu erwähnen. Die Nachweise des
allgemein als besonderes Prestigegut angesehenen Spondy-
lusschmucks sind mit nur zwei Ausnahmen auf die zentrale
Grabgruppe beschränkt (siehe Kapitel 6.2 Abb. 64). In der
NW-Gruppe gibt es nur ein Grab mit Spondylus, allerdings
ist dies eine Frau mit einer der beiden größten Spondylus-
ketten (Verf. 55). Der zweite Spondylusfund außerhalb des
zentralen Bereiches ist nur ein kleines Fragment aus einem
Frauengrab (Verf. 32), dem einzigen Körpergrab der süd-
lichsten Gruppe (5). Es ist bemerkenswert, dass nur diese
Frau sowie jene aus der NW-Gruppe aufgrund der Analyse
der Strontiumisotopen eindeutig als zugewandert anzuse-
hen ist. Die Strontiumwerte der in der zentralen Gruppe mit
Spondylus versehenen Toten liegen hingegen alle im lokalen
Bereich (siehe Kapitel 6.4). 7.2. Versuch der Rekonstruktion der Geschichte des
Gräberfeldes
Diese etwas vorsichtige Formulierung des Titels ist durch
die Probleme um die genaue Datierung der einzelnen Be-
funde zu begründen. Von den 99 Grabgruben enthielten nur
34 Keramik, die einer LBK-Phase zugewiesen werden
konnte (siehe Kapitel 5.2.3.1.4 und Tabellen 16, 17 sowie
Abb.
38).
Glücklicherweise ergaben elf 14C-Daten400 zu archäolo-
gisch nicht datierbaren Gräbern noch eine wertvolle Ergän-
zung. Dadurch sind also insgesamt 45 Befunde genau zu
datieren und nur auf diesen, die ja eben nur 45 % aller Be-
funde darstellen, gründet sich der Versuch, die Geschichte
des Gräberfeldes zu rekonstruieren. P. Stadler hat in seinem
Beitrag auf der Basis von sieben durch die Keramik datierten
Gräbern, für die es auch 14C-Daten gibt, ein Sequencing
durchgeführt und so den zeitlichen Rahmen der einzelnen
Phasen definiert (Kapitel 6.1, Abb. 54 und Tabelle 37). Die
nur durch 14C datierten Gräber haben wir nach deren einzel-
nen Kalibrationen (Abb. 52) jeweils den Gräberfeldphasen
zugeordnet, worauf die räumliche Verteilung der so datier-
ten Befunde basiert (siehe Abb.
77).
400. Diese Proben wurden im Rahmen eines FWF-Projektes (siehe
Kapitel 6.1) sowie des englischen Forschungsprojektes „LBK-life-
ways project“ gemessen (Kapitel 6.4).
Gruppe Orientierung Hocklage
(Karte Abb.
58) Rötelstreuung
(Karte Abb.
60)Körpergräber
Leergräber
NW (1) 2 O–W (81)
5 SO–NW
1 W–O
4 NW–SO
2 N–S
1 NO–SW 3 O–W=W–O
1 SO–NW
=NW–SO
1 N–S = S–N
1 NO-SW 11 links
2 rechts
(55, 67-2) 2 Männer,
1 Frau,
1 Kind
N (2) 1 W–O
1 NW–SO 1 O–W=W–O
4 SO–NW
=NW–SO
1 NO–SW 5 links
1 rechts (49) 0
Zentrum
(3) 1 O–W
17 SO–NW
3 W–O
3 NW–SO
1 NO–SW 4 SO–NW =
NW–SO 16 links
2 rechts
(7, G.
2) 1 Mann,
1 Frau
3 Kinder
S (4) 2 SO–NW 1 SO–NW =
NW–SO
1 O–W=W–O 2 links 0
S (5) 1 SO–NW 3 SO–NW =
NW–SO
2 O–W=W–O
1 N–S
1 NO–SW 1 links 0
Tabelle 41: Kleinhadersdorf: Grabritus in den Grabgruppen.
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen