Page - 316 - in Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
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Barbara Tiefenböck, Maria
Teschler-Nicola316
Archäologische Bemerkung
Grabung Viktor Lebzelter, 1931.
Linksseitiger, extremer Hocker. Pathologien und Besonderheiten
Cranium: Das Schädeldach und der linke Ramus mandibu-
lae weisen perimortale Frakturen auf. Die Spina mentalis ist
stark entwickelt.
Zähne und Alveolarbereich: Zahnstein (Grad I), trans-
versale Schmelzhypoplasien (Grad I) und Parodontopathi-
en liegen in geringer Ausprägungsstärke vor.
Post
cranium: Am rechten Humeruskopf ist in der Ver-
längerung des Sulcus intertubercularis eine Eintiefung zu
erkennen. Da die Knochenoberfläche in diesem Bereich von
Sinter bedeckt ist, kann nicht beurteilt werden, ob eine ent-
zündliche Knochenreaktion vorliegt (Zeichen von Überbe-
anspruchung, Tendinitis?).
Der Rand der Fovea capitis des linken Femurs ist leicht
aufgewölbt. Am rechten Femur sind superior des Condylus
medialis im Bereich der Facies poplitea feine Porosierungen
zu erkennen, was eventuell als Zeichen einer Überbean-
spruchung gedeutet werden kann. Mehrere Gelenke bzw.
Gelenkflächen des Fußskeletts waren ebenfalls einer Über-
beanspruchung ausgesetzt: darunter die proximale Ge-
lenksfläche des rechten Os naviculare, das Caput des rech-
ten Talus, die Facies articularis talaris media des linken
Calcaneus, das Caput des linken Talus sowie die proximale
Gelenkfläche des linken Os naviculare.
Enthesopathien, die eine starke körperliche Belastung
implizieren, finden sich an der rechten Clavicula (Impressio
ligamenti costoclavicularis), an beiden Humeri (Tuberositas
deltoida) und am rechten Radius (Tuberositas radii).
Im Diaphysenbereich des rechten Os metatarsale V fin-
det sich dorsolateral eine längs-ovale, etwa 8
mm lange und
3 mm breite Verletzung, die bis in den Markraum hinein-
reicht. Die Bruchrandfärbung entspricht jener der angren-
zenden Knochenoberfläche, sodass auf perimortales Ge-
schehen geschlossen werden kann. Die Randstruktur
präsentiert sich uneinheitlich (teils abgerundet, teils scharf-
kantig), weshalb keine eindeutige Entscheidung zugunsten
eines peri- oder postmortalen Defekts (Grabungs- bzw.
Bergungsartefakt?) getroffen werden kann.
Körperhöhe: 165–166
cm
Zusammenfassung
Zahnpathologien; verstärkt ausgeprägte Muskelansatzstel-
len; Zeichen von Überbeanspruchung am Tarsus; Trauma
am rechten Os metatarsale V (?); perimortale Frakturen am
Cranium.
Objekt/Inv. Nr. (AA): KH 9809 Grab-Nr.: 16 (Tafel 12)
Grabtyp:
Körpergrab Geschlecht:
männlich Archäolog. Geschlecht:
männlich Sterbealter:
30–50 Cranium:
tlw. erodiert Post cranium:
tlw. erodiert
Fig. 15a: KH 9809.
Fig. 15b: Zahnschema KH 9809.
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen