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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Page - 507 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

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507 Identität, territoriale Identität oder des Selbstseins abgeleitet werden oder diese entwerfen. Auktoriale Identität ist irrelevant für mündliche Li- teratur und von geringer Bedeutung für Literatur, die Intertextualität schätzt, weil der Wert an individueller Originalität und Innovation relativ gering ist. In sol- chen Literaturgattungen ist die glaubhafte Wiedergabe oder die passende Aneignung das Ziel der Textdarbie- tung oder Produktion. Mit der Aufklärung kommen Fragen zu auktorialer und personaler Identität auf den Prüfstand. Ein Zusammentreffen ökonomischer, politischer und religiöser Faktoren begründete die moderne phi- losophische Beschäftigung mit dem Ich. Descartes, Montaigne, Luther und andere sind als Pioniere in Bezug auf das Denken und Schreiben über das Ich bekannt geworden. Rousseau hat die erste moderne Autobiografie verfasst, und mit den Romantikern (z. B. Coleridge und Wordsworth) begannen kreativer Ausdruck und philosophische Theorien zur personalen Identität zusammenzulaufen. Der Wechsel im westli- chen Denken, der hier zum Ausdruck kommt, hatte weniger Einfluss in der streng römisch-katholischen Habsburgermonarchie, in der die Slowenen lebten (→  Jansenismus). Trotz ernsthafter Bedenken über die Beständigkeit des individuellen Ichs im Laufe der Zeit (von Hume bis Parfit) hat sich das »Konstrukt Autor« für Litera- turwissenschafter und generell für Historiker und Poli- tiker, die darauf besonders in Bezug auf mitteleuropäi- sche nationale und regionale Identitätsbildung vertraut haben, als notwendig erwiesen. Im Falle Kärntens legi- timiert ein Autor wie Urban →  Jarnik (1784–1844) Kärntner Forderungen nach literarischer Signifikanz im Slowenentum zu Beginn der nachaufklärerischen Zeit (→  Aufklärung). Die auktoriale Identität Jarniks und späterer Kärntner Autoren war nützlich, um eine regionale ethnische Identität aufzubauen. Der Verlauf von Jarniks Schriftstellerkarriere – von Lyrik über folkloristische, historische und philologi- sche Studien und die damit verbundenen Arbeiten – ist sinnbildlich dafür, dass die literarischen Gattun- gen die Untersuchung des Ichs im Kontext der slowe- nischen Literatur des 19. Jh.s einschränken. Mit dem Aufschwung regionaler Prosa in Europa seit 1870 wurde deutlich, dass dem Autor durch das Betonen soziogeografischer Zusammenhänge und Traditionen die Rolle eines Ethnografen zukommt, ganz nach am Vorbild von Jarniks Karriere. Der Erzähler in Jakob →  Skets (1835–1912) bekannter Geschichte über die Türkenkriege, Miklova Zala (1884), ist ein historischer Ethnograf. Die Kärntner Regionalprosa aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg gipfelte in der Arbeit von →  Prežihov Voranc (Lovro Kuhar, 1893–1950), der oft alternativ als Sozialrealist kategorisiert wird. In Milka →  Hartmans Lyrik der 1930er-Jahre ist das Motiv eng mit der Kärntner Landschaft in der Tradi- tion der Kärntner Lyrik verbunden. Wenn europäische Schriftstellerei über die Ich- Identität dazu tendiert, einen der drei Aspekte – den metaphysischen, sozialen oder physikalischen – in den Vordergrund zu stellen, müsste man sagen, dass Kärnt- ner Literatur den sozialen und ländlichen Kontext her- vorhob. Auktoriale Identität und die Betrachtung der personalen Identität waren kompliziert, da viele Kärnt- ner Autoren Pädagogen oder Pfarrer oder beides wa- ren, die in slowenischen Organisationen mitarbeiteten. Daher hatte die auktoriale Identität überwiegend eine soziale Funktion. Nach der →  Volksabstimmung 1920 nahm das Interesse, die slowenische Gemeinschaft zu erhalten, immens zu und die kommunale Funktion des Autors wurde immer wichtiger. Bereits zu diesem Zeitpunkt und während des Zwei- ten Weltkrieges wurde durch die oft schrecklichen Erfahrungen junger Autoren die Basis für die Erinne- rungsliteratur, die im Laufe der darauffolgenden sechs Jahrzehnte publiziert wurde, gelegt. Diese Gattung und das Aufblühen der Dichtung belegen einen Wechsel vom sozialen zum individuellen Aspekt der personalen Identität im doppelten Sinn, auktorial und persönlich. Lit.: A. Leben : Die slowenische Literatur in Kärnten. Klagenfurt/Ce- lovec 1994 ; R. Vospernik, P. Zablatnik, E. Prunč, F. Lipuš : Das slo- wenische Wort in Kärnten, Slovenska beseda na Koroškem. Wien 1985 ; P. Štih, V. Simoniti, P. Vodopivec : Slowenische Geschichte. Graz 2008 ; J. Seigel : The idea of the self. Cambridge 2005 ; M. Hladnik : Slovenska kmečka povest. Ljubljana 1990 ; F. Zadravec : Prežihov Voranc : Jamnica. In : Slovenski roman 20. stoletja, prvi analitični del. Ljubljana 1997, 65–73 ; M. Juvan : Žanrska identiteta in medbesedilnost. In : PK 25/1 (junij 2002) 9–26 ; M. Juvan : Stil in identiteta. In : JiS 48/5 (sept.–okt. 2003) 3–18. Tim Pogačar Identität, territoriale, Selbstbild der territorialen, regi- onalen oder örtlichen Zugehörigkeit einer Person oder Gruppe, die mit einer sprachlichen oder ethnischen Identität identifiziert werden kann, aber im histori- schen Kontext vor der Bildung der Nationalstaaten mit diesen nicht notwendigerweise übereinstimmt. Die t.  I.
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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