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betritt. Die Bedeutung des Baues ergibt sich aus deu folgenden Worten Lübkes: „Man
befindet sich in einem großen, von Arkaden umschlossenen Hofe, der den reichsten Palast-
höfen Italiens nichts nachgibt, ja dnrch die Anlage der Treppe und ihrer Verbindung
mit den Bogenhallen an malerischem Reiz den meisten überlegen ist." Das Erdgeschoß
wird von mächtigen, frei behandelten jonischen Säulen getragen und kurzstämmige
korinthifireude Stützen tragen die oberen Arkaden. Den letzteren, sowie der Treppe dienen
elegante durchbrochene Balustraden von reichen Pfeilern getheilt als Einfassung. Zierliche
Ornamente in Ranken und Laubwerk füllen die Bogenzwickel, Pilasterflächen, Postamente
und Brüstungsfelder, ebenso figürliche Reliefs und besonders Medaillons mit Brust-
bildern sind häufig angebracht. Eine Hauptstiege und dieser diagonal gegenüber eine
Seitenstiege, beide mit prachtvollen Gitterthüren aus Schmiedeeisen, führen in das erste
Stockwerk. Neben der Hintertreppe ist eine Glocke mit schmiedeeisernem Träger der
schönsten Art angebracht und an der Stiege prangt ein zierliches Lichthäuschen für eine
Laterne mit Wappen und Figuren. Die zahlreichen Thürgewände suchen ihres Gleichen
und erinnern an die beste italienische Zeit. Die Mitte des Vordertractes im ersten Stock-
werk nimmt ein 18 Meter langer und 9 Meter breiter, mit Steinplatten gepflasterter
Saal ein, welcher durch die angeführten dreitheiligen Bogenfenster sein Licht erhält; hier
prangt auch das Bild der sagenhaften Salamanka, der weißen Frau des Schlosses, nebst
anderen Bildern von wenig Bedeutung. Zu beiden Seiten schließen sich Wohnränme an.
An der Ostseite in der Ecke ist der Speisesaal, geziert mit Wappen und einem echt
italienischen Kamin, vor dem ein prachtvoller Kaminständer aus Schmiedeeisen paradirt.
An der Westseite bildet der Thurm ein rundes Erkerzimmer, an dessen Eingang wieder
Sculptureu, Adam und Eva darstellend, angebracht sind. Ober demselben ist das Bildniß
des Sohnes der Salamanka, die ganze Figur in Öl gemalt, angebracht. Er war der
letzte seines Stammes und wurde bei lebendigem Leibe von Hunden zerrissen. In dem
sogenannten Kaiserzimmer steht noch ein prachtvolles Himmelbett, leider durch Vergoldung
verrestanrirt. Es soll hier im Jahre 1552 Karl V. übernachtet haben, wie ein Reliefbild
desselben nachweisen soll. Übrigens findet sich in dem, früher dem Fürsten Porcia in
Klagenfnrt gehörigen Hause das gleiche Bild aus Stein gehauen unter der Einfahrt ein-
gemauert. In einem anderen Zimmer sind sechs Gobelins mit fignralen altgriechischen
Scenen in französischer Manier. Die Gemächer sind nur durch Seidenvorhänge mit
deu Porcia'schen Wappen getrennt. In diesem Stockwerke an der Südostseite in einem
Thurme neben dem dritten Thor befindet sich eine kleine, später erbaute Hauskapelle.
Dieselbe ist sechseckig, hat als Altarbild eine Copie nach Rasael und zwei altdeutsche
Flügelbilder aus dem XV. Jahrhundert, die wohl aus einer anderen Kirche hierher über-
tragen sein dürften. Sehr hübsch ist der damenbrettartig eingelegte, sehr gut erhaltene
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch