Page - 416 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Geschichtsschreibung
Buchcover, Drava
VerlagVergangenheit
anregten. Das erste Geschichtsbuch in
slowenischer Sprache erschien 1844 in Graz und wurde
von Anton Krempl herausgegeben, die Dogodovšine
Štajerske zemle [Geschichte des Landes Steiermark],
die an die von Andrija Kačić-Miošić 1756 heraus-
gegebenen Razgovori ugodni naroda Slovinskoga [An-
genehme Gespräche des slawischen Volkes] anknüpft.
1854 erschien dann die Celska kronika [Chronik von
Celje] von Ignac Orožen. Die Historiografie des
slowenischen Raumes behielt bis zum Anfang des 20.
Jh. die Thematisierungen im Landesparadigma bei, al-
lerdings erfuhr der kritische Zugang in den Arbeiten
nicht professioneller Forscher eine Stärkung (August
Dimitz : Geschichte Krains von der ältesten Zeit auf das
Jahr 1813, 4 Bd., 1874–1876 ; Ivan Lapajne : Politična
in kulturna zgodovina štajerskih Slovencev [Politische
und Kulturgeschichte der steirischen Slowenen], 1884 ;
Franc Kovačič : Slovenska Štajerska in Prekmurje [Die
slowenische Steiermark und das Prekmurje], 1926).
Nach 1848 wollten einzelne Autoren im Geist des
damals einflussreichen historisierenden Denkens mit
ihren Beiträgen die slowenischen Emanzipationsbe-
strebungen unterstützen, doch wegen ihres unkritischen
Zuganges war ihnen keine nachhaltige Bedeutung be-
schieden ; dazu lassen sich die theoretisch autochtho-
nistischen Studien von Davorin → Trstenjak oder
die Zgodovina slovenskega naroda [Geschichte des slo-
wenischen Volkes] (1866) von Janez → Trdina zäh-
len. Doch Historiker mit Universitätsbildung wie Fran
Šuklje, Simon Rutar, Josip → Apih, Josip Stare
und Franc → Kos sollten bald eine grundlegende Än-
derung herbeiführen. Die wissenschaftliche Kritik pro-
blematisierte in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s überzeu-
gend das Paradigma der Landesgeschichtsschreibung,
die sich unter dem Einfluss des ständischen und später
des habsburgischen verfassungs-staatsbürgerlichen Pa-
triotismus entwickelt hatte. Die wichtigsten, bis zum
Ersten Weltkrieg entstandenen Werke waren bereits
dem gesamten slowenischen Raum gewidmet : Josip
Apih : Slovenci in 1848. leto [Die Slowenen und das
Jahr 1848] (1888) ; Dragotin → Lončar : Politično
življenje Slovencev [Das politische Leben der Slowe-
nen] (1906) ; derselbe : Slovenci. Načrt slovenske socialne
zgodovine [Die Slowenen. Der Plan einer slowenischen
Sozialgeschichte] (1911). Ebenso wurden slowenische
historische Vereine (→
Zgodovinsko društvo v Mariboru,
1903) und Zeitschriften gegründet (Izvestja Muzejskega
društva za Kranjsko [Nachrichten des Museumsvereins
für Krain], 1891 ; → Časopis za zgodovino in narodo- pisje [Zeitschrift für Geschichte und Ethnographie],
1904). Mit der Občna zgodovina za slovensko ljudstvo
[Allgemeine Geschichte für das slowenische Volk] (5
Bd., 1874–1888) von Josip Stare und der Zgodovina
slovenskega naroda [Geschichte des slowenischen Vol-
kes] (6 Bd., 1910–1916) von Josip → Gruden bekam
der slowenische Raum populär geschriebene Darstel-
lungen der allgemeinen und der Nationalgeschichte.
Von besonderer Bedeutung ist das 1914 in Wien von
Ivan Slokar herausgegebene Werk Geschichte der Ös-
terreichischen Industrie und ihrer Förderung unter Kaiser
Franz I. Es ist fundiert geschrieben und führt Quellen
an, die später vernichtet wurden. Alles in allem wurde
es zum bisher breitenwirksamsten Werk der slowe-
nischen Historiografie. Die G. erhielt im 19. Jh. und
auch später starke Inputs von der Philologie bzw. Li-
teraturgeschichte (Jernej →
Kopitar, Franc → Mik-
losich, Matija →
Murko, Ivan → Prijatelj, France
→ Kidrič, Rajko Nahtigal, Fran → Ramovš, Ivan
→ Grafenauer, Anton Slodnjak). Die Philologie
war für die Slowenen lange Zeit die zentrale Wissen-
schaft zur Erforschung der nationalen Problematik.
Nach der Gründung der Universität in Ljubljana
erfuhr die slowenische G. einen großen Aufschwung.
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55