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empor. Alles zurückstehend hinter dem Architekturreichthum der Laudeshauptstadt. Auch
hierin macht sich der starke Unterschied gegen die altösterreichischen Provinzen bemerkbar.
Die übrigen Kunstarbeiten der Renaissanceperiode, soferne sie nicht untrennbar mit
Gebunden zusammenhängen, sind seither bis auf spärliche Reste verschwunden, verschachert
uud verschleppt. Das Vorhaudeue reicht nicht entfernt mehr hin, ein Bild zu geben von
der Kunstblüte und dem gediegenen Luxus, die einstmals in Salzburg geherrscht. Eiu
einziges Kunstobject, das uns glücklich erhalten blieb, können wir uns nicht versagen, hier
vorzuführen: es sind die zwei großen Standleuchter aus Bronze im Chore der Stifts-
kirche St. Peter. Sie wurden vom Erzbischof Wolf Dietrich um 1600 dieser Kirche zum
Geschenk gemacht und zählen unstreitig zu den herrlichsten Werken plastischer Metallkunst.
Jin Stile üppiger Hochrenaissance ausgeführt, erregen sie in gleichem Maße durch deu
phantasievollen Formeilreichthum wie durch die Eleganz der Ausführung die allgemeine
Bewunderung. Der Ursprung und der Meister sind unbekannt, beide müssen wohl sicher
außerhalb Deutschlands gesucht werden.
Übrigens besitzen wir geschichtliche Nachrichten genug, um keinen Zweifel zu lassen,
daß es in Salzburg zu der Zeit, da die Wälscheu das große Wort geführt, uebeu ihnen
auch an einheimischen Meistern der Kuust uud des Kunstgewerbes nicht gefehlt hat. Der
Raum erlaubt hier nicht, bei ihren Werken ins Einzelne zu gehen; wir können uns nur
auf ein paar allgemeinere Bemerkungen beschränken. Wie schon einmal erwähnt, traten für
Salzburg mit Erzbischof Johauu Erust Thuu die Künstler aus Österreich iu die Vorder-
reihe und blieben auch dort, soweit man überhaupt solche vou auswärts holte. Fischer
von Erlach und Hildebrandt waren es ohne Zweifel vor allen, die eine Menge Anderer
mit sich hierher zogen. Wir erhielten hier, um nur die bedeutendsten zu uennen, Werke von
den österreichischen Malern Bartholomäus Altomonte, Paul Troger, Gaetauo Faut i ,
Martin Schmid (genannt Kremser Schmid); von dem Bildhauer G. Rasael Donner,
den Stuccatoreru Jakob Gale und Santino Bnssi. In der Stnccatnr blieben allerdings,
wie es scheint, noch immer die Italiener obenan; so wurden die prächtigen Stnccoarbeiten
der Erhards- und Cajetanerkirche von den wälschen Meistern Francesco und Carlo Antonio
Brenno uud Antonio Carabell i ausgeführt. Den Wiener Hofmaler Rot tmayr dürfeu
wir wenigstens seiner Geburt nach als Salzburger in Anspruch nehmen.
Aber schon mit und neben den Genannten finden wir eine schöne Reihe einheimischer
Künstler uud Kunsthandwerker, die an dem künstlerischen Schaffen jener Zeit einen sehr
erheblichen Antheil hatten. Die ansässigen Bildhauer Andreas Götzinger, Wolf
Weißenkirchner und Bernhard Mandl , die Steinmetze Hans Traxl, Hans Schwäbl
und Gregor Götzinger, der berühmte Orgelbauer Christoph Egedacher dürfen, wenn
auch nicht weitleuchtende Sterne am Kunsthimmel, doch hochachtbare Meister, ja Künstler
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Volume 6
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Oberösterreich und Salzburg
- Volume
- 6
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1889
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 17.03 x 24.86 cm
- Pages
- 650
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch