Page - 508 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
Image of the Page - 508 -
Text of the Page - 508 -
508
englischen Niederlagen sind zu Reparaturwerkstätten geworden. Man kann sogar behaupten,
daß mehrere ungarische Maschinenfabrikanten, auf Grund ihres Studiums der landwirt-
schaftlichen Verhältnisse Ungarns, viele Maschinen wesentlich verbessert und gauz neue
coustruirt haben, während sie ihnen zugleich durch Verwendung besseren Materials größere
Dauerhaftigkeit zu verleihen wissen, so daß das ungarische Publicum sich immer mehr dem
einheimischen Fabrikat zuwendet. Und dabei mag noch erwähnt werden, daß ein Theil
dieser Fabrikate sich auch in den unteren Donauländern einen Markt erobert hat, besonders
der ungarische Pf lug, der sich bei so vieler Coucurreuz als eines der besten und gesuchtesten
landwirtschaftlichen Geräthe erweist.
Weniger unabhängig ist Ungarn und weniger kann es sich auf die einheimische
Prodnction verlassen hinsichtlich der wissenschaftlichen Apparate und Instrumente.
Weder sein wissenschaftliches, noch sein industrielles Leben ist bereits intensiv genug, um
den Absatz einer großen Anzahl kostbarer Instrumente und dadurch eine hinreichende
Beschäftigung dieses Industriezweiges zu sichern. Wo aber ein stärkerer Bedarf sich fühlbar
macht, wie z. B. an ärztlichen, besonders an chirurgischen Instrumenten, da ist auch
die einheimische Industrie rasch in die Fußstapfen der fremden getreten, und es gibt jetzt
für dieses Fach einige Werkstätten, welche nicht nur hinsichtlich der correcten Ausführung
selbst den höchsten Anforderungen entsprechen, sondern auch die neuesten Erfindungen
einiger hervorragender Ärzte Ungarns am vollkommensten auszuführen vermocht haben.
Was die am zahlreichsten beuöthigteu unter diesen Instrumenten, nämlich die Uhren
anbelangt, kann das Land angesichts der riesigen industriellen Einrichtungen der Schweiz,
Englands und Frankreichs wohl nicht mit in die Schranken treten; neben Wanduhren
kleineren Calibers und größeren Pendel- und Thurmuhreu, denen dieser Industriezweig
dermalen gewachsen ist, beschränkt sich seine gesammte Thätigkeit auf die Zusammensetzung
der vom Auslande eingesührtenUhrenbestandtheile und auf Reparaturen. Desto erfreulicher
ist der Aufschwung in der Verfertigung aller Arten von Waagen, und in ebenso hervor-
ragender Weise werden telegraphische Installationen ausgeführt, wie auch überhaupt die
Apparate zur Anwendung der elektrischen Kraf t hergestellt.
Ein hoher Rang gebührt endlich der ungarischen Industrie in der Herstellung von
Gold- und Si lberwaaren , Schmuck und Zierar t ikeln, obgleich in dieser Hinsicht
der Geschmack des Pnblicnms noch sehr dem Auslande zuneigt. Einigermaßen ist letzteres
anch bei den Musikinstrumenten der Fall, wiewohl nicht zu leugnen, daß einzelne
Fabrikanten und kleinere Meister auch auf diesem Gebiete Hervorragendes leisten,
besonders im Bau von Klavieren und noch mehr von Orgeln.
Einen großen Umfang besitzt, dem reichlich und abwechslungsvoll vorkommenden
Rohstoff gemäß, die Holzindustrie, von der Fabrikation des einfachsten hölzernen
back to the
book Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch