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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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KONFLIKTE UM DER FREIHEIT WILLEN SIND UNUMGÄNGLICH 483 Und die Kirchen tafeln mit. Für mich heißt Feminismus aber, um beim Thema zu bleiben, nicht nur Umverteilung von Ressourcen sondern ebenso von Bil- dung, von Förderung und von Chancen auf ein Leben auch jenseits von Reli- gion und Familie. Ein Nachbar zum Beispiel, der verbietet seiner Frau einen Deutschkurs und ist damit erfolgreich, weil er sich einfach nicht um die Kinder kümmert. So einfach ist das, so banal. Das ist eine junge Frau und die kann ihre Kinder auf Deutsch jetzt schon nicht verstehen. Und das ist wahr- lich kein Einzelfall sondern die Realität der sich nicht verantwortlich wis- senden Gesellschaft. Die Realität, die der Neoliberalismus erzeugt hat, bedeu- tet in den Geschlechterverhältnissen immer eine größere Abhängigkeit und eine Re-Inszenierung der Geschlechterhierarchie. Dem muss man sich wirk- lich ganz bewusst und auch kämpferisch entgegenstellen und auch die Grünen attackieren, die alle ihre emanzipatorischen Versprechen nicht nur nicht ein- lösen konnten, sondern schlimmer, aufgegeben haben – leider auch Marie- luise Beck. Wer bei Hartz IV für die Bedarfsgemeinschaft votiert hat, hat dem Gleichheitstreben nach Unabhängigkeit einen backlash-Tritt verpasst. Sabine Berghahn: Wenn wir noch mal einige Jahrzehnte zurückgehen, wurde doch in der feministischen Diskussion von denjenigen, die nicht zur weißen Mittel- oder Oberschicht gehörten und nicht heterosexuell waren, kritisiert, dass im Feminismus die zwischen Frauen existierenden Differenzen nicht berücksichtigt werden und es keine Anerkennung und keinen Respekt für diejenigen gibt, die in irgendeiner Form vom feministischen ›Mainstream‹ abweichen. Mit dieser Kritik hat sich auch der Feminismus verändert, es ka- men neue Denk- und Forschungsrichtungen auf, und es besteht meines Erach- tens heute weit gehende Einigkeit, dass diese Homogenisierung der Frauen nicht sein darf und dass auch innerhalb des Feminismus Differenzen aner- kannt werden müssen, soweit es legitime Differenzen sind und nicht unter- drückerische. Wer aber soll das besser beurteilen können, als die Betroffenen selbst? Und, um noch einmal auf das Kopftuch zurückzukommen – zu diesem relativ lächerlichen Symbol, was als solches keinen Schaden anrichtet, son- dern allenfalls in seiner Symbolik und was dahinter vermutet wird: Da, wo das Kopftuch wirklich freiwillig getragen wird und ihm ein positiver, Selbst- bewusstsein ausdrückender Sinn gegeben wird, kann man eigentlich nichts dagegen sagen und schon gar nicht von einem pluralistischen feministischen Standpunkt aus. Halina Bendkowski: Das ist wirklich nicht einfach zu diskutieren. Kurz ge- fasst würde ich sagen, das ist ein Totschlagargument. Das ist genau die Debat- te, die früher auf verschiedenen Frauensommerunis in Bremen geführt wurde. Schon damals dachte ich, wo wird diese Beliebigkeit hinführen. Der Femi- nismus muss dekonstruiert werden ob seines Alleinvertretungsanspruchs? Da-
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Title
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Subtitle
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Authors
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Publisher
transcript Verlag
Date
2009
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Size
14.7 x 22.4 cm
Pages
526
Keywords
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Category
Recht und Politik
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