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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Page - 433 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

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433 Glottonyme Unrecht wenig beachtetes Gebiet der Sprachwissen- schaft. Literaturüblich werden G. von Sprachwissen- schaftern und Historikern konventionell und unbe- dacht verwendet. In vielen Fällen ist die semantische Abgrenzung von →  Ethnonymen/Völkernamen und Choronymen/Ländernamen (Gegendnamen) ungenau. Besonders mit dem Zusatz alt werden Fakten vorge- täuscht, die es nicht gab. Althochdeutsch (es gibt keine Althochdeutschen) ist nicht altes Hochdeutsch, sondern altes Alemannisch, altes Fränkisch, altes Bairisch (→  Alt- bairisch). Die Übersetzung des lateinischen G. sclava- niscus mit »slawisch« ist meist nicht korrekt. Es kann in Karantanien auch →  altslowenisch, →  karantanerslowe- nisch, →  alpenslawisch bedeuten. Das G. slowenisch wird im Deutschen ausgehend von der wissenschaftlichen Literatur ab dem 19. Jh. verwen- det. Das slowenische slovenski ist seit →  Trubar und →  Dalmatin belegt, wiewohl schon die →  Freisinger Denkmäler heute als »slowenisch« (→  altslowenisch, →  karantanerslowenisch, →  Ethnonym Slovenci im Slowenischen, →  Ethnonym Slowenen im Deutschen) bezeichnet werden. Die Sprachbenennung (Eigenbe- nennung und Fremdbenennung) ist meist nicht volks- sprachlich (vulgare vocabulum) sondern von Sprach- wissenschaftern eingeführt. Kein Sprecher würde seine Sprache je als alt (altslowenisch, altbulgarisch, →  alt- bairisch) benennen. Die (volkstümliche) bairische und später deutsche Bezeichnung →  Windisch für »Slowe- nisch« ist heute veraltet und historisch. Folglich sind die »volkstümlichen« G. und die sprachwissenschaftlichen zu unterscheiden. →  Alpen- slawisch oder →  Karantanisch sind unpräzise G., die dasselbe meinen, ohne dass der Sprachwissenschaft mit dieser Differenzierung gedient wäre. Alle G. mit dem Zusatz alt entsprechen einer linguistischen Perspektive. Für altbulgarisch gibt es über 50 »wissenschaftliche« G. Der ideologische Streit um die G. →  altslowenisch, alt- slawisch, altkirchenslawisch, altrussisch, altbulgarisch zeigt terminologische Grauzonen. Eigenbenennung war im- mer slavensk/slavjansk oder slovensk/slovjansk, meist als Gegensatz zu »Latein«, in kärntnerslowenischen Dia- lekten noch heute slovenje : govorit slovenje (im Dialekt swoweje). Eine linguistisch fundierte Abgrenzung von altslowenisch gegenüber altslowakisch, alttschechisch, alt- kroatisch ist aufgrund fehlender Texte nicht möglich und daher auch nicht sinnvoll. Völlig unbrauchbar und missverständlich sind die Bezeichnungen →  »gemischtsprachig« statt zweispra- chig, oder »einzelsprachlich« und »voreinzelsprachlich« für ältere Stadien der Sprachgeschichte (→  Zweispra- chigkeit, →  Zweisprachigkeits-Ideologie, →  Misch- sprache). Urslawisch, gemeinslawisch, südslawisch sind wissenschaftliche G. ideologischer Ansichten einer ver- meintlich gemeinsamen Sprachentwicklung. Ebenso ist indogermanisch oder indoeuropäisch kein G. für eine reelle, sondern eine inexistente Rekonstruktions-Spra- che der Sprachwissenschaft. Die Grenze sinnvoller Sprachbenennung erweist sich an Bezeichnungen wie altjugoslawisch, altmakedonisch oder altdeutsch. Chrono- logische Differenzierungen nach dem Modell der Brüder Grimm (Alt/, Mittel/, Neu/Hochdeutsch) entsprechen keiner sprachhistorischen (räumlichen oder sozialen) Realität. Es hat vor dem 16. Jh. kein Hochdeutsch und kein Standard-Slowenisch gegeben. Die Benennung von Altsprachen und Dialekten (nicht standardisier- ten Sprachen) wie bairisch, alemannisch, fränkisch oder alpenslawisch, windisch, karantanisch, krainisch ist mehr »wissenschaftlich« als volkstümlich, insgesamt aber un- genau. Die Österreicher wissen im Allgemeinen nicht, dass sie, linguistisch gesehen, außer in Vorarlberg bai- risch sprechen. Die literaturübliche Einteilung der slo- wenischen Dialekte von →  Ramovš ist aufgrund ex- klusiv phonetischer Besonderheiten erstellt. Im »Volk« ist jedem bewusst, dass manche »anders« reden : die Gailtaler anders als die Jauntaler und Rosentaler. An sog. Kennlauten (kamen/ˀamen, gora/hora) und Kenn- wörtern (potok/reka/struga »Bach«, boršk/boršt/gora/gozd/ les »Wald«, modlit/petat »beten«) lassen sich phonetische und lexikalische Unterschiede markieren. Dennoch bleibt die Benennung von Dialekten eher arbiträr, die von Standard-Sprachen plausibel. Standardsprachen sind geografisch und sozial klar abgrenzbar. Die Benen- nung von Dialekten aufgrund nur phonetischer Merk- male (Isoglossen) bleibt philologischer Selbstzweck, solange sie sonst nichts repräsentieren (administrative oder religiöse Einheiten, Religionsgemeinschaften, wirtschaftliche Gemeinschaften). Die G. der sloweni- schen Dialekte in Kärnten nach Ramovš orientieren sich nach zentralen Talschaften : →  Gailtal/Ziljska do- lina, →  Rosental/→  Rož, →  Jauntal/Podjuna (→  Dia- lektgruppen, →  Gailtaler-, →  Rosentaler-, →  Jauntaler Dialekt). Vgl. damit die volkstümlichen G. im Register der Bibel von →  Dalmatin : Crajnski, Coroshki, Slo- venski ali Besjazhki, Hervazki, Dalmatinski, Istrianski ali Crashki. Erstaunlicherweise fehlt bei Ramovš ein G. für »Klagenfurt-Umgebung«, besonders die nörd- liche, in der sich seit Virunum, in →  Karnburg/Krn- ski Grad und Maria Saal/Gospa Sveta die wesentliche
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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