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Es fehlte also jede Triebfeder für den geringen privaten Waldbesitz, nach Verbesserung
der Wirthschaft zu streben. Bergbau und Hüttenbetrieb verschlangen Unmassen von Holz,
während der eingeforstete Bauer wieder nur darauf bedacht war, seine Rechte auf Kosten
des landesfürstlichen Waldes so weit als möglich auszudehnen, den Forst, wie es nun ein-
mal Hang und Trieb unseres Älplers ist, überall zurückzudrängen, um neuen Weide-
boden zu gewinnen. Der Wald gerieth von allen Seiten ins Gedränge und wiederholt
beunruhigte das Land die Gefahr der Holznoth, welche erst unser Jahrhundert dnrch den
Aufschluß der Kohlenlager beseitigte. Die Weideflächen der Hochregion wuchsen immer
mehr an. Hier vornehmlich, wo Holz- und Weidenutzung naturgemäß wechselten, bildeten
sich allmälig leider jene Eigenthumsstreitigkeiten heraus, die noch um das Jahr 1850
nicht weniger als ein Fünftel der Landesfläche in Bann hielten und selbst heute noch nicht
vollständig geschlichtet sind.
Unter diesen Verhältnissen war eine gedeihliche Entwicklung der salzburgischen Forst-
wirthschaft im großen Ganzen bisher unmöglich. Die Forste haben unter dem Einfluß der
geschilderten Kämpfe und Wirren bedenklich gelitten. Die ungezügelte Ausübung der
Waldweide, insbesondere die schonungslose Gewinnung der Waldstreu durch das landes-
übliche „Schneiteln" der Fichte, zumal im Lungau, nicht minder die ehemals bis zu den
äußersten Höhen geführten großen Kahlhiebe auf Bergbau- und Sudholz, sie haben überall
ihre traurigen, nicht so bald zu verwischenden Spuren zurückgelassen. Deuu auch der Land-
wirthschaft des salzburgischen Älplers haben diese Zustände eine traurige Signatur auf-
gedrückt. Gewohnt, das Heil seiner Wirthschaft in der möglichsten Ausbreitung der Holz-,
Weide- und Streunutzungen im staatsherrschaftlichen Walde zu sucheu, hat der Bauer die
nützlicheren Impulse zur Verbesserung seiner Wirthschaft im Innern nie recht kennen
gelernt. So ist in mehreren Gegenden des Landes jene verwerfliche Stallwirthschaft
großgezogen worden, bei welcher die Rinder, wenn nicht alljährlich die rettende Weidezeit
zu Hilfe käme, iu Bergen von Waldstreu verkümmern würden. So ist jene Unmasse von
Holzzäunen entstanden, welche Hofrath Steinhauser, der gründlichste Kenner der salz-
burgischen Einforstungsverhältnisse, dessen Ausführungen wir hier mehrfach gefolgt sind,
im Jahre 1871 auf eine Gesammtlänge von 10.700 Kilometern anschlägt; so jene Unzahl
von „Heustadeln", die eine Gefammtbanarea von mehr als 100 Hektar einnehmen. Und
welchen Aufwand von Arbeit erheischt die Erhaltung dieser holzverzehrenden Ein-
richtungen! Endlich bleibt jener agrarische Guerilla-Krieg, welcher zwischen den grünen
Tischen und den Bauernhöfen beständig hin- und herzüngelt, auch ethisch nicht ohne
Nachtheil. Was der Hoffnung auf endliche Confolidirnng dieser Zustände noch Raum läßt,
ist vor Allem die ausgezeichnete Reprodnctionskraft des salzburgischen Waldbodens, sind
die ernsten Bemühungen der Staatsforstverwaltung, namentlich seit 1873, die Wirthschaft
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Volume 6
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Oberösterreich und Salzburg
- Volume
- 6
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1889
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 17.03 x 24.86 cm
- Pages
- 650
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch