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bildet. Von den 157.00(1 Hektolitern Wein nämlich, welche die 7.200 Katastraljoch der
Hegyalja zu geben pflegt, macht in guten Jahren der Ausbruch kaum mehr als 350 bis
400 Hektoliter aus; in schlechteren Jahrgängen aber gibt es überhaupt keinen Ausbruch.
An der Tokajer Hegyalja pflegt, von dem geringen Ausbruch abgesehen, zumeist ein starker
nnd aromatischer „Szamorodni" und „gewöhnlicher" Wein gekeltert zu werden. Hier und
da, bei einigen vornehmeren uud größeren Weinbergbesitzern, bereitet man aus dem
Ausbruch vorher auch noch eine syrupdicke „Essenz", aber nur in sehr geringer Menge.
Die Tokajer Hegyalja liegt im südlichen Theile des Zempliner Comitats unter
48° 7' und 48° 25' nördlicher Breite und bildet einen der südlichen Ausläufer jener aus
Trachyt gebildeten vulkanischen Bergkette, welche sich von Eperies bis Tokaj erstreckt und
an der Theiß bei Tokaj ihr südliches Ende erreicht. Ihr Flächeninhalt beträgt zwar fünf
Qnadratmeilen, doch ist nur eiu Sechstel davou mit Reben bepflanzt. Die Bevölkerung
dieses Weinbezirkes hat selber die Gemeinden bezeichnet, welche sie um ihrer vorzüglichen
Weinproductiou willen der Ausnahme in ihren Bezirk würdig befunden; und die Bewerbung
um diese Aufnahme war keine geringe, da die in diesen Weinbezirk aufgenommenen
Gemeinden schon in älterer Zeit, besonders aber zu Ausaug dieses Jahrhunderts, ver-
schiedener Privilegien hinsichtlich der Ausbruch-Production theilhastig geworden sind.
Und zwar wurden durch eiue Deputation des Reichstags in den Weinbezirk aufgenommen:
die Städte Tokaj, Tarezal, Mäd, Tolcsva, Tällya, Saros-Patak und Sätoralja-Ujhely,
ferner die Gemeinden Szantö, Golop, Räska, Zombor, Bodrog-Keresztnr, Kisfalud,
Szeghi-Longh, Erdö-Benye. Olasz-Liszka, Bämos-Ujfaln, Erdö-Horväthi, Zsadäny,
Bodrog-Olaszi, Ardö, Kärolyfalva und Kis-Torouya.
Welche dieser Gemeinden den besten Wein baue, das ist bis auf deu heutigen Tag
nicht entschieden, und so oft Tokajer, Tällyaer, Mäder und Tolcsvaer Weinproducenten
zusammentreffen und diese Frage aufgeworfen wird, entbrennt unter ihnen sofort ein
heftiger Streit um das Primat. Aber welcher Meiuuug auch iu dieser Hinsicht die
Producenten der verschiedenen Gemeinden sein und wie lebhaft sie einander auch bekämpfen
mögen, so ist doch der Streit selbst durch Sachverstäudige nicht leicht zu entscheiden, denn
wenn der Tokajer Ansbrnch sich durch die verhältnißmäßig größte Süßigkeit auszeichnet,
so haben hinwiederum der Mäder und Tällyaer eine gar seine Blume nebst angenehmem
Nachgeschmack, der Tolcsvaer eine milde Weichheit, kurz jeder einzelne irgend eine specielle,
hochschätzbare Tugend, weshalb denn auch der Wettstreit um die erste Stelle immerdar
ein vergeblicher bleibe« wird.
Die Berge selbst, welche den kostbaren Wein hervorbringen, sind meistens steil
und die auf ihuen befindliche» Weingärten werden im Sommer durch Platzregen, welche
das Erdreich hernnterschwemmen, bedeutend geschädigt. Den Boden bildet znm Theil
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch