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Diese lassen sich das nicht zweimal sagen und spielen einen „Ländler" ans, der dem
Ritter so gewaltig in die Füße geht, daß er die Brechelbrautmutter in seine Arme nimmt
und mit ihr, daß alles staubt, die ländlich-sittliche Tanzunterhaltung eröffnet.
Im Windischgailthal darf den Brechlerinnen kein „Mannsbild" in die Nähe kommen,
sie fallen wie Furien über dasselbe her uud überschütten es mit „Oagen". Nähert sich
jedoch eine distingnirte Person, so werden sie ganz manierlich, schwingen sich tänzelnd
hin und her uud singen slovenische „Pläpperlieder". Der so Angesungene und mit einem
Wergbüschel Bedachte hat dann selbstverständlich etwas tiefer iu die Tasche zu greifen.
Bevor die Arbeit zu Ende geht, sendet die Tochter des Hauses ihrem Liebhaber oder sonst
einem Burschen des Dorfes den „Rogou", einen Spieß oder ein Fichtenwipfelchen mit
Cigarren, Cigarrenspitz, Tabakpfeifen, Äpfeln und dergleichen behängen, eine originelle
Einladung zum Brechlermahl. Der Bursche hat nun die Verpflichtung, damit die staubige
Arbeit und das ergiebige Mahl mit einem flotten Tanz beschlossen werden kann, Abends
mit einem „Spielmann" und den Burschen des Dorfes zu kommen. Dabei vergißt man
nicht das „Breineinreiben". Eine Schüssel mit Hirsebrei uud eiuem Löffel wird einem
Burschen mit der Aufforderung vorgestellt, den Brei miszuessen, weigert er sich, so werden
ihm Hände und Gesicht mit Brei eingerieben, was einen Hauptspaß abgibt.
Der Winter führt die Älpler hinaus in die eisigen beschneiten Bergschrüude, wo
wir sie auch bei der Herablieferung des im Hochsommer auf den hohen Bergwiesen mit
Lebensgefahr gemähten, in „Tristen" aufgeschichteten Alpheues beobachten können. Diese
Arbeit nennt man im Möllthal „Hazen" und die Leute, die sich dabei betheiligeu, „Hazer".
Gewöhnlich in einer schönen Decembernacht machen sich die Hazer, mit dem kurzen eisen-
beschlagenen „Stakelstock", mit Schneereifen, Faßzeng und Fußeisen ansgerüstet, auf den
Weg. Nach mehrstündiger Wanderung erreichen sie mit Anbrnch der Morgendämmerung
auf deu beschneiten Hochwiesen die Heubehälter und Heutristen. Vor Jahren entspann sich
unter ihnen bei der Fassung des Heues eiu Wettkampf. Jeder wollte der Erste auf dem
Rückwege sein, denn diesen erwartete ein gewaltiger Krapfen „Spitzkrapfen" benamset
(Heiligenblut). Lustig ist die Abfahrt, aber nicht ohne Gefahr. Selten nnr ereignet sich
ein Unglücksfall, gleichwohl sieht man nicht ohne Bangen, wie die Henfüderchen über die
blendend weißen Schneewände wie schwarze Punkte herabgleiten.
In der Thalsohle angelangt, werden die Heufuder mit Fichtenästcheu geziert und
in die Scheunen der Gehöfte gebracht; die Hazer aber können sich bei dem aus Knödeln
nnd Kraut, Krapfen uud Sträuben bestehenden „Hazermahl" von den Strapazen erholen.
Taufbräuche. Wenn ein Kind zur Welt kommt, wird es so schnell als möglich
zu der, wenn auch stundenweit entfernten Pfarrkirche selbst bei Sturm und Wetter zur
Taufe getragen, denn einen Heiden darf man nicht lange im Hause behalten. Ein
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch