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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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ERNST GOTTFRIED MAHRENHOLZ 222 Die zweite Wegmarke ist die Aussage, dass die Entscheidung, in der Öf- fentlichkeit stets ein Kopftuch zu tragen, unter dem Schutz des Art. 4 Abs. 1 Satz 2 GG steht, »der in enger Beziehung zum obersten Verfas- sungswert der Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) steht« (S. 30542). Der Bezug des Toleranzgebots und des Art. 4 GG auf den Verfassungs- satz der Unantastbarkeit der Würde des Menschen kennzeichnet seine Qua- lität als diejenige des Respekts, der Achtung vor dem vom Toleranzgebot Ge- schützten. Integration beginnt mit dem Respekt vor der Differenz (hierzu Mahrenholz 2007: 89 ff).43 Goethes Satz aus den »Maximen und Reflexio- nen« lässt sich nicht übergehen: »Toleranz sollte eigentlich nur eine vor- übergehende Gesinnung sein: Sie muss zu Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen« (Nr. 151; kritisch zum Kopftuchverbot aus einem philosophisch auf Reziprozität und Allgemeinheit begründeten Toleranzbegriff siehe Forst 2003: 720 ff; zum grundsätzlichen philosophischen Ansatz siehe ebd.: 594 ff). Diesen von ihm selbst markierten Weg ist der Senat nicht gegangen. Es handelte sich in diesem Rechtsstreit auf der Metaebene um mehr als das Recht zum Tragen des Kopftuchs im Unterricht. Es ging um eine Aussage des Staa- tes über die Achtung, die er einem verpflichtenden Ausdruck islamischen Glaubens als des Glaubens einer bedeutenden religiösen Minderheit in Deutschland entgegenbringt, und zwar auf einem konfliktreichen Feld seiner eigenen Verantwortung. So war die Lösung des Kopftuchproblems zu verste- hen und ist sie auch heute noch. Literatur Anger, Thorsten (2005): »Was bedeutet und wie wichtig ist der ›Schul- frieden‹?«. Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechts- wissenschaft (KritV) 2005, S. 52 ff. Berghahn, Sabine (2004): »Verfassungspolitischer Streit um ein Stück Stoff«. femina politica, Zeitschrift für feministische Politik-Wissenschaft 8, S. 248 ff. Bielefeldt, Heiner (2007): Das Islambild in Deutschland. Berlin: Deutsches Institut für Menschenrechte. 42 Mit Hinweis auf BVerfGE 52, 223, 247. 43 Siehe ebenso neuestens »Die gemeinsame Erklärung des Vatikan und führender arabischer Theologen über Glaube und Vernunft« v. 02.05.2008, abrufbar auf spiegel.de: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551063,00.html, 06.12. 2008; hier 5.: »Christen und Muslime sollten über Toleranz hinausgehen, in der Anerkennung der Unterschiede, doch im Bewusstsein der Gemeinsamkeiten, und Gott dafür dankbar sein. Sie sind berufen zu gegenseitigem Respekt und verurteilen deshalb die Verspottung des religiösen Glaubens«.
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Title
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Subtitle
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Authors
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Publisher
transcript Verlag
Date
2009
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Size
14.7 x 22.4 cm
Pages
526
Keywords
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Category
Recht und Politik
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