Page - 170 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Volume 8
Image of the Page - 170 -
Text of the Page - 170 -
170
musikalischen Aufschwungs fällt auch die Gründung des „Klagenfnrter Männergesang-
vereins" (1847). Sein erster Vorstand war Max Ritter von Moro, sein erster Chor-
meister Kaspar Harm. Das Verdienst, den ersten Impuls zur Gründung dieses, nunmehr
so erfolgreich und hochgeschätzt in das letzte Decenninm seines halbhundertjährigen
Bestehens tretenden Vereins gegeben zu haben, gebührt unstreitig dem damaligen
Theaterkapellmeister Alfred Khom. Zur Zeit zählt Kärnten an dreißig deutsche Gesangs-
körperschaften, die sich mit einer Anzahl von etwa 650 Stimmen zum „Kärntnerischen
Sängerbund" vereinigt haben.
Der erwähnte Mangel an heimischen Componisten darf wohl kaum einer etwaigen
mangelnden Veranlagung zugeschrieben werden, er ist vielmehr auf das Fehlen höherer
musikalischer Bildungsstätten im Lande zurückzuleiten und auf den Umstand, daß der Sinn
des Kärntners sich zunächst der knappen Liedform zuneigt. Von musikalisch Begabten
ersonnene Weisen wurden nicht mittelst Noten, sondern phonetisch weiter verbreitet nnd
kamen oft in einer vom Original völlig verschiedenen Variante an die Ursprnngsqnelle
zurück, nicht ohne daß auf dieser Wanderung der Name des Autors häufig verloren
gegangen wäre. Anderseits finden sich in den Chorarchiven mancher Landpfarreien mitunter
gauz annehmbare Compositionen von Schullehrern vor — vorzugsweise Marienlieder und
Messeeinlagen; allein auch diese gelaugten nicht in die große Öffentlichkeit, theils weil sie
von den Organisten nur zum Eigengebrauch geschaffen waren, theils weil diese weder
angeeifert wurde«, uoch selbst genug Ehrgeiz besaßen, für die Verbreitung Sorge zu
tragen. Zu den wenigen Compositionen, die sich, weil durch Noten fixirt, in unveränderter
ursprünglicher Form erhalten haben, gehört der populäre herrliche Chor: „Des Kärntners
Vaterland" von Josef von Rainer auf das bekannte Gedicht von Ritter von Gallenstein.
Was die reproducireude Musik anbelangt, ist der Umstand, daß der Kärntner bei
all seiner Freude und Lnst, öffentlich zu singen, dennoch der Bühne fern geblieben, anf
die mangelnde Sympathie des Älplers für das Theaterleben im Hinblick auf feiue socialen
Verhältnisse zurückzuführen. Die alles uivellireude Cultur hat manch hartes Vorurtheil
verschwinden lassen, und einer der Ersten, die den kühnen Sprung auf deu heißen
Bretterboden gewagt, war ein flotter Klagenfnrter Student, Karl Sommer, der nunmehr,
nachdem er sich auf kleineren deutschen Hofbühnen eingesungen, zu den Zierden der Wiener
Hofoper gehört. Das Landvolk bethätigte seinen Sinn für Musik durch Bildung von
Jnstrumeutalkapelleu, von denen sich die „Bergknappen-Banden" besonderer Beliebtheit
erfreuen. Eine Specialität waren die sogenannten „Schwarzenbacher". Die Jnstrumeute,
die auch jetzt uoch theils selbständig, theils zur Stimmbegleitnng in Anwendung kommen,
sind die in den Alpenländern gebräuchlichen: Zither und Guitarre. Auch die Schwegel-
pfeife kommt noch mitunter zu Ehren. Zu Anfang des Jahrhunderts hat auch in
back to the
book Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Volume 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch