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Geschichtsschreibung und kognitive Dissonanzen
Ljudmil → Hauptman (Grofovi Višnjegorski [Die
Grafen von Višnja gora], 1935 ; Staroslovenska družba
in obred na knežjem kamnu [Die altslowenische Gesell-
schaft und die Zeremonie auf dem Fürstenstein], 1954)
und Milko → Kos (Zgodovina Slovencev od naselitve do
reformacije [Geschichte der Slowenen von der Ansied-
lung bis zur Reformation], 1933, ergänzt 1955) hatten
die mittelalterliche Problematik zum Thema ; Fran
→
Zwitter berücksichtigt bei seiner Forschungs-
arbeit Soziologie und Ökonomie auch der neueren
Zeit (Prebivalstvo na Slovenskem od XVIII. stoletja do
današnjih dni [Die Bevölkerung in den slowenischen
Ländern vom 18. Jh. bis heute], 1936 ; Nacionalni prob-
lemi v habsburški monarhiji [Nationale Probleme in der
Habsburgermonarchie], 1962). Josip →
Mal setzt mit
starker Betonung der Kulturgeschichte den Faden von
Grudens Zgodovina slovenskega naroda [Geschichte
des slowenischen Volkes] fort (10 Bd., 1928–1939).
Sein Werk beleuchtet vor allem die Problematik der
Zeit des Vormärz und ist dazu von grundlegender Be-
deutung. Er widmete sich zeitweise auch älteren Epo-
chen (Probleme aus der Frühgeschichte der Slowenen, 1939 ;
Stara Ljubljana in njeni ljudje [Das alte Ljubljana und
seine Menschen], 1957). Die Kirchengeschichte (Josip
→
Gruden, Franc Kovačič, Franc Grivec), Rechts-
geschichte (Bogumil Vošnjak, Janko Polec, Metod
Polenc), Kunstgeschichte (Avguštin Stegenšek, Izi-
dor Cankar, France Stele) und Musikgeschichte
(Josip Mantuani) hatten schon vor dem Ersten
Weltkrieg ein hohes Niveau erreicht und erlebten nach
1918 einen neuerlichen bedeutenden Aufschwung. Mit
der Antike befassten sich v. a. Archäologen (Balduin
Saria) und Spezialisten (Anton von Premerstein).
Nur wenige slowenische Forscher widmeten sich der
Vergangenheit der anderen südslawischen Völker. Ihr
Wirken war nicht unbedeutend (Ljudmil Hauptman,
Gregor Čremošnik).
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die G. unter dem
Druck der kommunistischen Behörden. Der Maßstab
bei der Beurteilung der Qualität war die Kompatibilität
mit dem von Edvard Kardelj 1939 publizierten Werk
Razvoj slovenskega narodnega vprašanja. Doch trotz der
Gründung des Inštitut za zgodovino delavskega gibanja
[Institut für die Geschichte der Arbeiterbewegung],
das die marxistischen Ansichten durchsetzen sollte,
wurden diese nicht zu Leitbildern für die Erforschung
der Vergangenheit, sie beeinflussten lediglich die Inter-
pretationen der Zeitgeschichte und teilweise der Wirt-
schaftsgeschichte (Metod Mikuž, Janko Pleterski). Die führenden Vetreter der slowenischen Historiogra-
fie – Milko Kos, Fran Zwitter, Bogo → Grafe-
nauer (Zgodovina slovenskega naroda I–V, 1954–1961),
Vasilij Melik (Volitve na Slovenskem, 1965), Ferdo
Gestrin (Slovenska zgodovina od konca osemnajstega
stoletja do 1918, 1966 gemeinsam mit Melik), Sergej
Vilfan (Pravna zgodovina Slovencev, 1988) und Božo
Otorepec (Srednjeveški pečati in grbi mest na Slovens-
kem, 1988) bewahrten ein hohes wissenschaftliches Ni-
veau, was nach 1947 in hohem Maße in der zentralen
historiografischen Zeitschrift Zgodovinski časopis zum
Ausdruck kommt. Ihre Nachfolger schlossen sich im-
mer erfolgreicher den breiteren europäischen historio-
grafischen Strömungen an (Sozialgeschichte, Kulturge-
schichte, Geschichte, Gender). Diese wurden auch an
den Universitäten in Maribor, Koper und Nova Gorica
umgesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten
die slowenischen Historiker in Österreich sichtbare
Erfolge – Feliks J. Bister, Theodor Domej, Tamara
Griesser-Pečar, Walter Lukan, Avguštin Malle,
Andreas moritsch und Marija Wakounig. In Italien
setzte sich Jože Pirjevec durch, in der DDR Walter
Markov. Der bedeutendste slowenische Historiker in
der Emigration ist France Dolinar.
Lit.: ES (P. Vodopivec : Zgodovinopisje). – M. Kos : Pregled slovenske
historiografije. In : Jugoslovenski istoriski časopi 1 (1935) 8–21 ; B.
Grafenauer : Struktura in tehnika zgodovinske vede. Ljubljana 1960 ;
O. Luthar : Med kronologijo in fikcijo. Strategije historičnega mišljenja.
Ljubljana 1993.
Igor Grdina ; Üb.: Katja Sturm-Schnabl.
Geschichtsschreibung und kognitive Dissonanzen.
Die Historiografie zur slowenischen Geschichte und
→ Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška und die
Wahrnehmung ihrer Bedeutung im Land unterlie-
gen wie viele andere Bereiche der Wahrnehmung und
Kommunikation durchaus menschlichen Faktoren, wo
vermeintlich objektive Wahrnehmungen, Analysen und
Einstellungen unbewusst subjektiven Kriterien und Er-
wartungshaltungen untergeordnet werden. Solcherma-
ßen werden Diskrepanzen zwischen Voreinstellungen,
ideologisch gefärbten »Glaubenssätzen« und Erwar-
tungshaltungen hervorgerufen, die auch im wissen-
schaftlichen Bereich zu kognitiven Dissonanzen führen
(können). Solche innere Widersprüchlichkeiten bzw.
Dissonanzen werden an sich als unangenehm empfun-
den. Deshalb kommt es bei kognitiven Dissonanzen
nach Leon Festinger zu verschiedenen »Strategien«
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55