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Geographie, Land und Leute
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Page - 460 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

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460 Graz derspruch die These des »einheitlichen und unteilbaren Herzogtums« Steiermark/Štajerska. Erst in der Debatte über einige andere Fragen widersetzte sich der sloweni- sche Abgeordnete Jakob Kreft diesem Grundsatz und forderte die Angliederung der Steiermark/Štajerska an Krain/Kranjska bzw. ein eigenes slowenisches Kronland. Nach dem Jahr 1848 entwickelte sich G. rasch in allen Bereichen. Die industrielle und die Entwicklung der anderen Sektoren führten zu einem Zustrom von immer mehr deutsch-, aber auch slowenischsprachigen Einwohnern. Die Mehrzahl der Slowenen, die nied- rigeren sozialen Schichten entsprang, siedelte sich in den Vierteln Lend und Gries in der Murvorstadt an, die auch »Windische Vorstadt« genannt wurde. In den führenden Gesellschaftsschichten festigten sich immer mehr deutschsprachige Zusiedler aus anderen Kron- ländern, die vornehmlich deutschnationaler politischer Ausrichtung waren. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass diese Kreise eine slowenische Etymologie des Na- mens der Stadt ablehnten und sie mit Unterstützung großdeutsch gesinnter Historiker die Überzeugung vertraten, G. sei eine »deutsche Festung« und »eines der größten Bollwerke der deutschen Nation« gegen die »eindringenden Slawen«. Trotz des ansteigenden Deutschnationalimus wa- ren sich die steirischen Landesbehörden der Bedeu- tung des Slowenischen durchaus bewusst, da die klare →  Sprachgrenze einige Kilometer südlich von G. das Land in einen slowenischen und einen deutschen Teil teilte. Die Behörden waren sich auch der Tatsache be- wusst, dass in der Steiermark/Štajerska und in Kärnten/ Koroška Geistliche und Beamte benötigt wurden, die des Slowenischen mächtig waren, die jedoch nicht aus Krain/Kranjska angeworben werden konnten. Deshalb waren auch nach der Märzrevolution Wissenschaf- ter slowenischer Herkunft an der Grazer Universität angemessen vertreten. Für die Slowenen war dies von außerordentlicher Bedeutung, da die Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch wegen der historischen Gegebenheiten Trägerin der nationalen Identität war. In der zweiten Hälfte des 19. Jh.s wurden an der Grazer Universität Vorlesungen auf Slowenisch für Studenten der Slawistik, der Rechtswissenschaften, der Theologie und der Medizin gehalten. Das war gleich- zeitig der Beginn der slawischen Fachsprachen. Die Slawistik und die Slowenistik an der Grazer Univer- sität vertraten bis zum Zusammenbruch der österrei- chisch-ungarischen Monarchie ausnahmslos Slowe- nen. Mit Gregor →  Krek, Karel →  Štrekelj, Matija →  Murko, Vatroslav →  Oblak, Rajko Nahtigal und Fran →  Ramovš wurde die Grazer Universität Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Slowenistik. An der theologischen Fakultät sind slowenische Vor- lesungen (Übungen aus Rhetorik und aus der Kate- chese) für die Jahre 1849–1856 nachgewiesen. Sie wur- den von Matija Robič (Matthias Robitsch) und von Jožef Tosi gehalten. Robič leitete zwischen 1851 und 1874 den Lehrstuhl für Kirchengeschichte und las auch aus Kirchenrecht. Daneben war er siebenmal Dekan der theologischen Fakultät und zweimal Rektor (1843–44, 1859–60). Tosi, der ordentlicher Professor für Dogma- tik wurde, übernahm 1854 die Vorlesungen von Robič. Dessen Nachfolger wurde 1869 Franc Stanonik, der bis 1913 Vorlesungen hielt. Seine Vorschläge unter dem Titel Zur Reform der Theologischen Studien in Ös- terreich (Graz 1873) wurden in der Folge von den ös- terreichischen Bischöfen und von der Regierung über- nommen. Neben den erwähnten Professoren hatten an der theologischen Fakultät noch Janez Kopač (Johann Kopatsch), Lovro Vogrin (Lorenz Vogrin) und Franc Ksavier (Xaver) Weninger Vorlesungen. Als die Behörden 1849 beschlossen, dass die ju- ristischen Vorlesungen in slowenischer Sprache aus Ljubljana an die Grazer Universität übertragen werden sollten, wurde Jožef Kranjc zum Dozenten für öster- reichisches Zivilrecht in slowenischer Sprache ernannt. Dem Lehrstuhl schlossen sich mit slowenischen Vor- lesungen noch Janez Kopač und Josip M. Skedel an. Die Vorlesungen in slowenischer Sprache wurden 1854 mangels Zuhörern eingestellt und 1870 von den Be- hörden wieder zugelassen. Neben den bereits erwähnten Persönlichkeiten un- terrichtete an der Grazer Universität noch der Physi- ker Simon Šubic, der ab 1864 an der Handels- und Gewerbeakademie Professor für Algebra, Physik und elementare Mechanik war und ab 1869 bis zur Pensio- nierung 1903 Professor für theoretische Physik an der Universität. Einige Jahre (1888–1895) unterrichtete an der Grazer Universität auch der Professor für Phy- sik Ignac Klemenčič. Im Bereich der Naturwissen- schaften wirkte der aus Ljubljana stammende Friderik Pregl, der Begründer der organischen Mikroanalyse, der ab 1913 Professor für medizinische Chemie war und 1902 für seine wissenschaftlichen Forschungen den Nobelpreis erhielt. In der zweiten Hälfte des 19. Jh.s nahmen mehrere Slowenen bedeutende berufliche Positionen ein. So
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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