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INDRE MONJEZI BROWN
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Frauen mit temporären Aufenthaltsabsichten
Auch wenn muslimische Frauen mit türkischen Wurzeln auf Grund der
ethnischen Verteilung der Migrantinnen in Deutschland die größte Gruppe
›bedeckter‹ Frauen darstellen, leben insbesondere in den Ballungszentren vie-
le ›bedeckte‹ Frauen aus anderen Ländern. Viele Frauen sind nur temporär als
Studentinnen32 hier, gehören zum Umkreis der Botschaften und ins Händ-
lermilieu33 oder begleiten ihre Ehemänner, die in Deutschland studieren oder
bei Firmen angestellt sind.34 Diese Frauen haben sich zumeist nicht erst in
Deutschland, sondern bereits in den Herkunftsländern für den Hijab ent-
schieden und behalten diesen in Deutschland bei. Sie unterscheiden sich von
den Töchtern der ›Gastarbeiter/innen‹ durch die Dauer des Aufenthalts und
ihr Verhältnis zur Mehrheitsgesellschaft. Während die eben genannten Frauen
zumeist nur kurz- bis mittelfristig in Deutschland leben und auf Grund der
Orientierung auf die Herkunftskultur oft nur wenige Kontakte zu Nicht-
muslimen/Nichtmusliminnen bzw. Muslimen/Musliminnen anderer Ethnizität
in Deutschland haben, betrachten sich die von Nökel (1999) beschriebenen
Frauen als selbstverständlichen Teil der bundesrepublikanischen Gesellschaft
und fordern die Möglichkeit der gesellschaftlichen Partizipation ein. Für tem-
porär in Deutschland lebende Migrantinnen ist die Ablehnung des Hijabs
durch die Mehrheitsgesellschaft ein geringeres Problem, da sie selten eine
gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe, z. B. auf dem Arbeitsmarkt, for-
dern und auf die Interaktion mit der Dominanzkultur weniger angewiesen
sind.
Heiratsmigrantinnen
Viele Frauen, die als Heiratsmigrantinnen aus den ländlichen Gebieten der
Türkei nach Deutschland migrieren, leben auf Grund der Sprachbarriere und
innerfamiliärer Strukturen isoliert von anderen muslimischen Frauen.35 Oft
für sich zu wiederholen; Teilnehmende Beobachtung in verschiedenen Ham-
burger Moscheen 2005 bis dato.
32 Z. B. Frauen aus Indonesien, Teilnehmende Beobachtung während des DFG-
Projekts »Netzwerke, Institutionen und volksreligiöse Praxis von Iranern in
Hamburg« des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg 2001-2003.
33 Z. B. Frauen aus Iran; Teilnehmende Beobachtung während des DFG-Projekts
»Netzwerke, Institutionen und volksreligiöse Praxis von Iranern in Hamburg«
des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg 2001-2003.
34 Z. B. Frauen aus arabischen Staaten; Teilnehmende Beobachtung während des
DFG-Projekts »Netzwerke, Institutionen und volksreligiöse Praxis von Iranern
in Hamburg« des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg 2001-2003.
35 So beschreibt Ahmet Toprak in seinem Buch »Das schwache Geschlecht – die
türkischen Männer. Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Doppelmoral der Ehre«
(2005) mehrere Fallbeispiele, in denen die Ehefrauen der Interviewten keine
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Title
- Der Stoff, aus dem Konflikte sind
- Subtitle
- Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Authors
- Sabine Berghahn
- Petra Rostock
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2009
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-89942-959-6
- Size
- 14.7 x 22.4 cm
- Pages
- 526
- Keywords
- Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
- Category
- Recht und Politik