Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geographie, Land und Leute
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Page - 413 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 413 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

Image of the Page - 413 -

Image of the Page - 413 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

Text of the Page - 413 -

413 Germanisierung, statistische den vorhergehenden Volkszählungen nur hinsichtlich der Bezeichnung der Rubrik zu Veränderungen ge- kommen ist, in die die Sprache eingetragen wurde. So wurde statt der »Umgangssprache« die entsprechende Rubrik in »Muttersprache« umbenannt. Alleine diese Benennung war ein ausreichender Grund, dass sich die Zahl der »Slowenischsprachigen« fast um die Hälfte erhöhte (von ca. 26.800 im Jahr 1934 auf ca. 44.700 im Jahr 1939). Natürlich kam es zu einer so hohen Zahl von Personen mit slowenischer Muttersprache u. a. auch deshalb, weil die zuständigen Behörden nach der Volkszählung alle Kategorien zur slowenischen Sprache zählten, die irgendwie mit den Kategorien »slowenisch« und »windisch« verbunden waren, und zwar trotz der Erklärung, wonach »windisch« ein →  Dialekt sei, der nicht mit dem Slowenischen gleichgesetzt werden dürfe. Nach dem Zweiten Weltkrieg behielten die Behör- den neben der deutschen und der slowenischen Um- gangssprache auch die Erfassung des »Windischen« als Umgangssprache bei, ebenso wie alle möglichen Sprachkombinationen zwischen den angeführten Ka- tegorien. Mit dieser fachlich unzulässigen statistischen Methode führten die Behörden auf der Grundlage von unwissenschaftlichen Kriterien die Teilung der slowe- nischsprachigen Bevölkerung fort, die dieselbe Sprache sprach (einen slowenischen Kärntner →  Dialekt) und schufen damit zwei Sprach- bzw. Volksgruppen : die imaginäre Gruppe der »Windischen« und die »Slowe- nen«. Fachlich unzulässig seitens der österreichischen Behörden war auch die spätere Erfassung der Anga- ben zur Umgangssprache, die auf der Grundlage von methodisch zweifelhaften Volkszählungsdaten in der Kategorie der Volksgruppenzugehörigkeit extrahiert wurden. Wie sehr solch eine manipulative Volkszäh- lung zu absurden Ergebnissen führte, die von den ös- terreichischen Behörden sogar als Grundlage für die Volksgruppengesetzgebung verwendet wurden, zeigt die Tatsache, dass in Rauth/Rute in →  Ferlach/Borov- lje bzw. im Schulsprengel Waidisch/Bajdiše in einem Haushalt drei Einwohner erfasst wurden, wobei einer der Kategorie »slowenisch«, der zweite der Kategorie »windisch« und der dritte der Kategorie »windisch-slo- wenisch« zugeordnet wurde. Charakteristisch ist auch ein Beispiel aus der Altgemeinde Mieger/Medgorje, wo 1951 keine »Windischen« aufscheinen und wo die Mehrzahl der Einwohner der Kategorie »deutsch- slowenisch« (83 %) zugezählt wurden. Im Jahr 1961 wurde die Mehrheit der Bevölkerung der Kategorie »windisch-deutsch« zugeordnet (42,2 %), im Jahr 1971 dann 76 % als »deutsch« erfasst. So ist den statistischen Angaben nach in 20 Jahren der Anteil der Kategorie »deutsch« von 8 % auf 76 % gestiegen, während die Zuordnung zur Kategorie »deutsch-slowenisch« im selben Zeitraum von 83 % auf 12 % fiel. In der Katego- rie »windisch-deutsch« wurde bei den Volkszählungen 1951 und 1971 niemand erfasst, 1961 jedoch 42,2 %. Eine ähnliche St.  G. wie in Südkärnten/Južna Koroška kann auch im Bereich des autochthonen Sied- lungsgebietes der Slowenen in der österreichischen Steiermark/avstrijska Štajerska festgestellt werden (→  Steirische Slowenen). So wurden etwa in Sicher- dorf/Žetinci bei der Volkszählung 1939 189 Personen mit slowenischer Umgangssprache erfasst, 1951 jedoch keine einzige Person mehr. Dabei ist es nicht verwun- derlich, dass sich unter einigen österreichischen Politi- kern die Meinung festigte, dass es keine Slowenen in der Steiermark/Štajerska gäbe und dass sie lediglich durch Zufall in Art. 7 des österreichischen Staatsver- trags von 1955 erwähnt werden. Die Volkszählungen waren zur Zeit der Habsburger- monarchie ebenso wie in der Ersten und in der Zweiten Republik nur eines der Mittel der St.  G. Weitere Mit- tel der St.  G. stellten die →  Wahlordnungen bzw. die diskriminierenden →  Wahlkreiseinteilungen und die territoriale Organisation allgemein dar und auch die Gemeindegliederungen und Gemeindezusammenle- gungen mit für die Slowenen ethnopolitisch negativen Auswirkungen. Ebenso dienten die Volkszählungen unterschiedlichen Missbräuchen und spiegelten nie die tatsächliche ethnische Struktur in den von den Volks- gruppen bewohnten Gebieten Kärntens, der Steiermark und des Burgenlandes. Der wahre Grund für diese Art der Volkszählungen zeigte sich im Rahmen der Volks- gruppengesetzgebung, die dem Schutze der sloweni- schen (und kroatischen) Volksgruppe in Österreich dienen sollte. Die Gesetzgeber bestimmten zunächst nur jene Orte bzw. Gemeinden als unter den Schutz fallend, die einen Mindestanteil von 20 oder 25 % an slowenisch- (bzw. kroatisch-) sprechender Bevölkerung aufwiesen, wobei zu den »Slowenen« jene Personen nicht gezählt wurden, die in einer der kombinierten Sprachkategorien »windisch«, »windisch-deutsch« und »deutsch-windisch« erfasst wurden. Wegen solcher Methoden blieben die Volkszählungen auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Ausdruck einer Konzeption der St.  G. zur systematischen »statistischen Reduzierung« der Volksgruppen in Österreich.
back to the  book Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I"
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška