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Im Frühling 180i) ergriff Osterreich neuerdings die Waffen, um sich nnd Europa
vou der unerträglichen Tyrannei Napolevns zn befreien. Aber allein gelassen, unterlag es.
Salzburg wurde wieder zum Kriegsschauplatze. Von hier aus war der äußerste liuke Flügel
der österreichischen Armee uuter Jellachich gegen München vorgerückt; als aber das Haupt-
heer bei Regeusburg einen Mißerfolg erlitten hatte, war er wieder nach Salzburg zurück-
gegangen, nnn gefolgt von einer baierischen Division unter Wrede. Vor der Stadt, am
Schallmoos und bei Aigeu kam es zu Gefechten, als Jellachich sich ins Gebirge zurückzog.
Eude April besetzte Wrede die Stadt, welche er sofort.zum Ausgangspunkt seiner Unter-
nehmungen gegen das aufständische Tirol machte. Im Verlaufe dieser wechselvolleu
Kämpfe, an denen sich auch Aufgebote vom Pongau und Pinzgau betheiligteu, geschah es,
daß die siegenden Tiroler unter Haspinger und Speckbacher sich sogar von zwei Seiten
der Stadt auf Sehweite näherten, indem der erstere bis über Hallein, der letztere bis über
Reicheuhall hiuaus vorgedrungen war. Aber Salzburg war jetzt iu gutem Vertheidignngs-
zustaude und man konnte nicht wagen, es anzugreifen.
Im selben Monat October erfolgte auch bereits der Friedensschluß, der Österreich
die schwersten Opfer auferlegte. So mußte nicht blos das heldemnüthige Tirol aufgegeben,
sondern mm auch Salzburg wieder abgetreten werden. Es kam an den treueu Bundes-
genossen Napoleons, an Baiern. Das baierische Regiment war wenig rücksichtsvoll und
durchgreifenden Neuerungen zugethan. Salzburg wurde die Kreishauptstadt des Salzach-
kreises, aber es verlor etwas, um das es noch heute trauert: die Universität. Das geistige
Leben erhielt dadurch den Todesstoß. Es ist überhaupt höchst merkwürdig und betrübend,
zu sehen, welchen Sturz in dieser Richtung die unglückliche Stadt innerhalb weniger Jahre
durchgemacht hat. Die Kriegsnoth, der fortwährende Wechsel der Verhältnisse, der Verlnst
der Selbständigkeit verödeten das Feld der Literatur und Kunst mehr noch als das des
materiellen Lebens. Die Zahl der Literaten und Professoren schmolz dahin, der Anreiz
zum Stndinm der Vorzeit schwand, von einer Pflege der bildenden Künste konnte in dem
verarmten Landstädtchen keine Rede mehr sein. Über Salzburg kam eine traurige Zeit.
Die Verhältnisse besserten sich auch zunächst noch wenig, als nach sechs Jahren
baierischen Regimentes der Stnrz Napoleons eine abermalige Veränderung nach sich zog
und der größte Theil des alten Salzburger Landes wieder an Österreich kam. Denn einmal
wnrde die Selbständigkeit des Landes nicht wieder hergestellt, sondern dasselbe zu
Oberösterreich geschlagen, vor Allem aber erlitt die Stadt dadurch eiue arge Schädigung,
daß der größte Theil des Salzburger Flachlandes abgetrennt wnrde und bei Baiern
verblieb, so daß die Stadt kuapp au die Grenze hinausgerückt erschien und von ihrem
natürlichen Vorlande durch Zollschranke» getrennt wnrde. Auch Berchtesgaden wurde
wieder abgelöst nnd dadurch der Grenzzug uvch uugüustiger.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Volume 6
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Oberösterreich und Salzburg
- Volume
- 6
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1889
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 17.03 x 24.86 cm
- Pages
- 650
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch