Page - 534 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Image of the Page - 534 -
Text of the Page - 534 -
534
Inzko, Marija (geb. Einspieler)
Inzko, Marija geb. Einspieler
in der Zone B) durchzuführen, dass die Internierten
beider Seiten freigelassen wurden.
Am 30. September 1920 ging so der Leidensweg der
letzten zwölf verbliebenen slowenischen Internierten in
Gmünd zu Ende. Sie konnten nach Hause zurückkeh-
ren.
Dem Versuch einiger verhafteter Personen (vor allem
aus dem geografischen Bereich südlich von → Villach/
Beljak mit den zentralen Orten Finkenstein/Bekštanj,
damals Mallestig/Malošče, und Fürnitz/Brnca), eine
Haftentschädigung für die Vertreibungszeit von Haus
und Hof zugesprochen zu bekommen, war kein Erfolg
beschieden. Auch die Schäden, die durch Plünderun-
gen seitens der Volkswehr entstanden waren, wurden
kaum ersetzt.
Ein interessantes Detail am Rande dieses wenig be-
kannten Kapitels der Kärntner Landesgeschichte am
Beginn des 20. Jahrhunderts : Im Jahre 1942 wurde ein
knappes Dutzend slowenischer Kärntner Familien, die
bereits 1919 von Vertreibung betroffen waren, neuerlich
vertrieben und enteignet, diesmal von den nationalsozi-
alistischen Machthabern. Bei ihrer Rückkehr im Som-
mer 1945 aus deutschen Anhaltelagern im sog. Altreich
wurden sie, von Deutschland kommend, wiederum wie
ihre Angehörigen 1919 für einige Tage in der desolaten
Jesuitenkaserne in Klagenfurt/Celovec untergebracht,
in der bereits ihre Familien Anfang Mai 1919 ihren
Leidensweg der Internierung begonnen hatten. (Vgl.
auch Alois → Schaubach, Josef →
Kattnig.)
Archive : KLA : Präsidialakten der Kärntner Landesregierung, Karton
430, Zl. 2616/1919.
Lit.: S. Sulzer : Im Übereifer. In : Kärntner Tagblatt, 10. 10. 1930 ; [J.
Schaller (vermutlich)] : Bežni spomini na čas pred tridesetimi leti, ohne
Autorenangabe. In : Svoboda slovenske Koroške, Nr. 8/9 (1950) 227–229 ;
C. Fräss-Ehrfeld : Geschiche Kärntens, Band 3/2, Kärnten 1918–1920 :
Abwehrkampf – Volksabstimmung – Identitätssuche. Klagenfurt/
Celovec 2000 ; P. G. Tropper : Nationalitätenkonflikt – Kulturkampf –
Heimatkrieg. Dokumente zur Situation des slowenischen Klerus in Kärn-
ten von 1914 bis 1921. Klagenfurt 2002 ; P. G. Tropper : Verleumdet ?
Verfolgt ? Vertrieben ? – Zur Stellung des slowenischen Klerus in Kärnten
zwischen den Jahren 1914 und 1921. In : S. Karner (Hg.) : Kärnten und
die nationale Frage, Bd. 2. Klagenfurt/Celovec, 2005 ; R. Vospernik :
Internierungen von Kärntner Slowenen im Jahre 1919. In : Car I 2007,
S. 383–421 ; T. Griesser-Pečar : Die Stellung der slowenischen Landesre-
gierung zum Land Kärnten 1918–1920. Klagenfurt/Celovec 2010 ; R.
Vospernik : Zweimal aus der Heimat vertrieben. Die Kärntner Slowenen
zwischen 1919 und 1945. Eine Familiensaga. Klagenfurt/Celovec 2011.
Reginald Vospernik
Inzko, Marija (geb. Einspieler) (Preglejeva mama,
* 29. Juli 1885 Unterkrajach/Muta bei Suetschach/ Sveče [Feistritz im Rosental/Bistrica v Rožu], † 2. Ok-
tober 1968 ebd.), Lehrerin, Korrespondentin sloweni-
scher Zeitungen und Kulturaktivistin.
Marija Inzko, geborene Einspieler, vlg. Pregle-
jeva mama, wurde beim vlg. Kvocar in Unterkrajach/
Muta bei Suetschach/Sveče im → Rosental/Rož gebo-
ren. Ihre Mutter war Neža Zeichen, vlg. Račebova in
Mühlbach/Reka bei St. Jakob im Rosental/Šentjakob
v Rožu, ihr Vater Franc Einspieler, vlg. Preglejev sin,
ein Kleinbauer und Frächter. Im Haus war ein Krämer-
laden, wo die nötigsten Dinge jener Zeit verkauft wur-
den, so auch Stoffe, die aus Italien eingeführt wurden.
Oft tauschten die Leute eigene Produkte für Waren
ein, die die Preglej (so der Vulgoname) aus dem Sü-
den über das → Val Canale/Kanaltal/Kanalska dolina
und über den Loiblpass/Ljubelj eingeführt hatten. Drei
Söhne des Hauses wurden Priester und die Väter von
drei Priestern waren beim Preglej geboren. Der Priester
Andrej Einspieler (der jüngere) und Marija Inzko,
geborene Einspieler, waren 30 Jahre in → Windisch
Bleiberg/Slovenji Plajberk. Im Pfarrhof wuchsen drei
Neffen und die Nichte, eben Marija Inzko, geborene
Einspieler, auf. Der zweite Onkel war Franziskaner-
pater Oton Einspieler. Er unterrichtete am Priester-
seminar in Kostanjevica, heute im slowenischen Nova
Gorica, und ist im Wallfahrtsort Sveta Gora ebendort
begraben.
Marija Inzko, geborene Einspieler, ging in Kla-
genfurt/Celovec bei den Ursulinen zur Schule und
maturierte 1905 an der Lehrerbildungsanstalt. Sie war
zunächst Lehrerin in St. Margarethen im Rosental/
Šmarjeta v Rožu und danach bis 1919 in Poggersdorf/
Pokrče im → Klagenfurter Feld/Celovško polje. Von
dort wurde der Ortspriester Hani →
Maierhofer in
die Vipavska dolina an der Grenze zum Küstenland/Li-
torale/Primorje zwangsversetzt, weil er eine Briefmarke
mit dem Kaiser verkehrt aufgeklebt hatte. Der Onkel
Andrej Einspieler starb 1913, der Vater bereits 1911.
Marija Inzko, geborene Einspieler, erbte das Preglej
und das Mazovc-Haus und sorgte für die Mutter und
für zwei Brüder. Der Probst Gregor →
Einspieler
in →
Tainach/Tinje begeisterte sie sich für → Jugo-
slawien. In diesem Zusammenhang begrüßte Marija
Einspieler den General Rudolf → Maister und die
italienische Delegation.
Als sie in Poggersdorf/Pokrče wirkte, pflegte Ma-
rija Inzko, geborene Einspieler, eine Freundschaft
mit der Familie des Andrej → Sturm, vlg. Toman in
Zinsdorf/Svinča vas in der Altgemeinde St. Thomas
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55