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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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SABINE BERGHAHN/PETRA ROSTOCK/HALINA BENDKOWSKI 482 Imame deutsche Länderkenntnisse haben. Da fragt dann die Journalistin, ob da auch Frauen ausgebildet werden und die Antwort ist nein. Überrascht über so eine Frage sagt er, nein haben wir nicht vor, mal gucken, ob wir das mal machen.10 Wirklich auf so einer Ebene. Auch da sind Frauen überhaupt nicht vorgesehen. Ich finde feministische Theologie zwar in gewisser Weise absurd, denn alle Religionen sind derartig sexistisch, wirklich alle und immer, wenn sie attackiert worden sind und schwer in die Enge gedrängt worden sind durch Mutige, die sich das nicht haben bieten lassen wollen, dann haben sie ihr Unwesen weiter getrieben, wollen ja auch weiter machen. Deshalb ist mir die feministische Theologie fremd. Ich verstehe dennoch, dass man sich für Kar- rierefrauen einsetzen muss, weil alle Karriere machen dürfen. Aber das ist ein sehr soziologisches Wissen, das ist nicht meine Empathie. Ich glaube tat- sächlich, dass man eine solche Kulturtradition oder -realität wie Religion nur von außen kritisieren kann, weil für die Frauen innerhalb der Religion kein Platz vorgesehen ist – nicht in der katholischen Kirche, nicht im Islam. Im Protestantismus haben Frauen nur durch herbe Kritik und unglaubliche Aus- einandersetzungen einen Platz erobert. Es kommt von innen gar nicht zu sol- chen Verbesserungen, und das ist auch im Islam so. Ich ärgere mich, auch über Euch, weil ich denke, es ist eine Anpassung – an den Mainstream. Es ist Folgendes passiert: Durch den Neoliberalismus gibt es keinen Sozialstaat mehr und in allen Kulturen haben die Kirchen dadurch mehr Macht erreicht. So auch bei uns. Und das nehme ich der rot-grünen Regierung Politik ganz besonders übel. Das ist für mich auch biographisch bitter, weil ich viel bei den Grünen engagiert war. Als man dachte, jetzt ist endlich die Zeit ge- kommen, um emanzipatorische Ideen umzusetzen, reden sie von Eigenver- antwortung. Hartz IV als Konzept der Eigenverantwortung ist zynisch und un- erträglich. Dieses Denken alleine bedeutet natürlich insbesondere für die Är- meren und für Migrantinnen und Migranten, dass sie ohne Alternativen in Ab- hängigkeiten gehalten werden. Petra Rostock: Was genau meinst Du denn mit der Anpassung an den neo- liberalen Zeitgeist? Halina Bendkowski: Ich denke, dass weltweit der Neoliberalismus, der neo- liberale Zeitgeist eine verheerende Entsolidarisierung befördert hat, vor allem mit den Armen. 10 Siehe Ataman, Ferda (2009): »Imam-Internat im früheren DDR-Kulturhaus«, Tagesspiegel v. 18.02.2009.
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Title
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Subtitle
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Authors
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Publisher
transcript Verlag
Date
2009
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Size
14.7 x 22.4 cm
Pages
526
Keywords
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Category
Recht und Politik
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