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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Page - 491 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

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491 Herzogseinsetzung Wappen der Khevenhüller nach Megiser, Das elfte Buch der Chronik, S. 1417 Wappen der Grafen von Ortenburg nach Megiser, Das zwölfte und letzte Buch der Chronik, S. 1648 dieser Zeit keineswegs nur die Sprache der bäuerlichen Schichten, sondern wurde zumindest in manchen Si- tuationen auch vom Adel bis hinauf zum Herzog ge- braucht (→  Adelssprache). Darüber hinaus hatte das ›Windische‹, wie das Slowenische im Mittelalter und bis ins 19. Jh. auf Deutsch bezeichnet wurde, eine für Kärnten/Koroška geradezu identitätsbildende Funk- tion (vgl. Primož →  Trubar, →  Ethnonym Slovenci im Slowenischen, →  Ethnonym Slowene im Deut- schen, →  Windische Ideologie). Die dafür vielleicht wichtigste, jedenfalls aber die älteste der maßgeblichen Quellen stammt vom steirischen Adligen, Dichter und Politiker Ulrich von Liechtenstein, der in seinem Frauendienst unter anderem eine von ihm im Jahr 1227 in Verkleidung als Königin Venus durchgeführte Reise von Mestre nach Wien beschreibt (ob diese Reise und damit auch die folgend geschilderte Begegnung nur fiktiv war, wie man heute meist vermutet, oder tatsäch- lich stattfand, spielt im gegebenen Zusammenhang keine Rolle). Dabei kam er durch das →  Val Canale/ Kanaltal/Kanalska dolina nach Kärnten/Koroška und traf bei Thörl/Vrata auf den dort gerade mit einem größeren Gefolge rastenden Herzog. Dieser und die Seinen begrüßten Ulrich/Venus hochoffiziell mit den Worten →  »Buge waz primi, gralva Venus !« (Gott grüße euch, Königin Venus !). Der Herzog und seine Ritter beherrschten also nicht nur das Slowenische, sondern sie setzten eine gewisse Kenntnis davon offensichtlich auch beim Steirer Ulrich, dessen Identität als Köni- gin Venus ihnen bekannt war, voraus, und sie identi- fizierten sich bzw. das Land Kärnten/Koroška so sehr mit dieser Sprache, dass sie sie bewusst für die Begrü- ßung wählten. Damit decken sich mehrere Quellen des 14. und 15. Jh.s, die allgemein (zwei Schwabenspiegel-Hand- schriften) oder konkret im Hinblick auf die Situa- tion von 1286 und die damalige Einsetzung Mein- hards II. von Tirol-Görz zum Herzog von Kärnten/ Koroška (die Steirische Reimchronik Ottokars aus der Geul/Gaal und der Bericht des Abtes →  Jo- hann von Viktring) das Verfahren der Herzogs- einsetzung »nach alter Gewohnheit« sowie bestimmte Rechte und Eigenschaften des Kärntner Herzogs schildern. Der auf dem →  Fürstenstein sitzende Her- zogbauer (→  Edlinger/kosezi) empfing demnach den neuen Landesfürsten und seine Begleitung mit »win- discher Rede«. Ersterer wurde, durch die Zeremonie zum rechtmäßigen Landesfürsten geworden, als win- discher herre bezeichnet. Selbst wenn vor dem Kaiser gegen ihn Klage geführt wurde, brauchte er sich nur in »windischer Sprache« bzw. nur gegenüber einem windischen man – hier nicht als ein ›Windisch‹/Slo- wenisch Redender, sondern allgemein als Bewoh- ner des Landes Kärnten/Koroška zu verstehen – zu rechtfertigen. Das ›Windische‹/Slowenische galt also, obwohl zu dieser Zeit das deutschsprachige Element bevölkerungsmäßig auf das gesamte Herzogtum be- zogen schon überwog (→  Sprachgrenze) und spezi- ell der Adel wohl insgesamt deutsch war, als genuine →  Landessprache, Kärnten/Koroška noch immer als ein slawisches/slowenisches Herzogtum, und das, wie weitere Quellen belegen, bis ins 16. Jh. (→  Windische Ideologie, →  Megiser, →  Unrest). Aus den Schil- derungen der Quellen geht übrigens nicht hervor, ob Meinhard selbst wenigstens über rudimentäre sla- wische Sprachkenntnisse verfügte, denn die Fragen des Herzogbauern waren nicht an ihn gerichtet, son- dern an seine Begleiter, die die Fragen über seine Eig- nung als Landesfürst zu bejahen und ihre Antwort zu beeiden hatten. Es kann allerdings insofern angenom- men werden, als die Besitzungen seiner Familie, der Grafen von Görz, zu einem sehr erheblichen Teil im slowenischen und kroatischen Siedlungsgebiet (Karst/ Kras, →  Krain/Kranjska, Istrien/Istra) lagen. Wieweit das auch noch für die späteren habsburgischen Her- zöge zutrifft, muss weitgehend offen bleiben (→  Gol- dene Bulle). Bemerkenswert ist allerdings, dass Kaiser Maximilian I. in seinem Weißkunig festhielt, dass er die böhmische und windische Sprache von einem Bauern – das zugehörige Bild zeigt einen solchen, der mit einem Korb Eier in eine Burg/Palast gekommen war, im Gespräch mit dem jungen Weißkunig (= Ma- ximilian) – lernte. Das ist zumindest bezüglich des ›Windischen‹/Slowenischen nicht unwahrscheinlich, da Maximilian ja einen Teil seiner Kindheit auf Burg Finkenstein/Bekštanj verbrachte. Lit.: H. Dopsch : Zwischen Dichtung und Politik. Herkunft und Um- feld Ulrichs von Liechtenstein. In : F. V. Spechtler, B. Maier (Hg.) : Ich – Ulrich von Liechtenstein. Klagenfurt 1999, 49–104 ; W. Neumann : Wirklichkeit und Idee des »windischen« Erzherzogtums Kärnten. In : Süd- ostdeutsches Archiv 3 (1961) 141–168 (auch in : W. N.: Bausteine zur Geschichte Kärntens. Klagenfurt 1985, 78–112). Markus Wenninger Herzogseinsetzung, →  Fürsteneinsetzung ; →  Du- ces Carantanorum ; →  Herzöge von Kärnten/Koroška ; →  St.  Peter und Paul.
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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