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Grabelsdorf/Grabalja vas im Frühmittelalter
Grabelsdorf/Grabalja vas,
Entwurf Stefan Eichert,
Kartengrundlage Kärntner
Landesarchiv. St. Daniel
wird fälschlicherweise als St.
Augustin bezeichnet
mark). Derartige Bestattungen werden nach dem Süd-
kärntner Fundort als »Typ Grabelsdorf« angesprochen.
Datiert wird das Grab aus Grabelsdorf/Grabalja vas
in die Jahrzehnte um 700. Die anderen Bestattungen
des Fundorts sind beigabenlos und als einfache Flach-
gräber außerhalb der älteren Grabhügel angelegt. Die
Gesamtsituation macht deutlich, dass die frühmittel-
alterliche Gemeinschaft der Bestattung im Hügelgrab
eine besondere Bedeutung beigemessen hat und insge-
samt ist der bestattete Mann am wahrscheinlichsten als
Oberhaupt der Siedlung anzusprechen. Über seine Bei-
gaben kann er in das Milieu bewaffneter Reiterkrieger
eingeordnet werden. Der Datierungsrahmen wie auch
der archaische Begräbnisplatz lassen eine pagane Kon-
fession der Verstorbenen am wahrscheinlichsten erach-
ten (→
Inkulturation).
Der Ortsname Grabelsdorf/Grabalja vas ist im 11.
Jh. erstmals als »villa Gabrielis« – Dorf des Gabriel
überliefert. Er dürfte sich aber schon rund 300 Jahre
zuvor etabliert haben und sich auf den damaligen An-
führer der Siedlung beziehen : Mit der Missionierung
der Karantanen (→ Carantani) im späten 8. und 9. Jh.
konvertiert auch die Grabelsdorfer Bevölkerung wie
auch das damalige Siedlungsoberhaupt, bei dem es sich
eventuell gar um einen Nachfolger des Reiterkriegers
aus dem Hügelgrab gehandelt haben kann, zum Chris-
tentum (→ Christianisierung). Für getaufte → Slawen
lässt sich in diesem Zeithorizont beobachten, dass sie
sehr häufig biblische bzw. alttestamentarische Tauf- namen annehmen (→ Zweinamigkeit, mittelalterliche,
→ Personennamen). Baiern bzw. Franken oder Roma-
nen tragen in diesen Breiten hingegen praktisch nie
derartige Namen. Bei dem für Grabelsdorf/Grabalja
vas namengebenden Gabriel hat es sich demnach mit
großer Sicherheit um das konvertierte, slawische Sied-
lungsoberhaupt aus den Jahrzehnten um 800 gehandelt,
das bei der Taufe einen eindeutig biblischen Namen
annimmt.
Bis heute ist die kleine Kirche von St. Daniel/Sv.
Danijel knapp oberhalb des urgeschichtlich-frühmit-
telalterlichen Bestattungsplatzes das Grabelsdorfer
Gotteshaus. Seine Lage ist jedoch isoliert und es steht
in einer deutlichen Entfernung zum Ortskern. Diese
Situation lässt sich am besten über eine Anknüpfung
an ein slawisch-paganes bzw. vorchristliches Heiligtum
erklären, das von der Kirche ersetzt wurde. Die Aufgabe
der paganen Bestattungsplätze im 8. oder frühen 9. Jh.
lässt sich ebenfalls am besten über eine Verlagerung des
Bestattungsortes von den Gräberfeldern zum Kirchen-
friedhof erklären. Die historische Überlieferung des 11.
Jh.s weist die Siedlung und Kirche von Grabelsdorf/
Grabalja vas als Eigenbesitz einer lokalen Familie aus,
die in einem Nahverhältnis zum Hochstift →
Brixen
steht und diesem nach und nach ihre Güter übergibt.
Der Besitz ist damals jedoch aufgrund mehrerer Erb-
teilungen bereits stark zersplittert. Daraus kann abge-
leitet werden, dass Kirche und Siedlung bereits mehrere
Generationen im Besitz dieser lokalen Dynastie waren
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55