Page - 527 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Image of the Page - 527 -
Text of the Page - 527 -
527
Innerösterreich
Folgt man Gerndt, so hat sich der Vierbergelauf, wie
man ihn heute kennt, zwar erst gegen Ende des Mittel-
alters entwickelt, um das Leiden Christi darzustellen,
und nur Aspekte weisen heidnische Elemente aus, die
somit inkulturiert wurden (vgl. dazu auch Šašel Kos).
Auch andere Wallfahrten, wie jene zur historisch be-
legten Volksheiligen →
Hildefgard von Stein/sv.
Liharda kamenska, weisen vielfältige Inkulturati-
onsprozesse bzw. sukzessive I. aus.
Volkslied und Volkskultur. Als weithin bekannte
Form der I. in Kärnten/Koroška kann auch die Über-
nahme des slowenischen → Volksliedes bzw. seiner
Charakteristika ins deutschsprachige »Kärntner Lied«
angesehen werden, zumal zu den frühen Trägern
→
Koschat zählte, der selbst aus dem in jener Zeit
weitgehend geschlossenen slowenischen Siedlungsge-
biet → Südkärntens stammte und wohl slowenischer
Herkunft war. Inkulturiert wurden im Übrigen weite
Teile der materiellen und immateriellen slowenischen
→
Volkskultur – alles außer der Sprache in ihrer Ge-
samtheit (→ »Entethnisierung«) – was die → Assimi-
lation und schließlich die → Germanisierung des einst
slowenischen Landes(-teiles) beschleunigen und erst
ermöglichen sollte (vgl. auch →
Akkulturation).
Quellen : [Johann V. Valvasor] : Des hochlöblichen Herzogthums Crain
topographisch-historischer Beschreibung siebendes Buch von der Religion
in Crain. [s. d., s. l.], 371–382 ; Fontes historiae religionis Slavicae, col-
legit Carolus Henricus Meyer, Fontes historiae religionum ex auctoribus
Graecis et Latinis collectos edidit carolus Clemen, fasciculus IV. Berolini
1931 ; Monumenta Germaniae Historica : Vitae Ottonis Episcope Bam-
bergensis, 794, 851.
Lit.: Dehio-Handbuch, Kärnten. Wien 32001, 487. – L. Niederle : Ma-
nuel de l’antiquité slave, Tome II : La Civilisation. Paris 1926, 149, 315 ;
B. Grafenauer : Die Kontinuitätsfrage in der Geschichte des altkarantani-
schen Raumes (Kontinuitetna vprašanja v zgodovini starokarantanskega
prostora). In : Alpes orientales V (Dela/Opera Slovenske akademije
zananosti in umetnosti 24). Ljubljana 1969, 78–79 ; H. Gerndt : Vier-
bergelauf. Gegenwart und Geschichte eines Kärntner Brauchs. Klagenfurt
1973, 101 ff.; A. Goljevšček : Mit in slovenska ljudska pesem. Ljubljana
1982 ; P. Zablatnik : Čar letnih časov : stare vere in navade na Koroškem.
Celovec 1984, 131–132 ; D. Ovsec : Slovanska mitologija in verovanje.
Ljubljana 1991 ; W. Wadl (Hg.) : Magdalensberg, Natur, Geschichte,
Gegenwart, Gemeindechronik. Klagenfurt 1995 ; A. Peter : Modelle und
Kriterien von Inkulturation. In : F. Frei (Hg.) : Inkulturation zwischen
Tradition und Modernität. Kontext – Begriffe – Modelle. Freiburg,
Schweiz 2000, 311–335 ; H.-D. Kahl : Kultbilder im Vorchristlichen
Slawentum, Sondierungsgänge an Hand eines Marmorfragments aus
Kärnten mit Ausblicken auf den Quellenwert von Schriftzeugnissen des
8.–12. Jh. In : SMS (Ljubljana) VIII (2005) 9–55 ; R. Katičić : Vi-
dova gora i sveti Vid. In : SMS (Ljubljana) XIII (2010) 15–32 ; B.-I.
Schnabl : Inkulturacija, fenomen kulturnih procesov na Koroškem. In :
SMS XV (2012) 231–246 ; V. Nartnik : K oblikovanju letečih procesij na Koroškem/Zur Entstehung der Mehrbergewallfahrten in Kärnten. In :
Josip Šašel, Spomini II, Zbornik s simpozija o Josipu Šašlu, Josip Šašel
in njegov pomen za kulturno zgodovino koroških Slovencev. Uredili M.
Kropej, A. Malle, M. Piko-Rustia. Celovec 2012, 215 ff., 221 ff.; M.
Šašel Kos : Kelti in Rimljani v prispevkih Josipa Šašla. = Kelten und
Römer in den Beiträgen von Josip Šašel. In : ebd., 187 ff., insbesondere
197 ff., 208 (Zitat der Sage) bzw. 210 ff.; P. Štih : Integracija Karan-
tancev in drugih alpskih Slovanov v frankovsko-otonsko cesarstvo. In :
ZČ 68, Nr. 1–2 (2014) 8–27 ; P. Štih : Die Integration der Karantaner
und anderer Alpenslawen in das fränkisch-ottonische Reich. Einige Beob-
achtungen. In : Car. I 204/1 (2014) 43–59.
Bojan-Ilija Schnabl
Innerösterreich, slow. Notranja Avstrija, Länder-
gruppe der habsburgischen Erbländer südlich des Sem-
mering, die aus sukzessiven dynastischen Erbteilungen
(ab 1379, Vertrag von Neuberg zwischen Albertinischer
und Leopoldinischer Linie) hervorgegangen war und
vom Ende des 14. bis zur Mitte des 18. Jh.s Bestand
hatte. Sie umfasste die Steiermark/Štajerska, → Kärn-
ten/Koroška, → Krain/Kranjska und nach 1500 auch
die Grafschaft Görz/Goriška.
Begrifflich wurde I. von den Ländern Niederöster-
reichs (Österreich ob und unter der Enns) sowie Oberös-
terreichs (Tirol und die Vorlande) unterschieden.
Zur politischen Einheit mit → Graz als Residenz-
stadt mit eigenem Hofstaat und Hofämtern wurde I.
nach 1563, als ihm habsburgische Gebiete an der Adria
einverleibt wurden. Unter Erzherzog Karl II. (1540–
1590) erhielt I. Elemente staatlicher Eigenständigkeit
im Zuge der zweiten habsburgischen Länderteilung
unter den Söhnen Ferdinands I. 1564, als es zu einer
eigenen Landesherrschaft mit obersten Zentralbehör-
den für die Ländergruppe wurde : als oberste Behörde
und Vertrauensorgan und Stellvertretung des Fürsten
gab es den Geheimen Rat, den Hofrat (Revisionen der
an den Hof appellierten Prozesse), die innerösterrei-
chische Hofkammer (Verwaltung des gesamten Kame-
ralvermögens), die Kameralprokuratur (errichtet 1571),
die innerösterreichische Regierung (politische und Justiz-
verwaltung, nach Abgang des Hofes nach Wien 1619
die zweithöchste Behörde der Ländergruppe), die Hof-
kanzlei sowie insbesondere den Hofkriegsrat. Im Zuge
der Reformen Maria Theresias wurde I. als territo-
riale Einheit endgültig aufgelöst.
I. hatte eine außerordentlich bedeutende Rolle als
Grenzschutz gegen das Osmanische Reich, im Zuge der
→ Gegenreformation sowie im Zuge des Ausbaus der
Verkehrswege. Dabei ist die Gründung der Universität
Graz zu erwähnen, die sich jedoch vorerst nicht zu einer
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55