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Entwicklung zurückgelassen. Wie vornehm gibt sich der seltene, aus der Blütezeit der
Gothik stammende Beschlag des Südportals in Maria-Saal! Oder welche prachtvolle
Wirkung mag wohl einst der spätgothische reiche Eisenbeschlag am Portal der Stadt-
pfarrkirche in Völkermarkt auf dem braunen Eichengrunde hervorgebracht haben! Ein
unvergleichliches Meisterstück ist das im Museum des historischen Vereins befindliche, aus
Maria-Saal stammende Schloß — eines der vorzüglichsten Beispiele durchgebildeter
Eiseutechuik des ausgehenden XV. Jahrhunderts. Von der fortdauernden Blüte dieses
Zweiges der Kunstindustrie auch in den folgenden Jahrhunderten gibt Zeugniß die große
Anzahl von trefflich ausgeführten Gittern; es sei nur erinnert an die Brunnengi t ter
in Klagenfurt (1590), St . Veit, Viktriug (XVII. Jahrhundert), St . Paul (1691), au
die Abschlußgitter in Maria-Wörth, Stadtpfarrkirche in Villach, St . Paul, Lavamünd,
St. Gertraud, Kreufchlach, Ebersteiu und viele andere. Mehr als alles andere läßt jedoch
auf die im ganzen Lande verbreitete Tüchtigkeit des Handwerkes schließen die große
Menge vorzüglich gearbeiteter Grabkreuze, die auf allen Friedhöfen größerer Orte, ja
sogar bei Dorfkirchen vor kaum 30 Jahren noch in größerer Anzahl zu sehen waren. Reiche
Phantasie und vollendete Technik haben in solchen Kreuzen wahre Kunstwerke geschaffen.
Den Eisenarbeiten steht ebenbürtig znr Seite, was gleichzeitig Schreiner, Drechsler
und Bildschnitzer an Kunstarbeiten erzeugt haben, so daß wohl jene Zweige der Kunst-
indnstrie in Körnten zu deu hervorragendsten gehören, welche aus den Stoffen ihre
Werke schnsen, die allezeit den Hanptreichthmn des Landes bildeten. Eine große Anzahl
von zum Theil sehr bedeutenden Werken ist auch von diesem Zweige der Kunstindustrie
aus früheren Jahrhunderten auf uns gekommen. Auch seine Blütezeit fällt in das XVI.
und XVII. Jahrhundert in die Zeit der absterbenden Gothik und aufblühenden Renaissance.
Ein wahres Meisterwerk der Holzschnitzerei, ganz einzig in seiner Art, besaß durch Jahr-
hunderte die Kirche zu Möchliug im Jauuthal an dem in Form einer gothischen Kirche
(2 30 Meter hoch, 0 87 Meter breit, 1 90 Meter lang), der Tradition nach von einem
Mönche des Stiftes St. Paul, welchem die Pfarre Möchliug damals incorporirt war,
aus Lindenholz angefertigten Reliquienschrein. „Wie ein zartes Spitzengewebe, auf allen
Seiten durchsichtig, in hundertfältigen, in den zierlichsten Mustern abwechselnden Feldern
hebt sich leicht und luftig der herrliche Bau." Mit diesem Kunstwerk, das in der ersten
Hälfte des XV. Jahrhunderts entstanden sein dürfte, beginnt eine Reihe der schönsten
Schöpfungen der Holzfculptnr, einer ungezählten Menge von Flügel- und Baldachin-
altären. Noch sind etwa 50 mehr oder weniger wohl erhalten, darunter Meisterwerke
ersten Rauges, wie die beiden Riesenaltäre in Heiligenblut (12 71 Meter) von dem Tiroler
Meister Wolfgang Haller und in St. Wolfgang bei Grades (15 Meter) von einen«
unbekannten Meister, beide aus dem Anfang des XVI. Jahrhunderts. Von der gleicheil
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch