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der Genesis und des Exodus mit 88 und einen Physiologns mit 30 in verschiedenfarbiger
Tinte ausgeführten, künstlerisch höchst werthvollen Federzeichnungen, die zn den besten
Arbeiten dieser Art aus jener Zeit gezählt werden müssen. Allein dieses werthvolle Denk-
mal der malerischen Kleinkunst steht in Kärnten ganz vereinzelt da. Auch an Werken der
eigentlichen Miniaturmalerei ist Kärnten höchst arm. Es hat weder aus dieser noch aus
einer der folgenden Stilperioden etwas aufzuweisen, was der Erwähnung nur einiger-
maßen werth wäre, eine Erscheinung, welche bei der großen Anzahl nicht unbedeutender
Klöster aufsallen muß.
Minder zahlreich und bedeutend als die Denkmäler der Wandmalerei aus der
romanischen Stilperiode sind jene aus der ersten Zeit der Gothik bis in den Anfang des
XV. Jahrhunderts. Das umfangreichste und hervorragendste Werk aus dem XIV. Jahr-
hundert bilden die ausgedehnte» und in mehrfacher Beziehung interessanten Wandmalereien
in der Vorhalle des Gurker Doms. Sie führen uns in 32 Feldern eine vollständige
Bilderbibel von der Erschaffung der Welt bis zur Auferstehung Christi vor, haben aber
leider schon mehrfach sehr gelitten. Weit zahlreicher sind dann wieder die Wandgemälde aus
dem XV. Jahrhundert, wovon einige noch ganz, andere nur mehr in Fragmenten erhalten
sind. Wir treffen darunter mehrere von theils künstlerischem, theils ikonographischem
Werthe wie die Malereien in der St. Michaelskapelle in Berg vom Jahre 1428 und die
mit diesen verwandten in Rittersdorf, dann die noch in der ersten Hälfte des XV. Jahr-
hunderts entstandenen Wandmalereien in Nikelsdorf bei Paternion, welche in ihrer Art
musterhaft ausgeführt sind, endlich die ausgedehnten Gemälde in Zwickenberg (1438)
und iu Maria-Saal. Au die letzteren erinnern die in Zeichnung uud Compositiou durchaus
eorrecten uud schönen, die Legende der heiligen drei Könige betreffenden Wandmalereien
in St. Kanzian bei Finkenstein. Aus dem Jahre 1478 stammt das jüngste Gericht in
Wolfsberg. Der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts gehören dann noch an die fast den
ganzen Chor bedeckenden, sehr wichtigen und werthvollen Fresken in Thörl, die Gewölbe-
malereien in Haimbnrg und die Gemälde zu St. Lorenz im Lessachthal. Hochinteressant
sind ferner die in dieser Zeit entstandenen Frescogemälde in Ober-Gottesfeld; von vorzüg-
licher Schönheit ist die große, noch ziemlich gut erhaltene Freske St. Martin in Kirchbach
im Gailthal und durch ihr sehr tiefes Colorit ausgezeichnet sind endlich die Fresken in
Malestig bei Fiukeusteiu.
Ihre Blütezeit und die höchste Stufe der Entwicklung erreichte die Wandmalerei
in Kärnten aber in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts, sowohl was die Menge der
ausgeführten Malereien als anch was ihren künstlerischen Werth anbelangt. Gleich iu den
Anfang des Jahrhunderts fallen die Fresken zu Hohenfeistritz, zu St. Margarethen in
der Reichenan, am Portal der Friedhofsmauer iu Millstatt, im Karner zu Greutschach und
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch