Page - 498 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Hochosterwitz (Ostrovica)
Wehren wir alle beherzt uns gegen Unrecht,
Das der bösartige Feind uns zugedacht,
In Einheit verteidigen wir unsere Rechte,
Für unser Volk zu sterben sei unser letzter Laut
H. wurde bei der Eröffnung der Bahnstrecke Villach/
Beljak – Trieste/Trst/Triest 1906 wegen nationaler
Agitationen zusammen mit weiteren Beamten bzw.
Mitgliedern des slowenischen Kreises in die Direktion
der Staatsbahn in →
Trieste/Trst/Triest versetzt, wo
jene ihren sog. Beljaško omizje (→ Beljaško omizje [Vil-
lacher Kreis] in Triest) wiederbelebten, der im sloweni-
schen Kulturzentrum Narodni dom [Volkshaus] orga-
nisiert und auch von heimatverbundenen slowenischen
Triestinern besucht wurde.
1909 war H. Mitbegründer und erster Vorsitzender
der Organisation Zveze jugoslovanskih železničarjev
[Verband jugoslawischer Eisenbahner] die ihn ob ihres
30-jährigen Jubiläums zum Ehrenmitglied ernannte. In
der Küstenstadt übernahm er die Leitung der Zadružna
gostilna in trgovina [Genossenschaft für Gastronomie
und Handel], die der Narodna delavska organizacija
[Nationale Arbeiterorganisation] unter Leitung von
Dr. Mandič unterstand. Als er im September 1910
aus Wien zurückkehrte, wo er sich an Verhandlungen
zur Gehaltserhöhung von Bahnangestellten beteiligt
hatte, wurde er in ein Zugsunglück verwickelt und im
Folgejahr wegen der Nachwirkungen des Unfalls pensi-
oniert. Daraufhin kehrte er nach Villach/Beljak zurück.
Nachdem der Erste Weltkrieg begonnen hatte, wurde
er als »nationaler Slowene« unter polizeiliche Aufsicht
gestellt ; er erlebte mehrere Hausdurchsuchungen und
wurde schließlich in Göllersdorf bei Hollabrunn inter-
niert.
Im Januar 1917 schickte man ihn mit 44 Jahren an
die russische Front nach Galizien. In der Zwischenzeit
wurde gegen ihn am Divisionsgericht in Wien Anklage
wegen Hochverrats erhoben. Im Verfahren wurde er
jedoch freigesprochen (→ Militärgerichtsbarkeit). Als
haltlos erwiesen sich auch alle übrigen 16 Denunziatio-
nen, u. a. auch die, H. hätte in einem Gespräch behaup-
tet, die Slowenen wollten einen slowenischen König.
Da seitens der Landesregierung die Konfination drohte,
zog er sich nach Kriegende aus Klagenfurt/Celovec
nach Kranj zurück. 1919 kam er wieder nach Kärnten/
Koroška, wo er in St. Jakob im Rosental/Šentjakob v
Rožu ob der →
Volksabstimmung tatkräftig die slowe-
nische Propagandatätigkeit unterstützte. Deshalb sah
er sich 1920 gezwungen, nach → Jugoslawien zu emi- grieren, ging zunächst nach Bled, dann nach → Ma-
ribor, wo er sich sogleich national-kulturell engagierte
(→ Vetreibung 1920). Er wurde Ausschussmitglied in
der Organisation Narodna odbrana [Volksverteidigung]
im CMD, im Slovensko trgovsko društvo [Slowenischer
Handelsverein], Vizepräsident in der Volksverteidi-
gungsgesellschaft Branibor usw.
Er initiierte und organisierte alle Arten von Zusam-
menkünften der Kärntner Slowenen in Maribor. Von
1928 bzw. 1929 bis 1947 übernahm H. den Vorsitz des
Unterausschusses des → Klub koroških Slovencev [Klub
der Kärntner Slowenen] in Maribor, der 1928 von
emigrierten Kärntner Slowenen auf einer Versamm-
lung in → Celje gegründet worden war, und fungierte
1948 als dessen Ehrenvorsitzender. Zwischen 1925 und
1948 hatte er in Maribor eine Kernölfabrik. Zwischen
den Weltkriegen leistete H. den Kärntner Slowenen
Hilfestellung, die nach Jugoslawien gekommen oder
nach 1938 geflohen waren. Zu Beginn des Zweiten
Weltkriegs arretierte man H. und seine Familie. Er ver-
brachte einige Monate im Gefängnis, dann wurde er
nach Bayern deportiert. Nach dem Krieg lebte er als
pensionierter Beamter in Maribor.
Lit.: A. B. [Anton Brandner] : Ivan Hochmüller. In : »Mariborski
večernik« Jutra, VII (1933) 41, 2 ; Ivan Hochmüller in Koroška. In :
»Mariborski večernik« Jutra, XII (1938) 40, 3 ; A. Brandner : 80-let-
nica koroškega narodnega delavca. In : Svoboda, VII (1954) 1, 30–32 ;
A. Kovačič, J. Natek : Kronika Kluba koroških Slovencev v Mariboru
1928–1988. Maribor 1988 ; D. Grafenauer : Ivan Hochmüller (1873–
1954). In : Jepa, XIX (2010) 1 (55), 2 ; D. Grafenauer : Življenje in delo
Julija Felaherja in koroški Slovenci (Phil. Diss., Univerza v Mariboru).
Maribor 2009, 166–168.
Danijel Grafenauer ; Üb.: Maja Francé
Hochosterwitz (Ostrovica) (Burg), vgl. Sachlemmata :
→ Archivwesen ; →
Christalnick, Michael Gott-
hard ; → Jarnik, Urban ; → Kranzmayer, Ortsna-
men, alphabetisches Verzeichnis ; →
Ortsverzeichnis,
zweisprachiges aus 1883 ; →
Ostarrichi ; → Zollfeld/
Gosposvetsko polje.
Hohenthurn/Straja vas, vgl. Sachlemmata : → Arnold-
stein/Podklošter ; → Bürgermeister ; → Gailtal/Ziljska
dolina ; → Kreuzweg ; → Kulturgeschichte (= Einlei-
tung, Band 1) ; → Nachbarschaft/soseščina im Unteren
Gailtal/Spodnja Ziljska dolina ; →
Pfarrkarte der Diö-
zese Gurk/Krška škofija 1924 ; → Trdnjava [Festung] ;
Personenlemmata : → Hebein, Josef ; → Wiegele,
Ferdinand ; → Achomitz/Zahomec : → Zila, Katoliško
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55