Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geographie, Land und Leute
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Page - 442 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 442 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

Image of the Page - 442 -

Image of the Page - 442 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

Text of the Page - 442 -

442 Grabinschriften Köstenberg/Kostanje, drei Grabsteine, Foto Bojan-Ilija Schnabl St. Lorenzen/Šentlovrenc, Franc Sturm, gest. 21.8.1941, dessen Grab an der Ehrenmauer wurde zwei- mal zugeschüttet, so dass er schließlich an anderer Stelle am Friedhof begraben werden musste, Foto Bojan- Ilija Schnabl St. Thomas am Zeiselberg/ Šenttomaž, Grabstein für Familie Sturm, vulgo Morič, Foto Bojan-Ilija Schnabl und dass das Gotteshaus demnach auf jeden Fall vor dem 11. Jh. geweiht worden war. Insgesamt ist anhand der angeführten Indizien fol- gendes Erklärungsmodell für die Entwicklung Gra- belsdorfs vom 7. bis in das 11. Jh. am wahrscheinlichs- ten : Im 7. Jh. etablierte sich hier die Siedlung einer paganen und slawischsprachigen Bevölkerung unter einem Anführer, der sowohl awarisch als auch frän- kisch beeinflusst ist. Mit der Missionierung der Ka- rantanen (→  Christianisierung, →  Iro-schottische Mission) lassen sich die Grabelsdorfer taufen und ihr Siedlungsoberhaupt übernimmt den biblischen Na- men Gabriel. Sehr wahrscheinlich ist er auch für die Kirchengründung verantwortlich, und das christliche Gotteshaus mit seinem Friedhof ersetzt nun einen ehemals paganen Kult- und Bestattungsplatz. Einiges deutet darauf hin, dass Siedlung und Kirche bis in das 11. Jh. hinein im Besitz der lokalen Elite um Gabriel und seine Nachfahren blieben, bis sie nach und nach vom Hochstift Brixen übernommen wurden (vgl. auch : →  Archäologisches Bild, →  Karantanisch-Köttlacher Kulturkreis, →  Frühmittelalterliche Kirchen, →  Eth- nogenese). Lit.: E. Szameit, P. Stadler : Das frühmittelalterliche Grab von Gra- belsdorf bei St.  Kanzian am Klopeinersee, Kärnten. In : Archaeologia Austriaca 77 (1993) 213–242 ; P. Gleirscher : Ein karantanischer Adels- friedhof über Grabelsdorf. In : Franz Nikolasch (Hg.), Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. Millstatt 2005, 56–66 ; St.  Eichert : Grabelsdorf – villa Gabrielis. Betrachtungen zur Entwick- lung einer Siedlung vom 7. bis ins 11. Jahrhundert. In : Car I 200 (2010) 105–132 ; S. Eichert : Frühmittelalterliche Strukturen im Ostalpenraum. Studien zu Geschichte und Archäologie Karantaniens. Klagenfurt am Wörther See 2012. Stefan Eichert Grabinschriften, slow. nagrobni napis(i), traditio- nelle Ausdrucksform der slowenischen Sprachkultur in →  Südkärnten/Južna Koroška, die im Rahmen der Gebrauchsliteratur auch als eine spezifische literarische Form der Gelegenheitslyrik identifiziert werden kann und ein besonders erhaltenswertes sprachkulturelles Erbe darstellt (in gleichem Maße wie die slowenischen →  Flurnamen, die nunmehr in die UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen wurden). G. finden sich auf Grabdenkmälern und Gedenkstei- nen für Verstorbene. G. beinhalten oft sprachbezogene Angaben zur Person, die, wenn sie slowenisch sind, an- gesichts des soziolinguistischen Kontextes in Kärnten/ Koroška eine ethnische Zuordnung der Person und ihrer Angehörigen implizieren, weshalb auch G. ohne sprachliche Merkmale anzutreffen sind, die u.  U. auf einen Prozess des →  Sprachwechels bzw. der →  Assi- milation hindeuten. Von besonderer literarischer und kulturhistorischer Bedeutung sind die auf slowenischen Gräbern anzu- treffenden Verse und Gedichte, die als eigene litera- rische →  Gattung anzusehen sind. Sie besitzen wegen der emotionalen und transzendentalen Dimension teils höchste literarische Qualität, auch oder gerade weil sie zutiefst in der Tradition der slowenischen Volkspoeten (→  Bukovništvo) verwurzelt sind. Meist sind G. in der slowenischen Schrift- bzw. →  Standardsprache verfasst, selten sind sie im →  Dialekt, was auch darauf zurück- zuführen ist, dass seit der Reformation (→  Protestan- tismus), eine einheitliche slowenische →  Liturgie- sprache gepflegt wurde, was auch in der Volksliteratur normbildend wirkte. Neben standardisierten Versen finden sich auf Grab- steinen insbesondere G., die als Zwei- oder Vierzeiler oder aber als epische Gedichte oft genuine Neuschöp- fungen von anonymen Autoren sind, die oft anlässlich eines spezifischen Todesfalles und eines persönlichen Schicksals verfasst wurden. Seltener sind es literarische Zitate. So lautet die intimistische G. für die früh ver- storbene Katarina Sturm in St.  Thomas am Zeisel- berg/Šenttomaž pri Celovcu : Tam med angeli vesela [Dort unter den Engeln fröhlich] nam naproti se smeji [lächelt sie uns entgegen,] vsmiljen Jezus jo zdaj vodi [der bamherzige Jesus führt sie nun] v vrtu svoje milosti. [im Garten seiner Gnade] Dem früh verstorbenen Kind Peter Čerk (18. Juni 1908–21. Dezember 1913) ist am Friedhof von Diex/ Djekše auf der →  Saualpe/Svinška planina ein ebenso intimistisches Abschiedsgedicht gewidmet, wobei die Tradition der G. für die Toten bzw. Gefallenen aus beiden Weltkriegen aus derselben Familie (nunmehr
back to the  book Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I"
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška