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Geographie, Land und Leute
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Page - 425 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

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425 Glagolica wurden schon 100 Jahre vor Eintreffen der »Slawen- apostel« von Salzburg als confines Carantanorum reli- giös betreut. Die Leute des früheren dux Maravorum Moimar haben Pribina, den Vater von →  Kocelj/ Chezilo, aus Morava verjagt. Pribina floh »in den Westen«, kooperierte freundschaftlich mit →  Salzburg und ließ an der Sala/Zala von Salzburger Baumeistern viele Kirchen erbauen und vom Salzburger Erzbischof einweihen. 861/862 fällt Pribina (quem Maravi oc- ciderunt) in einer Schlacht der fränkischen Herrscher gegen die Moravaner des Rastislav. 863 schickt der griechisch-byzantinische Kaiser Kyrill und Method aus Solun/Saloniki (»wo alle slawisch sprechen«) nach Morava zu Rastislav und Sventopulk. Der Anfang der neuen, eigens für diesen Missionsauftrag erfunde- nen Schrift Glagolica beginnt 863 so : »Gott offenbarte dem Filosofen die slawische Schrift und sogleich ordnete er (Kyrill) die Buchstaben und stellte ein Abecedarium (a/ beseda) zusammen.« Die 60er-Jahre des 9. Jh.s waren für die Confines Ca- rantanorum und die pannonische Umgebung von eu- ropäischer Bedeutung : Es ging um die politische Un- abhängigkeit vom jeweiligen Nachbarn : Bulgarien von Konstantinopel, Pannonien vom fränkisch-bairischen Staat und der Salzburger Kirche. 863 treffen sich Lud- wig »der Deutsche« (rex Baivariorum) und der bulga- rische Chan Boris im niederösterreichischen Tulln zu Kooperations-Verhandlungen. Der griechisch-byzanti- nische Patriarch Photios wird von Papst Nikolaus wegen religiöser Streitigkeiten exkommuniziert. Pho- tios exkommuniziert seinerseits den römischen Papst Nikolaus. Bulgarien wendet sich an Rom um Missi- onare. Der römische Papst plant eine Bulgarien-Mis- sion. Es werden Bischöfe und Priester aus Rom und Baivarien nach Bulgarien entsandt. Eine hochrangige bulgarische Delegation geht über Cividale (friul. Civi- dat, slow. Čedad) mit einem Fragenkatalog nach Rom. Es entstehen die berühmten Responsa Nicolai papae ad consulta Bulgarorum. In dieser verwirrenden Konstellation schickt der byzantinische Kaiser Michail die beiden Brüder Kyrill und Method nach Pannonien, in die confi- nes Carantanorum. Daraufhin verlässt der Salzburger Erzpriester Rihpaldus, der am Hof des gefallenen Pribina tätig war, seinen pannonischen Amtssitz und geht frustriert nach Salzburg zurück. 869 starb Kyrill in Rom. 870 entsteht das Salzburger »Weißbuch« über die Mission bei den Karantanern und in den Confi- nes, die →  Conversio Baivariorum et Carantanorum. 870 wird Method von den Salzburgern zweieinhalb Jahre in Klosterhaft gehalten (→  Chiemsee). Die bairisch- fränkischen Priester müssen angeblich Morava/Panno- nien verlassen. Die Rolle →  Koceljs, des Sohns und Nachfolgers von Pribina, in seinem ducatus und seiner Burg (in castro Chezilonis) Mosapurc (heute ungarisch Zalavár) ist undurchsichtig. Er kooperiert mit zwei konträren Parteien : Noch 864 feiert der Salzburger Erzbischof Adalwin bei ihm Weihnachten. Gleich- zeitig wendet er sich im Interesse Methods an den römischen Papst. Die Aktionen Roms waren wenig er- folgreich und Salzburg gegenüber unklug. Das pannonische Abenteuer endet für das grie- chisch-byzantinische Konstantinopel, ebenso wie für Bulgarien, ungünstig. Der Moravaner Sventopulk schließt schon 870 mit dem fränkischen König Frieden und nähert sich wieder »dem Westen« an. Rastislav wird wegen Hochverrats zum Tod verurteilt und zur Blendung begnadigt. 874 wieder weiht der Salzburger Erzbischof Theotmar für Kocelj in Ptuj (Pettau) eine Kirche, obwohl Method in seiner Burg gerade die Bibel ins »Slawische« übersetzt. Kocelj selbst ver- handelt weiterhin mit Rom für Method. 885 stirbt Method und wird in seiner Kathedrale in Sremska Mitrovica (Sirmium) als »moravischer Erzbischof« (arhiepiskup moravsk) begraben. Als Nachfolger hatte er sich den adeligen Gorazd gewünscht, weil die- ser »in den lateinischen Schriften gut bewandert« ist. Man konnte übrigens das Slowenisch mit lateinischen Buchstaben ganz gut schreiben (→  Schrift). War es die Absicht Kyrills und seine persönliche Entscheidung, mit einer ganz neu erfunden Schrift statt der vertrauten lateinischen und griechischen einen dritten Weg zu ge- hen ? Der byzantinische Kaiser jedenfalls hat ihm den Auftrag zur Erfindung einer neuen Schrift nicht erteilt. Übrigens erwähnt Porphyrogenntos 950 in De ad- ministrando imperio mit keinem Wort →  Salzburg und das byzantinische Pannonien-Experiment. Die Schrift, die Kyrill erfunden und für die Bi- belübersetzung verwendet hat, ist die G., benannt nach dem 4. Buchstaben (glagol) des Alfabetgedichts. Glagol ist »das Wort«, glagolati bedeutet »sprechen«. Das Wort ist keltisch und wurde von den Ladinern (→  Altladinisch) übernommen. Römer und Griechen hatten keine Glocken. Der Glockenschwengel hieß ladinisch clocul, bairisch Glachel. Das glagolitische Abc, um einige Buchstaben für besondere slawische Laute ergänzt, entspricht genau dem griechischen »Alpha- Beta«. Außer dem hebräischen ש/Ш stimmen einige
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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