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gezwungen hatte. Neben ihm finden wir Angehörige noch heute lebender Familien, Thomas
Vizkelety und Paul Apponyi, als Mitglieder der Gesandtschaft. Der Friede wurde auch iu
Wien (am 23. Juni 1606) abgeschlossen und von König Rudolf genehmigt (am 6. Angnst
1606). Boeskay erhielt Siebenbürgen und nebst deu alten Theilen uoch Szathmär, Bereg
und Ugoesa. Andere Bestimmungen erkannten das Recht freier Religionsübung der
Protestanten an und waren bemüht, verschiedenartige Verletzungen der Verfassung wieder
gnt zu machen. Ein Punkt verlangte, daß auch mit den Türken Friede geschlossen werde, der
am 11. November 1606 gegenüber von Komorn bei der Zsitva-Mündnng wirklich zustande
kam. Die Grundlage des Friedens bildete der 3taws yuo. Erlan und Kanizsa blieben
diher in türkischen Händen, wofür Fülek und die übrigen kleinen Festungen des Neogräder
und Houther Comitates keinen Ersatz boten, und doch bedeutete dieser Frieden eine
Errungenschaft, denn er wurde — jetzt zum ersten Male! — auf der Basis völliger
Gleichheit geschlossen und es war weder von einem Tribut noch von einem jährlichen
Ehrengeschenke darin die Rede.
Der Wiener Friede bildet einen Wendepunkt in der Entwicklung des ungarischen
Staatsrechtes. Durch denselben wurde aus den nördlichen und westlichen Resten des alten
Ungarn wieder ein Reich geschaffen und er verdient es, neben der Goldenen Bulle uud
uebeu 1867 genannt zu werden. Seinen vollständigen Abschluß und seine Ergänzung fand
er 1608 auf dem Preßbnrger Reichstage, den indessen Boeskay nicht mehr erlebte. Letzterer
starb in Kaschan am 29. December 1606, nachdem er noch den Hajdncken zur Ansiedluug
sechs Ortschaften im Szabolcser Comitat geschenkt hatte, welche später, bis auf unsere Tage,
den freien Hajduckendistrict bildeten und kürzlich einem neugebildeten „Hajduckeu-Comitat"
(.IInjäümeAxe") den Namen gaben. Auch dem König Rudolf war es uicht gegönnt, das
Werk des Wiener Friedens zu vollenden. Seine kranke Seele machte ihn stets ungeeigneter
zum Regieren. Es geschah, wofür es seit anderthalb Jahrhunderten im Hause Habsburg keiu
Beispiel mehr gab — daß ein Erzherzog (Matthias) sich an die Spitze der Unzufriedenen
stellte und Rudolf zwang, der Herrschaft über Österreich zu entsagen und die Kroue
Ungarns niederzulegen (am 26. Juni 1608).
Am 14. November 1608 setzte der Primas Cardinal Franz Forgach, Sohn des
Simon Forgach, des Waffengefährten Frater Georgs und Stefan Losonezys, Mat th ias II.
in Preßburg die heilige Krone aufs Haupt, in Bezug auf welche der Wiener Friede und
das jetzt vor der Krönung geschaffene Gesetz anssprachen, daß „dieser theuere Schatz, der
nicht uur dem Könige, sondern auch dem Laude verliehen worden sei", in Preßburg unter
der Obhut weltlicher Kronhüter aufbewahrt werde. Ebenso wurde «och vor der Krönung
die Art und Weife der Palatinswahl festgestellt und Vorsorge getroffen, daß diese
fundamentale Reichswürde in Znknnft nicht so lange unbesetzt bleibe. Es wurde ferner
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch