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Inschrift, slowenische
Missionskreuz St. Franzisci/
Želinje (Reši dušo! Spomin
sv. misijona od 3.–9. feb.
1924), Foto Alois Pruntsch
St. Stefan/Šentštefan pri
Velikovcu, Foto Tomo Weiss
Gattung aufgefasst werden können, sind sie Ausdruck
der hohen Sprachkultur, vor allem wenn sie poetische
Verse verewigen (→ Bukovništvo). In Kirchen als Fres-
ken, auf Altären, Glocken, Missionskreuzen und Pro-
zessionsfahnen oder in Friedhofskapellen spiegeln sie
neben der sozialen Stellung auch die (historische) kir-
chenrechtliche Stellung des Slowenischen, wie sie etwa
in der → Pfarrkarte der Diözese Gurk/Krška škofija
von 1924 wiedergegeben wird.
Die ältesten slowenischen I. in einem öffentlichen
Gebäude in Kärnten/Koroška sind in der Bohoričica
verfasst (→ Schrift), und zwar im Freskenzyklus zur hl.
Barbara in St. Martin am Techelsberg/Šmartin na Te-
holici, der um 1768 entstand. Aus dem 18. Jh. stammen
auch die soziolinguistisch bemerkenswerten sloweni-
schen →
Chronogramme in Tibitsch/Tibiče und am
Hauptaltar der Filialkirche zur hl. Magdalena im Wald/
sv. Magdalena, errichtet im Jahr 1522, in Süßenberg/
Planje in der Gemeinde Feistritz an der Gail/Bistrica
na Zilji (nach Dehio aus 1729 jedoch ohne Hinweis
auf die slowenische Sprache). Einerseits erhielt das
Slowenische mit der Aufklärung bzw. dem → Jose-
phinismus eine pragmatische Kommunikationsfunk-
tion und es kommt zur → Übersetzung von Patenten
und Kurrenden ins Slowenische, andererseits erhielt
die Volksfrömmigkeit in der nachjosephinischen Zeit
einen neuen Aufschwung, zeitgleich mit dem Beginn
des ununterbrochenen Schrifttums bei den Slowenen
in Kärnten/Koroška. Im Freskenzyklus von St. Martin
am Techelsberg/Šmartin na Teholici etwa sind die Ein-
wohner die Adressaten der mit Merkmalen des (loka-
len) Dialektes des → Südkärntner Zentralraumes bzw.
des sog. →
Rosentaler Dialektes (rožanščina) versehe-
nen Moralbotschaft (Domej).
Eine besondere Kategorie von I. bildet jene auf
zahlreichen gemalten → Kreuzwegen bzw. Kreuzweg-
Tafeln. Diese boten der Volkssprache einen neuen
Raum, in dem sie zum Ausdruck kommen konnte, und
so waren slowenische Kreuzwege die ersten, die das bis
dahin vorherrschende Latein im öffentlichen Schrift-
tum in den Kirchen verdrängten. Domej weist 17 frühe
Kreuzwege in der Bohoričica-Schrift nach, wobei die
darauf befindlichen I. nicht einheitlich sind und zahl-
reiche Regionalismen und Entlehnungen aus dem
Deutschen sowie in einem Fall aus dem Friulanischen
aufweisen. Bei manchen Kreuzwegen aus der zweiten
Hälfte des 19. Jh.s ist eine Anlehnung an die nach 1847
in Umlauf gekommenen Kupferstich-Vorlagen der Jo-
seph von Führich-Kreuzwege nachgewiesen, bei ande- ren nicht auszuschließen, vor allem bei jenen Beispielen
vom Ende des 19. Jh.s, die künstlerisch einfacher und
der → Volkskunst zuzuschreiben sind. Die vier Kreuz-
wege aus den Pfarren Poggersdorf/Pokrče und Tainach/
Tinje aus dem →
Klagenfurter Feld/Celovško polje be-
zeugen, dass, wie Sturm-Schnabl schreibt, diese Ge-
gend noch bis 1938 weitgehend slowenisch und die slo-
wenische Sprache eine gelebte Sprache war. Kreuzwege
mit slowenischen I. und deren Schicksal spiegeln die
gesellschaftspolitischen Verhältnisse. Jener am Chri-
stofberg/Krištofova gora scheint für immer verloren,
bei jenem in Loibltal/Brodi wurden die slowenischen I.
erst 2009 zerstört und danach neu angebracht, wobei in
einem weiteren Schritt, deutschsprachige I. hinzugefügt
wurden. Jener der Wallfahrtskirche → Maria Gail/Ma-
rija na Zilji vom Anfang des 19. Jh.s war ursprünglich
slowenisch (versehen mit I. der Bohoričica wie auch in
der Gajica-Schrift), danach wurde er lange Zeit einge-
lagert und schließlich 1994 nach der Restaurierung mit
zweisprachigen I. versehen, wobei die slowenischen I.
archaisierend sind (Hofer 1999, 380, 534).
Bemerkenswerte Beispiele slowenischer I. auf Al-
tären finden sich in der Wallfahrtskirche Maria Sie-
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55