Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geographie, Land und Leute
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Page - 441 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 441 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

Image of the Page - 441 -

Image of the Page - 441 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

Text of the Page - 441 -

441 Grabelsdorf/Grabalja vas im Frühmittelalter Grabelsdorf/Grabalja vas, Entwurf Stefan Eichert, Kartengrundlage Kärntner Landesarchiv. St. Daniel wird fälschlicherweise als St. Augustin bezeichnet mark). Derartige Bestattungen werden nach dem Süd- kärntner Fundort als »Typ Grabelsdorf« angesprochen. Datiert wird das Grab aus Grabelsdorf/Grabalja vas in die Jahrzehnte um 700. Die anderen Bestattungen des Fundorts sind beigabenlos und als einfache Flach- gräber außerhalb der älteren Grabhügel angelegt. Die Gesamtsituation macht deutlich, dass die frühmittel- alterliche Gemeinschaft der Bestattung im Hügelgrab eine besondere Bedeutung beigemessen hat und insge- samt ist der bestattete Mann am wahrscheinlichsten als Oberhaupt der Siedlung anzusprechen. Über seine Bei- gaben kann er in das Milieu bewaffneter Reiterkrieger eingeordnet werden. Der Datierungsrahmen wie auch der archaische Begräbnisplatz lassen eine pagane Kon- fession der Verstorbenen am wahrscheinlichsten erach- ten (→  Inkulturation). Der Ortsname Grabelsdorf/Grabalja vas ist im 11. Jh. erstmals als »villa Gabrielis« – Dorf des Gabriel überliefert. Er dürfte sich aber schon rund 300 Jahre zuvor etabliert haben und sich auf den damaligen An- führer der Siedlung beziehen : Mit der Missionierung der Karantanen (→  Carantani) im späten 8. und 9. Jh. konvertiert auch die Grabelsdorfer Bevölkerung wie auch das damalige Siedlungsoberhaupt, bei dem es sich eventuell gar um einen Nachfolger des Reiterkriegers aus dem Hügelgrab gehandelt haben kann, zum Chris- tentum (→  Christianisierung). Für getaufte →  Slawen lässt sich in diesem Zeithorizont beobachten, dass sie sehr häufig biblische bzw. alttestamentarische Tauf- namen annehmen (→  Zweinamigkeit, mittelalterliche, →  Personennamen). Baiern bzw. Franken oder Roma- nen tragen in diesen Breiten hingegen praktisch nie derartige Namen. Bei dem für Grabelsdorf/Grabalja vas namengebenden Gabriel hat es sich demnach mit großer Sicherheit um das konvertierte, slawische Sied- lungsoberhaupt aus den Jahrzehnten um 800 gehandelt, das bei der Taufe einen eindeutig biblischen Namen annimmt. Bis heute ist die kleine Kirche von St.  Daniel/Sv. Danijel knapp oberhalb des urgeschichtlich-frühmit- telalterlichen Bestattungsplatzes das Grabelsdorfer Gotteshaus. Seine Lage ist jedoch isoliert und es steht in einer deutlichen Entfernung zum Ortskern. Diese Situation lässt sich am besten über eine Anknüpfung an ein slawisch-paganes bzw. vorchristliches Heiligtum erklären, das von der Kirche ersetzt wurde. Die Aufgabe der paganen Bestattungsplätze im 8. oder frühen 9. Jh. lässt sich ebenfalls am besten über eine Verlagerung des Bestattungsortes von den Gräberfeldern zum Kirchen- friedhof erklären. Die historische Überlieferung des 11. Jh.s weist die Siedlung und Kirche von Grabelsdorf/ Grabalja vas als Eigenbesitz einer lokalen Familie aus, die in einem Nahverhältnis zum Hochstift →  Brixen steht und diesem nach und nach ihre Güter übergibt. Der Besitz ist damals jedoch aufgrund mehrerer Erb- teilungen bereits stark zersplittert. Daraus kann abge- leitet werden, dass Kirche und Siedlung bereits mehrere Generationen im Besitz dieser lokalen Dynastie waren
back to the  book Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I"
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška