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einigermaßen mühsam Bahn; in Salzburg konnte es ihm unter den kurz geschilderte»
Umständen nicht besser ergehen. Zu schnellem Siege hätte er einen mächtigen Bauherrn
und Werke von durchschlagender Wirkung gebraucht. Beides fand sich erst gegen die
Neige des XVI. Jahrhunderts, und zwar mit dem schon oben genannten Erzbischos Wolf
Dietrich von Raitenan. Und hier tritt uns der merkwürdige Mann in freundlicherem
Lichte entgegen; der gewaltsame Zerstörer des Alten war ein ebenso energischer Vorkämpfer,
Förderer und Bahnbrecher des Neuen. Auf seinen Reisen durch Italien und Frankreich
hatte er den Zauber der dort gerade zur höchsten Blüte herangereiften Renaissance in
vollen Zügen eingesogen. Sie wurde sein Ideal, und dieses zu verwirkliche» benützte er
nun die Macht und die Mittel seiner neuen hohen Stellung mit dem Ungestüm der
Jugend und eines heißblütigen Naturells. Seine Residenzstadt bot ihm dazu Anlaß und
Gelegenheit genug. Diese von Grund aus nach südlichen Vorbildern umzugestalten und
zu verjüngen, faßte Wolf Dietrich den Gedanken, und zwar unstreitig in großem und
kühnem Geiste. Alsbald schritt er auch mit rücksichtsloser Energie zur That. Vor Allem
brauchte er für seine Baupläne Raum; er schuf sich ihn durch massenhaftes Niederreißen
alles dessen, was ihm im Wege lag. So entstanden in ihren Ansängen wenigstens jene
großen und schönen Plätze, die noch heute ein Prunkstück Salzburgs sind; sie wurden
sozusagen aus deu Häuserkuäueln herausgeschnitten. Gleichzeitig aber hub an allen Ecken
nnd Enden das Baueu an. Leider gebrach es dabei an festem Plane, an Überlegung und
Ausdauer. Es waren hauptsächlich Prosanbauteu, mit welchen der stolze Fürst seine
Hauptstadt schmücken wollte: ein riesiger Marstall, ein prächtiges Sommerschloß, ein
großes Kapitelhaus, mehrere Paläste für seine Verwandten; anch die alte bischöfliche Burg
baute er zum großen Theile palastartig um uud führte ihr gegenüber eine zweite Residenz
(heute Regieruugsgebäude) auf. Alles natürlich im neuen Stile der Renaissance nnd nach
großem Schnitte, häufig allerdings mit mehr Prnnk als wahrer gediegener Knnst. Viele
von seinen Bauten blieben übrigens nnvollendet vder sielen kanm fertig der Überstürzung
oder dem Wechsel der Laune wieder zum Opfer.
Auch die Umgebung des Domes lichtete und veränderte Wolf Dietrich auf mancherlei
Weise, doch an den altehrwürdigen Dom selbst, so sehr dieser seinem Geschmack widerstrebte,
wagte er sich lange nicht. Da kam ihm der schon oben erwähnte Dombrand 1598 zu Hilfe.
Wir schilderten bereits die grausame Art, wie das mächtige Gebäude sammt allen Neben-
bauten in siebeujähriger Zerstörungsarbeit vernichtet wurde. Wolf Dietrichs hochfliegende
Pläne gingen auf einen neuen Dom, der allen seinen Bauten die Krone aufsetzen und
diesseits der Alpeu nicht seinesgleichen haben sollte. Er erreichte dieses Ziel nicht. Anstatt
des geträumten Domes hinterließ er inmitten all des Neugeschaffenen, wofür ihm der
Dank der Nachwelt gebührt, im Herzen der Stadt eine wüste, tranrige Lücke.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Volume 6
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Oberösterreich und Salzburg
- Volume
- 6
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1889
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 17.03 x 24.86 cm
- Pages
- 650
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch