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gehen kann und darf, dafür gibt es zahlreiche nachahmenswerthe Beispiele. So die herrliche
Mägöcser Besitzung des Grafen Alois Kärolyi, dann Kigyös, die große Besitzung des
Grafen Friedrich Weuckheim, die Kis-Jeuöer Besitzung des Erzherzogs Josef, die Domänen
von Ötvenes, Mezöhegyes nnd andere. Da Mezöhegyes so recht in der Mitte des Alföld
liegt uud sein Name gar so oft erwähnt wird, dürfte es nicht ohne Interesse sein, dieses
Musterbild der rationellen Alföldwirthschaft mit einigen Zügen zu fkizziren: Der Flächen-
ranm der königlich ungarischen Staatsgestütsdomäne Mezöhegyes beträgt27.920Catastral-
joch. Ihr Boden besteht aus schwarzem humosem Lehm, dessen homogene, bis zur „gelben
Erde" hinuuterreicheude Schichte von verschiedener Mächtigkeit ist, aber überall tiefer als
drei Spatenstiche reicht; von Soda ist er frei.
Im Mittelpunkte dieser Herrschaft liegt Mezöhegyes selbst uud sie besteht aus vier
Ökouomiebezierken, in deren einem fünf, in den anderen aber je vier Ökonomien eingerichtet
wurden, jede mit einem besonderen Verwalter, der unter dem Bezirksbeamten steht. Die
ganze Herrschaft ist mit einer breiten Raudaupflauzuug umgeben, in ihrem Jnueru sind
sowohl die Haupt-, als auch die Nebenwege ganz mit Bäumen bepflanzt, am imposantesten
die acht Hauptlinien mit ihren prächtigen alten Anlagen. Überdies ist die Einförmigkeit
des Flachlandes durch eigens gepflanzte dichte Haine angenehm unterbrochen; es gibt
deren etwa zwanzig und sie bringen nicht nur Abwechslung in die Gegend, sondern
mildern auch wesentlich die verheerende Wucht der Stürme, welche über die Ebene dahin-
rasen. Die einzelnen Ökonomien und industriellen Anlagen sind zur Erleichterung des
Betriebes und der Verwaltung telephonisch mit dem Centrale verbunden, so daß der
Direktor von seinem Bureau aus au achtzehn Stellen die nöthigen Verfügungen treffen kann.
Mezöhegyes selbst, der Mittelpunkt, obwohl es nur als Puszta bezeichnet wird, hat
seine eigene Eisenbahnstation, ein großes Hotel, Telegraphen und Postamt und jeden
Sonntag einen Wochenmarkt, der in der ganzen Gegend berühmt ist. Die Bodencultur ist
in Mezöhegyes musterhaft, das Rajolen wird durch zwei Dampfpflüge bewerkstelligt, das
Ackeru durch Ochsen, das Mähen durch Pferde- uud Meufcheukraft besorgt. Die Zahl der
Einwohner, die sich auf der königlich ungarischen Gestütsdomäne mit Landwirthschaft
beschäftigen, ist groß; in sämmtlichen Meierhöfen zählt man 3.378 Seelen und dazu
kommen noch die Soldaten, die den Dienst im Staatsgestüt versehen. Die Cultur umfaßt
die Getreidearten ungefähr in der Ausdehnung von 11.500 Catastraljoch, die Futter-
pflanzen auf 4.800 Joch, 6.200 Joch sind natürliche und künstliche Weiden und
1.585 Joch sind Wald; den noch übrigen Flächenraum nehmen die Meierhöfe, Wege,
Straßen, Gärten nnd dergleichen ein. Von dem cultivirteu Gebiet werde» jährlich
18 Procent gedüngt, und zwar theils mit dem anf der Herrschaft producirten, theils mit
dem aus den Arader Spritfabriken bezogenen Dünger.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch