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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Page - 462 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

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462 Graz Einzelpersonen noch Unterstützungs- und Kranken- vereine, u. a. das 1897 gegründete Podporno društvo za slovenske visokošolce [Unterstützungsverein für sloweni- sche Hochschüler]. Als die interethnischen Spannun- gen zu Beginn des Ersten Weltkriegs dramatisch zu- nahmen, bedeutete dies auch das Ende des vielfältigen kulturellen Lebens der Slowenen in G. G. hatte bis 1918 eine bedeutende Rolle als Mit- telpunkt der sozialistischen Arbeiterbewegung, da be- reits ab 1874 die gesamte Bewegung in der Steiermark/ Štajerska unter dem Einfluss der Zentrale in G. stand. Erst Mitte der 90er-Jahre des 19. Jh.s trat Ljubljana als Zentrum de jugoslawischen Sozialdemokratie auf. G. war auch als Publikationsort zahlreicher slowe- nischer Bücher und Zeitschriften von Bedeutung, wie etwa der Čitalnica [Leseverein] (1865–66), Štajerski gospodar [Steirischer Besitzer] (1869–78, 1884) in Gos- podarski glasnik za Štajersko [Wirtschaftszeitschrift für die Steiermark] (1884–1918). In G. erschienen auch die in slowenischer Sprache gedruckten Landesgesetz- blätter : Allgemeines Landesgesetz- und Regierungs- blatt für das Kronland Steiermark (Obči deželni zakonik in vladni list štajerske kronovine) (1850–51), Allgemei- nes Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Her- zogthum Steiermark (Obči deželni zakonik in vladni list za vojvodino Štajersko) (1852), Landes-Regierungsblatt für das Herzogthum Steiermark (Deželni vladni list za vojvodino Štajersko) (1853–59), Verordnungen der Lan- desbehörden für das Herzogthum Steiermark (Ukazi deželnih oblasti za vojvodino Štajersko) (1860, 1862–63), Verordnungen der Landesbehörden der vereinigten Kronländer Steiermark und Kärnten (Jänner bis inkl. April) dann für die Steiermark allein (Mai bis Ende Dezember) (Ukazi deželnih oblasti za zedinjene krono- vine Štajersko in Koroško) (1861), Landesgesetz- und Verordnungsblatt für das Herzogthum Steiermark (Deželni zakonik in ukazni list za vojvodino Štajersko) (1864–1918). Obwohl G. im deutschen ethnischen Territorium liegt, war es bis zum Ersten Weltkrieg eines der bedeu- tendsten kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Zentren für die Slowenen. Zwar wiesen die amtlichen statistischen Publikationen im ersten Jahrzehnt des 20. Jh.s in G. nur etwas mehr als tausend Einwohner mit slowenischer →  Umgangssprache aus. Dennoch deutet das lebhafte slowenische kulturelle und politische Le- ben der Grazer Slowenen darauf hin, dass diese Zahl deutlich zu gering angesetzt ist. Wie hoch die tatsäch- liche Zahl der Slowenen in G. war, ist schwer einzu- schätzen, da die Volkszählungen in Cisleithanien die Umgangssprache erhoben, d. h. die Sprache, die eine Person unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft in der Öffentlichkeit verwendet. Das machte es praktisch unmöglich, dass die Angehörigen nicht deutsche Völker in der österreichischen Monarchie, die auf deutschem Sprachgebiet lebten, ihre →  Muttersprache anführten. Viele führten das Deutsche auch als Umgangssprache aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes an. An- gemerkt sei, dass die Grazer Volkszählungskommission bereits 1901 die Anweisung erhielt, dass sie bei slo- wenischsprachigen Personen, die ein öffentliches Amt ausüben, in der Rubrik »Umgangssprache« »deutsch« angeben sollten. Aufgrund dieser Überlegungen sollen nach gewissen Schätzungen am Ende des ersten Jahr- zehnts des 20. Jh.s in G. und Umgebung 20.500 Perso- nen slowenischer Herkunft gelebt haben. Da sie jedoch nicht genügend wirtschaftliche Macht hatten, konnten sie sich der →  Assimilation nicht erwehren. Während des Ersten Weltkriegs wirkte in G. eine Reihe »jugoslawischer« Studentenvereine, die jedoch bald ihre Aktivitäten einstellen mussten, als nach dem Krieg alles als »fremd« und »feindlich« stigmatisiert wurde, was mit dem Slawischen in Verbindung stand. Obwohl wegen des Assimilationsdrucks der Mehrheit und der Ereignisse nach dem Ersten Weltkrieg das Slowenische in G. nicht mehr erwünscht war, wurde 1921 der Verein Jugoslovansko akademično društvo [Ju- goslawischer akademischer Verein] gegründet, der je- doch bereits 1923 aufgelöst wurde. Noch im selben Jahr gründeten slowenische Studenten den Verein Triglav, den zweiten unter diesem Namen in G. Auch die Sla- wistik an der Grazer Universität hatte zwischen den beiden Weltkriegen eher den Charakter eines slawi- schen kulturgeschichtlichen Lehrstuhls. Deshalb er- staunt es nicht, dass 1934 in G. lediglich 189 Personen mit slowenischer Umgangssprache gezählt wurden und dass zahlreiche steirische Historiker nach dem →  »An- schluss« 1938 schrieben, dass »Graz wieder ein fester Grundstein des Deutschtums im Südosten des Verei- nigten Reiches alles Deutschen« sei. Lit.: W. Hecke : Volksvermehrung, Binnenwanderung und Umgangs- sprache in den österreichischen Alpenländern und Südländern. In Statis- tische Monatsschrift 39–1 (1913), 323–392 ; Richard Pfaundler : Die Grundlagen der nationalen Bevölkerungsentwicklung Steiermarks. In Statistische Monatsschrift 33–1 (1917), 557–592 ; W. H. Hubbard : Auf dem Weg zur Großstadt : Eine Sozialgeschichte der Stadt Graz 1850– 1914 (=  Sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Studien, 17). Wien 1984 ; S. Hafner : Geschichte der österreichischen Slawistik. In J. Hamm,
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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