Page - 189 - in Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Image of the Page - 189 -
Text of the Page - 189 -
sowie die wenigen publizierten Angaben von V. Lebzelter.
Für die Grabungen von 1987–1991 erfolgte eine möglichst
kompakte Zusammenstellung der umfangreichen Doku-
mentation zu den Befunden der Grabgruben sowie Lage
und Erhaltung der Bestattungen in Form von Tabellen (Ka-
pitel 4.2 und Tabelle 2, 3).
In 67 % der Grabgruben befanden sich Körperbestat-
tungen. Es waren dies 57 anthropologisch bestimmbare In-
dividuen (siehe Teil II Anthropologie). Dabei handelt es
sich grundsätzlich um Einzelbestattungen mit nur zwei
Ausnahmen: die gemeinsame Grablegung zweier Kleinkin-
der (G.
17) sowie einer jungen Frau mit einem Neugebore-
nen (Grab Verf. 5). Für nur 48 der so Bestatteten konnten
wir die Orientierung bestimmen (Tabelle 4). Dabei zeigte
sich als klare Hauptorientierung die Ausrichtung SO–NW
(55 %), gefolgt von der antipodischen Ausrichtung NW–
SO (19
%), dann W–O (10
%), O–W und NO–SW (je 6
%)
und N–S (4 %). Die Orientierung von SSO–NNW bis
WSW–ONO fehlt vollständig (Abb. 15 und 16a). Die
Hauptorientierung dominiert am extremsten bei den 16
Männern (61
% – Abb.
16b) und den 18 Kindern (57
%), nur
bei letzteren findet sich auch die W–O-Ausrichtung (31
%
– Abb. 16d). Eine ebenso eindrucksvolle Dominanz der
SO–NW Lage der Bestatteten ist auch bei den übrigen Grä-
berfeldern im östlichen Mitteleuropa (Těšetice-Kyjovice,
Vedrovice, Nitra) festzustellen, was diese von anderen
LBK-Friedhöfen unterscheidet. Die Toten von Kleinha-
dersdorf waren wesentlich öfter in linker (85
%) als in rech-
ter Hocklage (15
%) mit unterschiedlich stark angezogenen
Beinen bestattet (Abb. 18–21), wobei der Oberkörper zu-
meist in Seitenlage mit den Händen vor dem Gesicht (65
%)
und weniger häufig in Rückenlage (32
%) mit unterschied-
licher Handhaltung gebettet wurde. Die Bauchlage ist nur
für eine Frau (Verf. 55) nachgewiesen. Die Intensität der
Anhockung der Beine dürfte in vielen Fällen von den Aus-
maßen der Grabgrube bestimmt sein. Die extreme Domi-
nanz der linken Hocklage stellt wieder eine wichtige Über-
einstimmung mit den Gräberfeldern von Vedrovice und
Nitra dar, doch ist diese auch in anderen Regionen der LBK
8. Zusammenfassung
Kleinhadersdorf befindet sich im NO Niederösterreichs
schon sehr nahe der Grenze zu Mähren (Abb.
1). Die Fund-
stelle des Gräberfeldes liegt am S-Rand einer kleinen Sied-
lungskammer, deren einzelne Plätze sich perlschnurartig
entlang des Poybaches aufreihen, nur das Gräberfeld und
eine unmittelbar benachbarte vermutliche Siedlung sind
etwa 1,5 km von diesem Wasserlauf entfernt (Abb. 2). Die
Umgebung ist flachhügelig und von fruchtbaren Lössböden
bedeckt (Abb. 3), das Gräberfeld wurde auf einem von O
nach W abfallendem Hang zwischen 284–277 m über NN
angelegt (Abb.
4). Dieses beachtliche Gefälle hat zu teilwei-
se massiven Erosionsschäden an den Befunden geführt.
1911 wurde das erste Grab von diesem Platz bekannt, in
den Folgejahren bis 1931 mindestens weitere acht Gräber
zerstört. Im Frühjahr 1931 grub J. Bayer mit einigen Hel-
fern insgesamt 13 Gräber (G. 1–G. 11) aus und fertigte da-
von recht genaue Grabskizzen und Fotos an (Tafel 1–11).
Nach seinem Tod barg V. Lebzelter im August 1931 weitere
acht Gräber (G.
12–G.
19), von denen es nur Fotos und un-
zureichende Beschreibungen gibt (Tafel 11–13 und Abb.
5).
Aufgrund der problematischen Einmessung der Grabstel-
len (Abb.
12 und 13) sind nur neun der von J. Bayer gebor-
genen Gräber annähernd sicher mit später freigelegten Be-
funden zu identifizieren (Abb.
14), die restlichen waren nur
näherungsweise oder gar nicht (G.
12, G.
13) zu lokalisieren.
1987 entschied sich das BDA zu einer neuen Rettungs-
grabung zunächst im zentralen Bereich des Gräberfeldes, da
die Anpflanzung eines neuen Weingartens geplant war. Jo-
hannes-Wolfgang Neugebauer und Christine Neugebauer-
Maresch leiteten die Untersuchungen, aufgrund deren Er-
gebnisse die Grabungen mit vier weiteren Kampagnen bis
1991 fortgesetzt wurden (Tabelle 1 und Abb.
6). Dabei wur-
de insgesamt eine Fläche von etwa 5000 m² freigelegt und
etwa 100 Befunde (Verf. 1–Verf. 91) untersucht (Abb.
8–11
und Gesamtplan Abb.
7).
Die Dokumentation der Gräber aus 1931 (Kapitel 4.1)
gibt im Wesentlichen die Aufzeichnungen von Josef Bayer
wieder, mit Ergänzungen aus dem Inventar der Prähistori-
schen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien, 189
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen