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weißem Marmor in den lebendigen Formen des Rococo mit Neptun und Tritonen, von
welchen das Wasser in schäumenden Caseaden herabquillt. Der schöne Brunnen, zu dessen
Aufbau die römische Fontana Trevi das Motiv geboten zu habe» scheint, wurde vom
Erzbischos Leopold Firmian 1732 errichtet.
Bemerkenswerth und gewissermaßen zur Signatur der alteu Bischofstadt gehörig
sind die sogenannten Kanonikalhöfe, Wohnhäuser der einstigen adeligen Domherren,
etwa ein Dutzend an Zahl, in der Umgegend des Domes zerstreut. Sie bilden, nicht
unähnlich den Palazzi kleinerer italienischer Städte, eine Art Mittelding zwischen herrschaft-
licher und bürgerlicher Bauweise. Seit der Säkularisation größtenteils in Privatzinshäuser
oder Amtsgebäude umgewandelt, haben sie von der frühereu opulente» Ausstattung alles
Beste ziemlich eingebüßt. Zwei dieser Domherrenhäuser wurden in jüngster Zeit zum
gegenwärtigen erzbischöflichen Palais vereinigt und umgestaltet.
Weit augenfälliger tragen die zahlreichen Klöster, das altehrwürdige Stift St. Peter
voran, mit ihren breitgelagerten Gebäudemassen und langen Fensterzeilen zur baulichen
Physiognomie der Stadt bei. Ihre Architektur ist der Bestimmung entsprechend durchaus
höchst einfach; nur St. Peter mit zwei großen Höfen zeigt in einigen Theilen, namentlich
im Prälatur- nnd Conventtracte, ansehnlichere Bauformen, denen es auch au künstlerischer
Zier nicht gebricht. Das aufgehobene Cajetanerkloster (jetzt k. k. Truppenspital) verbindet
sich in dem Vordertracte mit dem marmorreicheu Vestibül der inmitten stehenden Kirche
zn einer palastartigen Front von vortrefflicher Wirkung. Nicht zu vergesse» endlich des
Frauenstiftes Nonnberg, dessen vielgliedriger Gebändecomplex, die Reste vom Mittelalter
und einen schönen Zubau der jüngsten Zeit ausgenommen, architektonisch ohne Bedeutung
ist, aber durch den herrlichen Standort auf weit ausspringendem Felsrücken den malerischen
Reiz des Stadtbildes nicht wenig erhöht.
Alle bisher aufgeführten Bauwerke, soweit sie dem Bereiche des Palastbaues
augehören, übertrifft an Größe der Anlage, Harmonie der Verhältnisse und einfach edler
künstlerischer Durchführung das Gebäude des fürsterzbischöflichen Clericalseminars, kurz-
weg das Priesterhaus genannt. Es stellt sich als Werk der Architektur ebenso großartig
wie als Stiftung und Bildungsanstalt dar. Sein Schöpfer war Erzbischos Johann Ernst
Thun, der Meister des Baues aber I. B. Fischer von Erlach. Nach dessen Plänen und
unter seiner Oberleitung wurde derselbe 1694 bis 1702 ausgeführt. Das Gebäude bildet
ein großes längliches Viereck, dessen vordere Langseite in der Mitte die schon früher
erwähnte Dreifaltigkeitskirche, eine Rotunde mit originell und heiter gezierter Front,
Knppel und zwei Thürmen, einnimmt. Zn beiden Seiten derselben dehnen sich symmetrisch
langgestreckte Flügel, an den Enden durch stark vorspringende Risalite abgeschlossen, ans.
Ihre decorative Ausstattung mit Gesimsen, ionischen Mastern und stattlichen Portalen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Volume 6
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Oberösterreich und Salzburg
- Volume
- 6
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1889
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 17.03 x 24.86 cm
- Pages
- 650
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch