Page - 192 - in Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
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Christine Neugebauer-Maresch, Eva
Lenneis192
täten Durham und Oxford wurden 39 Skelette aus Kleinha-
dersdorf für Isotopenanalysen beprobt, 36 brachten ver-
wertbare Ergebnisse (Table 38). Diese zeigten eine
erstaunliche Homogenität mit nur wenigen Außenseitern
(Table 39; Figure 75, 76). Die Mehrzahl der Menschen ver-
brachte ihre gesamte Lebenszeit in der Umgebung und ge-
wann hier ihre Ernährung. Es gibt keine Anzeichen von
Unterschieden in der Nahrung von Männern und Frauen,
die einen hierarchisch limitierten Zugang zu bestimmten
Ressourcen (z.
B. Fleisch) erkennen ließen. Die Strontium-
Analysen zeigen eine geringere Mobilität der Menschen an
als in anderen bisher untersuchten LBK-Gräberfeldern.
Das Gräberfeld Kleinhadersdorf lässt aufgrund räumli-
cher Abgrenzung sowie der Analysen des NN nächsten
Nachbarn (Abb.
70) fünf sehr unterschiedlich große Grab-
gruppen erkennen (Kapitel 7.1). Die Gruppen weisen ver-
schieden starke Schäden durch die Erosion auf, weswegen
nur zwei (im NW und im Zentrum) hinsichtlich ihrer Struk-
tur analysiert und verglichen werden konnten (Tabelle 40,
41). In beiden waren kleine Gruppen von Männer-, Frauen-
und Kindergräbern festzustellen, die sich aber keineswegs
scharf voneinander abgrenzen. Der Grabritus, wie er sich
anhand der Orientierung der Toten und der Hocklage ma-
nifestiert, ist in der zentralen Gruppe deutlich einheitlicher
als im NW. Die Nachweise von Spondylusschmuck sind mit
nur zwei Ausnahmen auf die zentrale Gruppe beschränkt.
Diese Ausnahmen sind zwei Frauen, die aufgrund der Iso-
topenanalysen als „Fremde“ bestimmt werden konnten.
Nach den 14C-Daten ist jene in der NW-Gruppe (Verf. 55)
die älteste Bestattung des Gräberfeldes, die zweite in der
südlichsten Gruppe (5) eine der spätesten (Verf. 32).
Für die Rekonstruktion der Geschichte des Gräberfel-
des standen 34 durch Keramik und elf weitere durch 14C-
datierte Gräber zur Verfügung. Demnach begann die Bele-
gung des Areals in der NW-, der N- und der zentralen
Gruppe und erst nach 2–3 Generationen, also ab der dritten
Belegungsphase (LBK-Phase II b/c nach der mährischen
Chronologie), gibt es erste Hinweise für die Nutzung der
südlichen Bereiche (Abb.
77).
Abschließend versuchten wir, auf der Basis der archäo-
logischen Befunde ergänzt durch die Ergebnisse der Isoto-
penanalysen, die Lebensgeschichte einzelner, herausragen-
der Personen zu rekonstruieren: die einer jungen Frau mit
Baby, die sich auffällig fleischarm ernährt hatte (Verf. 5);
eines(r) jungen Erwachsenen, der/die erst knapp vor sei-
nem/ihrem Tod zugewandert war (Verf. 66); einer reifen
Frau mit Spondylusschmuck, die ebenfalls von auswärts
kam und wohl zur Gründergeneration des Friedhofes ge- hörte (Verf.
55) sowie einer jungen Frau (Verf.
32), die in der
letzten Phase nach dem Dekor des Beigabengefäßes und den
Isotopensignalen ihrer Knochen wohl aus W/NW nach
Kleinhadersdorf gekommen war.
(Christine Neugebauer-Maresch, Eva Lenneis)
8.1 Abstract
Kleinhadersdorf is a small village at the western end of the
town of Poysdorf in the NE of Lower Austria, close to the
Moravian border (Abb. 1). There is a settlement cluster,
where most of the findspots lay close to a small river, the
“Poybach”, but the site of the cemetery and a neighbouring
settlement area, indicated by stray finds only, are situated
1.5 km south of the watercourse in an elevated position
(Abb.
2).
The immediate hilly surroundings have very fertile soils,
mainly weathered out of loess, which means an intensive use
by agriculture, including vineyards (Abb.
3). The site of the
cemetery in the ‘Marchleiten’ lies on a slope with a drop in
altitude of 7
m from E to W (Abb.
4). This has led to strong
damage owing to erosion and ploughing.
Stray finds and at least nine destroyed graves are known
from this site in ‘Marchleiten’ since 1911. In spring 1931,
J.
Bayer made the first excavations of the cemetery as small
rescue actions on weekends and holidays. Together with
some helpers, he excavated 13 graves (G.
1–G.
11). After his
death, V. Lebzelter and G. Zimmermann continued with the
digging of eight more graves in August 1931 (G. 12–G. 19).
While J. Bayer made quite good drawings and additional
photos of the graves (Tafel 1–11), the documentation by the
two others is very poor and consists only of photographs
and nearly no further information (Tafel 11–13 and Abb.
5).
The measurement of the location of these graves has been
done in a rather problematic way (Abb. 12, 13). Thus, we
have been able to identify only nine of the graves excavated
by Bayer in 1931, with pits unearthed during the later inves-
tigations (Abb. 14) and localize the others approximately
with two exceptions (G. 12, G. 13).
In 1987, the Bundesdenkmalamt in Vienna decided to
start a new excavation in the central part of the area as a result
of the threats from the planting of a new vineyard. The first
campaign under the direction of Johannes-Wolfgang Neuge-
bauer and Christine Neugebauer-Maresch clearly showed
the necessity of further investigation, which was done in four
more campaigns until 1991 (Tabelle 1 and Abb.
6). A surface
of at least 5000 m² has been uncovered and about 100 grave-
pits excavated (Verf. 1–91; Abb.
8–11 and plan Abb.
7).
The documentation of the graves of 1931 (see chapter
4.1.) reproduces mainly the notes by J. Bayer with some
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen