Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geographie, Land und Leute
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Page - 396 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 396 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

Image of the Page - 396 -

Image of the Page - 396 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

Text of the Page - 396 -

396 Gegenreformation ger Religionsfrieden (cuius regio, eius religio) geschaffen. Auf dem Münchner Fürstentag (13./14. Oktober 1579) beschlossen die Herrscher Bayerns, Tirols und Inne- rösterreichs planmäßig gegen die »Häretiker« vorzu- gehen. In Innerösterreich nahm man vorerst den Adel von gegenreformatorischen Maßnahmen aus, weil man auf seine finanzielle und militärische Unterstützung im Kampf gegen die Osmanen angewiesen war. Ab 1594 kam es in den von evangelischen Slowenen bewohnten Gebieten (→  Gailtal/Zilja, →  Rosental/ Rož, Umgebung von →  Villach/Beljak) zu ersten ge- genreformatorischen Maßnahmen durch die bamber- gische Güterverwaltung bzw. den aquileischen Erz- priester zu →  Arnoldstein/Podklošter (→  Aquileia/ Oglej). Die 1587 zum Zwecke der Gegenreformation eigens ins Leben gerufene Religions-Reformations-Kommis- sion bereiste 1600 unter Fürstbischof Martin Bren- ner von →  Seckau erstmals Kärnten/Koroška. Die Kommission wurde von Soldaten begleitet, die in den größeren Städten (u. a.: Klagenfurt/Celovec, Villach/ Beljak, Tarvisio/Tarvis/Trbiž, Hermagor/Šmohor), aber auch in damals slowenischen Dörfern (u. a.: St.  Stefan im Gailtal/Štefan na Zilji, Feistritz a. d. Gail/Bistrica na Zilji, Vorderberg/Blače, Saak/Čače) zu den Waffen greifen mussten, um die evangelischen Prädikanten zur Flucht und die evangelische Bevölkerung zum Aufge- ben zu zwingen. Martin Brenner, Bischof von →  Seckau, und Tomaž →  Hren, Bischof von Ljubljana, waren die »geistlichen« Väter der Gegenreformation in Innerös- terreich. Eine wichtige Rolle kam den →  Jesuiten zu, die in Ljubljana seit 1597, in Klagenfurt/Celovec seit 1604 wirkten. Die gegenreformatorischen Maßnahmen umfassten zu Beginn öffentliche Bücherverbrennungen, die Ver- treibung evangelischer Prädikanten und Lehrer und die Zwangsauflösung des evangelischen Kirchen- und Schulwesens. Später folgten die Zerstörung evange- lischer Kirchen und Friedhöfe, die Einlieferung von Protestanten in Zucht- und Konversionshäuser, die Errichtung von 26 römisch-katholischen Missionssta- tionen in Kärnten/Koroška, die öffentliche Zurschau- stellung am Pranger mit Geld- und Leibesstrafen, die erzwungene Ablegung des römisch-katholischen Re- ligionseids, Denunziationen durch Spitzel, verpflich- tende Nachweise (etwa bei Berufsantritt) über »einen katholischen Lebenswandel« (abgelegte Beichte, Kom- munion und Einhaltung der Fastenvorschriften), Hei- ratsverbot zwischen Katholiken und Nicht-Katholiken und Einziehung zum Kriegsdienst. Kinder evangeli- scher Eltern wurden römisch-katholischen Vormunden zur (Um-)Erziehung nach römisch-katholischem Be- kenntnis übergeben. Nachdem die »Türkengefahr« ei- nigermaßen gebannt war und die römisch-katholische Seite zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges Erfolge verzeichnen konnte, wurde 1628 der evangelische Adel Innerösterreichs vor die Wahl gestellt – Bekehrung zum Katholizismus oder Ausweisung (Hans Freiherr von →  Ungnad). Zu den Folgen der Vertreibung des evangelischen Adels zählen u. a. eine spürbare wirt- schaftliche Verschlechterung und eine Hungersnot in Kärnten/Koroška. Im 18. Jh. wurden die der evangelischen Konfession trotz Verfolgung treu gebliebenen Geheimprotestan- ten (primär Bauern und Bergknappen), so man ihrer habhaft werden konnte, vor die Wahl gestellt, sich öf- fentlich der römisch-katholischen Kirche zuzuwenden oder auf eigene Kosten nach Siebenbürgen deportiert zu werden. Während sich unter den deutschspra- chigen Evangelischen Kärntens eine größere Zahl für die Deportation entschied, lassen sich unter den slowenischsprachigen Evangelischen nur Einzelper- sonen ausmachen. Der Großteil der evangelischen Slowenen entschied sich – zumindest nach außen hin –, in die römisch-katholische Kirche zurückzukehren. Ihre Nachkommen bildeten nach dem Toleranzpatent (1781) die slowenische evangelische Filialgemeinde zu →  Agoritschach/Zagoriče, einige der sloweni- schen Protestanten (z. B. jene aus Outschena/Ovčena, Finkenstein/Bekštanj, Faak/Bače  und Srajach/Sreje) schlossen sich der evangelischen Pfarrgemeinde St.  Ruprecht am Moos/Šentrupert na Blatu bei Vil- lach/Beljak an. Die Reformation ist für die Etablierung der slowe- nischen Sprache als →  Standard- und Literatursprache von unschätzbarer Bedeutung. Die mit der Gegenrefor- mation einhergehende Vernichtung der evangelischen slowenischen Schriftlichkeit wirkte sich negativ auf den religiösen, literarischen und nationalen Bereich aus. So wurde die Entwicklung der slowenischen Literatur für 250 Jahre hintangehalten und die nationale Eini- gung verlangsamt, zumal sich regionale Sprachformen und regionale territoriale →  Identitäten durchsetzen konnten (→  Slowenisch in Kärnten/Koroška). Lit.: G. Loesche : Geschichte des Protestantismus im vormaligen und im neuen Österreich. Wien 1930 ; O. Sakrausky : Geschichte einer protestan-
back to the  book Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I"
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška