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SABINE BERGHAHN/PETRA ROSTOCK/HALINA BENDKOWSKI
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Imame deutsche Länderkenntnisse haben. Da fragt dann die Journalistin, ob
da auch Frauen ausgebildet werden und die Antwort ist nein. Überrascht über
so eine Frage sagt er, nein haben wir nicht vor, mal gucken, ob wir das mal
machen.10 Wirklich auf so einer Ebene. Auch da sind Frauen überhaupt nicht
vorgesehen.
Ich finde feministische Theologie zwar in gewisser Weise absurd, denn
alle Religionen sind derartig sexistisch, wirklich alle und immer, wenn sie
attackiert worden sind und schwer in die Enge gedrängt worden sind durch
Mutige, die sich das nicht haben bieten lassen wollen, dann haben sie ihr
Unwesen weiter getrieben, wollen ja auch weiter machen. Deshalb ist mir die
feministische Theologie fremd. Ich verstehe dennoch, dass man sich für Kar-
rierefrauen einsetzen muss, weil alle Karriere machen dürfen. Aber das ist ein
sehr soziologisches Wissen, das ist nicht meine Empathie. Ich glaube tat-
sächlich, dass man eine solche Kulturtradition oder -realität wie Religion nur
von außen kritisieren kann, weil für die Frauen innerhalb der Religion kein
Platz vorgesehen ist – nicht in der katholischen Kirche, nicht im Islam. Im
Protestantismus haben Frauen nur durch herbe Kritik und unglaubliche Aus-
einandersetzungen einen Platz erobert. Es kommt von innen gar nicht zu sol-
chen Verbesserungen, und das ist auch im Islam so.
Ich ärgere mich, auch über Euch, weil ich denke, es ist eine Anpassung –
an den Mainstream. Es ist Folgendes passiert: Durch den Neoliberalismus gibt
es keinen Sozialstaat mehr und in allen Kulturen haben die Kirchen dadurch
mehr Macht erreicht.
So auch bei uns. Und das nehme ich der rot-grünen Regierung Politik
ganz besonders übel. Das ist für mich auch biographisch bitter, weil ich viel
bei den Grünen engagiert war. Als man dachte, jetzt ist endlich die Zeit ge-
kommen, um emanzipatorische Ideen umzusetzen, reden sie von Eigenver-
antwortung. Hartz IV als Konzept der Eigenverantwortung ist zynisch und un-
erträglich. Dieses Denken alleine bedeutet natürlich insbesondere für die Är-
meren und für Migrantinnen und Migranten, dass sie ohne Alternativen in Ab-
hängigkeiten gehalten werden.
Petra Rostock: Was genau meinst Du denn mit der Anpassung an den neo-
liberalen Zeitgeist?
Halina Bendkowski: Ich denke, dass weltweit der Neoliberalismus, der neo-
liberale Zeitgeist eine verheerende Entsolidarisierung befördert hat, vor allem
mit den Armen.
10 Siehe Ataman, Ferda (2009): »Imam-Internat im früheren DDR-Kulturhaus«,
Tagesspiegel v. 18.02.2009.
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Title
- Der Stoff, aus dem Konflikte sind
- Subtitle
- Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Authors
- Sabine Berghahn
- Petra Rostock
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2009
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-89942-959-6
- Size
- 14.7 x 22.4 cm
- Pages
- 526
- Keywords
- Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
- Category
- Recht und Politik