Page - 419 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Image of the Page - 419 -
Text of the Page - 419 -
419
Geschichtsverein für Kärnten
Geschichtsverein für Kärnten lichen Akteure betrifft bzw. betreffen kann, deuten
aber auch neueste konzeptuelle und terminologische
Forschungsergebnisse im Rahmen der vorliegenden
Enzyklopädie (→ Terminologie). So erfasst – um nur
zwei Beispiele aus der Verfassungsgeschichtsschrei-
bung zu nennen – literaturüblich der slowenische Be-
griff der allgemeinen Geschichtsschreibung »ustavna
doba« [Verfassungsperiode] den Zeitraum ab 1860/61
bis zum Ende der Monarchie. Der Begriff erfasst je-
doch nicht die frühkonstitutionelle Periode bzw. die
Verfassungen und Verfassungsentwürfe ab 1848, was
aus österreichischer verfassungshistorischer Perspek-
tive konzeptuell kaum nachvollziehbar ist. Andererseits
wurde die einzige Kärntner → Landesverfassung (aus
dem Jahre 1849), die in ihrem Artikel 3 beide Völker
als konstitutiv definiert und die sogar Rechtsfolgen zei-
tigte (was folglich auch die zweisprachige Edition des
→
Landesgesetzblattes von 1850 bis 1859 begründet),
bisher von der wissenschaftlichen Literatur nicht bzw.
nicht in relevantem Ausmaß berücksichtigt (vgl. dazu
auch die Erkenntnisse zur → Inkulturation).
Ein weiteres Beispiel ist der Atlas Slovenije, der eine
in sich inkohärente Kartografisierung unternimmt, wo
zwar Teile des »zweisprachigen« Gebietes detailgenau
und wissenschaftlich in durchaus erkenntniserweitern-
der Weise berücksichtigt werden, nicht aber etwa das
Gebiet der Schulverordnung 1945 oder das der slowe-
nischen/zweisprachigen → Liturgiesprache in seiner
Gesamtheit. Hier interferieren zudem Denkmuster
einer neu verstandenen territorialen → Identität in Slo-
wenien, bei der es zu einer Reduktion der Konzeption
der slowenischen Geschichte und Identität auf das Ter-
ritorium der heutigen Republik Slowenien kommt (vgl.
Štih 2001 und Štih 2009).
Lit.: L. Festinger : A Theory of Cognitive Dissonance. Standford, CA
1957 ; L. Festinger : Theorie der kognitiven Dissonanz (Hg. M. Irle, V.
Möntmann). Bern [e. a.] 1978 ; B. Grafenauer : Struktura in tehnika
zgodovniske vede (Uvod v študij zgodovine). Ljubljana 1980 ; D. Kropf-
berger : Erfolgsmanagement statt Krisenmanagement, Strategisches Ma-
nagement in Mittelbetrieben, Linz 1986 ; J. Juhant : Pojmovanje zgodo-
vine in problemi reinterpretacije zgodovine Slovencev. In : V. Rajšp [e. a.]
(Hg.) : Melikov zbornik. Ljubljana 2001, 95–106 ; P. Štih : Srednjeveško
plemstvo in slovensko zgodovinopisje. In : V. Rajšp [e. a.] (Hg.) : Meli-
kov zbornik. Ljubljana 2001, 61–72 ; H. Valentin, S. Haiden, B. Maier
(Hg.) : Die Kärntner Volksabstimmung 1920 und die Geschichtsforschung
– Leistungen, Defizite, Perspektiven. Klagenfurt 2002 ; P. Štih : Poglavje
iz nacionalizirane zgodovine ali O zgodnjesrednjeveških začetkih zgodo-
vine Slovencev. In : Studia Historica Slovenica 5/1–3 (2005) 105–132 ;
G. Hüther, W. Roth, M. von Brück (Hg.) : Damit das Denken Sinn be-
kommt, Spiritualität, Vernunft und Selbsterkenntnis. Mit Texten des Da- lai Lama. Freiburg im Breisgau [u. a.] 2008 ; G. Hüther : Bedienungs-
anleitung für ein menschliches Gehirn. Göttingen 82009 ; P. Štih : Suche
nach der Geschichte oder Wie der karantanische Fürstenstein das Natio-
nalsymbol der Slowenen geworden ist. In : H. Reimitz, B. Zeller (Hg.) :
Vergangenheit und Vergegenwärtigung, frühes Mittelalter und europäi-
sche Erinnerungskultur. ÖAW. Wien 2009, 229–240 ; B.-I. Schnabl :
Poljanci in poljanščina, Nova spoznanja o stari identiteti Slovencev na
Celovškem polju. In : Nedelja, priloga XIV dni, 1. 4. 2011, 4–6 ; B.-I.
Schnabl : Dvojezična ustava Koroške in deželni glavar Janez Nepomuk
Šlojsnik. In : KK 2012. Celovec [2011], 165–188 ; B.-I. Schnabl : Božja
pot v Gospo Sveto in nazaj, ali, Večno mlade lipe. In : KMD 2012. Celo-
vec [2011], 112–116 ; B.-I. Schnabl : Inkulturacija, fenomen kulturnih
procesov na Koroškem. In : SMS 15 (2012) 231–246 ; B.-I. Schnabl :
1824 in 1849, ključni letnici za razumevanje slovenske politične in us-
tavne zgodovine na Koroškem. In : KK 2014. Celovec 2013, 177–189.
Bojan-Ilija Schnabl
Geschichtsverein für Kärnten, Verein zur Erfor-
schung der Landesgeschichte, er wurde bei der Grün-
dung Historischer Verein für Kärnten genannt, ab 1891
Geschichtsverein für Kärnten (slow. Zgodovinsko društvo
za Koroško). Der Verein wurde am 16. September 1844
im Großen Wappensaal des Landhauses in → Klagen-
furt/Celovec als Filiale des → Historischen Vereins für
Innerösterreich unter dem Motto »Alles für Kärnten«
gegründet (→ Innerösterreich, → Krain/Kranjska). Er
gilt als die älteste wissenschaftliche Institution des Lan-
des Kärnten/Koroška. Die Selbstständigkeit wurde am
24. Oktober 1849 beschlossen. Eines der Hauptziele lag
in der Gründung und im Bau eines historischen Muse-
ums in Klagenfurt/Celovec. 1883 war das Ziel erreicht,
und der Verein erhielt ein neues Gebäude für das Ru-
dolfinum, das spätere Kärntner Landesmuseum.
Der Verein, der sich mit dem Studium der Landes-
geschichte befasste, sammelte auch Quellen in Klos-
ter-, Schloss- u. a. privaten Archiven. So kamen auch
das Archiv von Viktring/Vetrinj, Kopien aus dem
Klosterarchiv in →
St. Paul im Lavanttal/Šentpavel v
Labotski dolini und das Archiv der Grundherrschaft
→ Arnoldstein/Podklošter in seinen Besitz. Der erste
Vorsitzende des Vereins, Gottlieb von Ankershofen,
betreute als Erster das Archiv, nach ihm folgten Alois
Weiss, der sich bei der Organisation das Germanische
Nationalmuseum in Nürnberg zum Vorbild nahm, Josef
Fresacher, August Jaksch u. a. Der Verein verfügte
über weitere reiche Sammlungen (Bibliothek, Lapida-
rium, Kunstsammlung), die 1942 alle in das Eigentum
des Kärntner Landesmuseums in Klagenfurt/Celovec
übergingen.
Ab 1845 sammelte man auch naturkundlich rele-
vante Objekte und setzte sich für die Gründung eines
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55