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Geschichtsverein für Kärnten
naturhistorischen Landesmuseums ein, die 1848 zu-
stande kam. Das naturhistorische Museum hatte schon
bald eine größere Zahl von Mitgliedern und größeren
öffentlichen Einfluss und übertraf so bald den G.
Der G. ließ Archivare ausbilden und war bei den ar-
chäologischen Ausgrabungen führend. In den 50er- und
60er-Jahren des 19. Jh.s begann man Teurnia und den
Magdalensberg/Štalenska gora, Virunum, das →
Zoll-
feld/Gosposvetsko polje sowie Pfahlbauten an den
Kärntner Seen (v. a. am → Keutschacher See/Hodiško
jezero) zu erforschen. Als Archäologe erwarb sich Mi-
chael Franz von Jabornegg-Altenfels große Ver-
dienste, er setzte sich zum Ziel, alle römischen Denk-
mäler in Kärnten/Koroška zu erforschen (er ist der
Herausgeber von Kärntens römische Alterthümer, 1870).
Die Mitglieder des G. schrieben mehrere selbststän-
dige Arbeiten über Kärnten/Koroška und begannen
mit der Herausgabe der Quellensammlung Monumenta
historica ducatus Carinthiae (Klagenfurt 1896). Eine
Landesgeschichte von 600 v. Chr. bis 1122 stammt aus
der Feder von Gottlieb von Ankershofen (Handbuch
der Geschichte des Herzogthums Kärnten, 1850). Er gilt
auch als Begründer der modernen Kärntner → Ge-
schichtsschreibung. Karlmann Tangl bearbeitete den
Zeitraum von 1259 bis 1310 (1864), Heinrich Her-
mann jenen von 1335 bis 1857 (1860).
Besondere Sorge um die zeitgenössische Geschichte
zeigte die Führung auch mittels der Landeschronik.
Die Mitglieder wurden angehalten, über Ereignisse
historischen, kulturellen und naturkundlichen Cha-
rakters Berichte zu verfassen. Vom Verein wurden auch
Vorträge veranstaltet, bereits 1846 über Diplomatik und
Paläografie, so konnten Mitglieder ebenfalls für das
Sammeln von Archivmaterial ausgebildet werden. Be-
sondere Verdienste für den G. erwarben v. a. Gottlieb
von Ankershofen, Michael Franz von Jabornegg-
Altenfels, Karlmann Tangl, Anton von Gallen-
stein und Max von Moro (Vorsitzender 1860–1898).
Zu den Mitgliedern zählten auch die Slowenen Ma-
tija → Majar, Andrej → Einspieler und Anton
→ Janežič. Zu Beginn des 20. Jh.s waren August
Jaksch, Josef Fresacher und Martin → Wutte die
führenden Mitglieder des G. Vor der → Volksabstim-
mung (1918–1920) spielte der G. eine sichtbare Rolle
in der → Volksabstimmungspropaganda für den Ver-
bleib Kärntens/Koroške bei Österreich. Dabei waren
die führenden Mitglieder, insbesondere tritt Martin
Wutte, der Erfinder der so genannten → Windi-
schentheorie, hervor. Bereits 1846, als der G. noch im Rahmen des His-
torischen Vereins für Innerösterreich tätig war, wollte er
mit der Herausgabe einer eigenen Zeitschrift, dem Ar-
chiv für Geschichte des Herzogthumes Kärnten, beginnen.
Doch die Zensur wies das Gesuch ab, da der Zentral-
ausschuss des Historischen Vereins für Innerösterreich
die Notwendigkeit einer solchen Zeitschrift verneinte.
1849, drei Jahre später, erschien die erste Nummer der
Vereinszeitschrift Archiv für vaterländische Geschichte
und Topographie, die zunächst nicht jährlich erschei-
nen konnte. Es wurden Artikel und Abhandlungen
publiziert, ebenso wie Listen von Mitgliedern, erwor-
benen Bücher, Urkunden, und Münzen sowie Berichte
über die Vereinstätigkeit. Der erste Herausgeber war
bis zu seinem Tod Gottlieb von Ankershofen, da-
nach wurde sie vom Vereinsvorstand herausgegeben.
Die Zeitschrift enthielt, außer in den ersten Jahrgän-
gen, kaum etwas über das Slawentum und ebenso we-
nig über die Slowenen in Kärnten/Koroška. Wegen
der archäologischen Ausgrabungen auf dem → Zoll-
feld/Gosposvetsko polje wurde aber die Zeremonie
der Herzogseinsetzung (→ Fürsteneinsetzung), der
→ Fürstenstein und der Herzogstuhl mehrmals er-
wähnt. Neben den Hauptmitarbeitern Ankershofen,
Jabornegg, Gallenstein und Hermann waren in
den 50er- und 60er-Jahren des 19. Jh.s aktiv : Karlmann
Flor, Mathias Koch und Franz Xaver Richter, von
den vertretenen Slowenen sei Davorin →
Trstenjak
genannt. Die größten Verdienste um die Edition von
Quellen erwarb sich Ignaz Tomaschek, der die Re-
gesten über die Geschichte Kärntens vorbereitete, Beda
Schroll edierte die Quellen zur Geschichte des Klos-
ters → St. Paul/Šentpavel.
Die zweite Vereinszeitschrift war die → Carinthia,
die 1811 zunächst als belletristische Wochenschrift er-
schien. Die Carinthia wird als älteste historische Zeit-
schrift in Österreich eingereiht. Sie hatte bereits 1844
ca. 900 Abonnenten, unter den Autoren finden wir
auch Matija → Ahacel und Urban → Jarnik. Vor
allem Jarnik schrieb viel über das slowenische Ele-
ment in Kärnten/Koroška. 1864 schließt der G. eine
Vereinbarung mit dem Naturhistorischen Museum ; die
Carinthia wurde zur Monatsschrift, zunächst wurde
1869 die Belletristik ausgesondert. Seit 1891 hat die
Zeitschrift zwei Schriftenreihen : Carinthia I (Mitthei-
lungen des Geschichtsvereins für Kärnten) und Carinthia
II (Mittheilungen des Naturhistorischen Landesmuseums
für Kärnten). Erstere nannte sich zunächst (1890) Neue
Carinthia, publizierte nur wissenschaftliche Abhand-
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55