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Gurk, Millstatt, Eberndorf und St. Paul hervorzuheben sind. Die ersten Banwerke dieser
Klöster waren sicherlich von sehr primitiver Form und erst im Lause des XI. und
XII. Jahrhunderts erhielten mit der glänzenden Entfaltung der romanischen Banweise
die genannten Stiftungen ihre jetzige Gestalt.
Die geographische Lage Kärntens macht es erklärlich, daß sich an diesen Bauwerke»
sowohl die directeu Einflüsse lombardischer Kuust, als auch der wahlverwaudteu Bauweise
der Salzburger und Bamberger Bauschule geltend machten. Ja die Stiftskirche von
Viktring ist nach den Grundsätzen der Bauschule von Fonteuay iu Frankreich erbaut. Eine
für Kärnteu typische Anordnung dieser prachtvollen Stiftskirchen, wie dies in anderen
Ländern der Fall ist, besteht hier nicht, allein gerade in diesem Wechsel der Formen beruht
der unvergleichliche Zauber derselben. Die gewaltige Banthätigkeit dieser Epoche erstreckte
sich auch auf die Anlage von Burgen und befestigten Orten der verschiedensten Art, unter
denen Friesach über alle hervorragt. — Mit der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts
fand diese große Epoche ihren natürlichen Abschluß, da auf längere Zeit vorgesorgt war,
und erst am Schlüsse des XIV. Jahrhunderts begann unter wesentlich geänderten Verhält
uisseu eine neue Epoche kirchlicher nnd profaner Bauthätigkeit.
Unter dem Segen friedlicher Verhältnisse gelangten die Städte zu Reichthum und
Ansehen, womit auch der Schwerpunkt künstlerischer Thätigkeit in das Bürgerthum verlegt
wurde und der in seiner Entwicklung begriffene gothische Stil zur vollsten Blüte gelangte.
Mit dem Aufblühen des Handels und der Lebensader des Landes, des Bergbaues,
entstanden ueNe Bedürfnisse der Seelsorge, welche theils durch zahllose Neubauten von
Kirchen und Kapellen oder durch Erweiterung älterer Bauwerke befriedigt werden mußten.
Das älteste Bauwerk des Landes in ausgesprochener Spitzbogenarchitektur ist die
in jungfräulicher Einfachheit erbaute Dominicanerkirche in Friesach, die Perle dieser Stil-
richtung jedoch die St. Leonhardskirche im Lavantthal, bei welcher drei Jahrhunderte mit
seltener Feinfühligkeit an der confeqnenten Ausbildung der Grundgedankens arbeiteten.
Dieser schließen sich die dreischissigen Kirchen an in Maria-Saal, Völkermarkt,
Lavamünd, Villach, Gmüud, Waitschach, Hohenfeistritz und Heiligenblut, die zweischissigeu
Anlagen am Magdaleusberg, in Galizien, in Bleiburg, die einschiffigen in St. Wolf-
gang, Ober-Vellach, Brückt, Wallburgen u. f. w. Die productive Spätzeit übersäte das
Land mit ihren oft recht originell den alten Resten und neuen Bedürfnisse» angepaßten
detailreichen Werken; iu Sacrameutshäuscheu (Heiligeublut, Waitschach, Heiuburg,
St. Martin am Krapselde) und Wandnischen (St. Peter bei Grafenstein, Grafendorf,
Pölling), in Lichthäuscheu (Gurk, Kötmannsdorf, Maria-Saal, Völkermarkt) und
Karnern (bei vielen Landkirchen) hinterließen fast alle Perioden wie in Kleinformat
die Docnmente ihres Könnens und Denkens. Unsere größeren Gotteshäuser sind meist
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch