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MUSLIMISCHE FRAUEN UND DAS ›KOPFTUCH‹
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auf den Koran Frauenrechte einfordert. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen
Frauenorganisationen, die in ihren jeweiligen Ländern neben Beratungen auch
konkrete Handreichungen für Frauen vorlegen, wie z. B. das ›Canadian Coun-
cil of Muslim Women‹ (CCMW)57 (Clarke/Cross 2006).
Eine weitere Säule der Bewegung sind die Organisationen auf dem
Grassrootlevel. Den Ansatz, durch Bildung und Beratung muslimische Frauen
in die Lage zu versetzen, ihre Rechte einzufordern, verfolgen z. B. die Frau-
enorganisation ›Rahima‹58 in Indonesien oder ›Turningpoint‹59 in New York
City. Die wichtigste derartige Organisation in Deutschland ist das ›Begeg-
nungs- und Fortbildungszentrum Muslimischer Frauen e.V.‹ (BFmF)60 in
Köln. Wichtige Förderinnen der Bewegung sind z. B. die ›Asma Society‹ in
New York City und die ›Muslimische Akademie‹61 in Deutschland, die ihre
Ressourcen zur Verfügung stellen, um muslimischen Frauen eine Vernetzung
zu ermöglichen.
Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung der Internetplattform
›www.muslimische-stimmen.de‹62, welche die Diversität muslimischen Le-
bens in Deutschland darstellt und es ermöglicht, Texte, die es nicht in die Ta-
gespresse ›schaffen‹, wenigstens im Internet zu veröffentlichen.
In Deutschland ist der Diskurs seit ca. 2006 in Gang gekommen und es
bildete sich Ende 2007 das ›Aktionsbündnis Muslimischer Frauen in Deutsch-
land‹63, in dem Frauen aller muslimischen Richtungen, verschiedener eth-
nischer Hintergründe, ›bedeckt‹ und ›offen‹, in Vereinen organisiert und nicht
organisiert, aus Migrantenselbstorganisationen, Politik, Wirtschaft usw. ver-
treten sind. Ihnen allen ist gemeinsam, als muslimische Frauen eine Stimme
zu erheben und sich für die Rechte muslimischer Frauen stark zu machen. Die
Aktivistinnen bestehen auf dem freien Wahlrecht aller Frauen weltweit: keine
Frau darf zum Tragen des Hijabs gezwungen werden, jedoch auch keine dazu,
ihn abzulegen.
Aus der Sicht islamischer Feministinnen (deutschland- und weltweit) ist
die bundesrepublikanische ›Kopftuchdebatte‹ ein Punkt in der Integrations-
debatte, der von den wirklichen Reibungspunkten zwischen Minderheit und
Anwältin. 2003 erhielt sie den Friedensnobelpreis; abrufbar: http://nobelprize.
org/nobel_prizes/peace/laureates/2003/ebadi-autobio.html, 28.04.08.
57 Abrufbar: http://www.ccmw.com/, 10.02.2009.
58 Abrufbar: http://www.rahima.or.id/English/index.htm, 28.04.08.
59 Abrufbar: http://www.turningpoint-ny.org/, 28.04.08.
60 Abrufbar: http://www.bfmf-koeln.de/, 28.04.08.
61 Abrufbar: http://www.muslimische-akademie.de/, 28.04.08.
62 Abrufbar: http://www.muslimische-stimmen.de/, 28.04.08.
63 Abrufbar: http://www.muslimische-akademie.de/WORD/Presseerklaerung%20
Aktionsbuendniss.doc, 28.04.08.
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Title
- Der Stoff, aus dem Konflikte sind
- Subtitle
- Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Authors
- Sabine Berghahn
- Petra Rostock
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2009
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-89942-959-6
- Size
- 14.7 x 22.4 cm
- Pages
- 526
- Keywords
- Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
- Category
- Recht und Politik