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Übereinkommen trafen. Es gelang indeß nicht sie zu bändigen, und um die strengen Gesetze,
welche nnanfhörlich gegen sie geschaffen wurden, kümmerten sie sich nicht im geringsten,
sondern mordete» uud sengte» rastlos weiter. Nach Art der Condottieri-Scharen suchten
sie mit aller Welt Händel und an allen Orten Bente; gleichzeitig sehen wir sie nnter den
verschiedensten Fahnen, im In- uud Ausland, oft sogar gegen einander kämpfen oder
ganz selbständig ans eigene Rechnnng nnd Gefahr Krieg führen und plündern.
Einen großen uud denkwürdigen Wendepunkt in der Geschichte dieser wilden Krieger
bildet das Auftreten Boeskays. Jetzt scharten sie sich nnter der Fahne der nationalen
nnd religiösen Freiheit, verdichteten sich zu eiuer einheitliche» bewaffnete» Körperschaft
nnd blieben von da an standhaft dieser Fahne getreu; sie wurden die mächtige Stütze
derselben und ihre Thaten sind fortan dnrch unerschütterliche Anhänglichkeit an diese Idee
charakterisirt, deutlich genug, um diese selbst aus dem Wirrwarr ihrer Zügellosigkeiteu
uud immer wieder erneuten Ausschreitungen hervorglänzen zn lassen.
Bocskay war zu Aufaug seiuer Erhebung vor Allem bemüht, die Hajduckeu zu
gewinnen, da er wohl wußte, daß das Schicksal der Bewegung davon abhing, ans welche
Seite sich diese krieggewohnten, abgehärteten Streiter schlagen würden. Auch gelang es
ihm leicht, die in der Nähe lagernden Scharen der Hajduckeu zu gewinnen, uud diese
ergriffen nnter ihren schrecklichen Führern Lippai nnd Nemethi mit Leib und Seele die
Partei Boeskays, der als Magyare und Reformirter ohnehin eine Anziehungskraft für
sie hatte.
Und diese Parteinahme entschied in der That das Schicksal des Krieges. Als nämlich
General Petz mit einem auserlesenen Heere, welches nnter Anderem die Blüte der steirischen
Ritterschaft nnd 1.500 geharnischte Reiter aus Schlesien enthielt, zur Unterdrückung
Boeskays heraneilte, griffen die Hajdncken dasselbe bei Älmosd an uud vernichteten es in
furchtbar blutiger Schlacht vollständig; als hieraus infolge dieser Schreckensnachricht
Belgiojoso mit feinem Heere vou über 10.000 Mann den Rückzug antrat, holten sie
ihn ein und metzelten an der Theiß einen großen Theil seiner raizischen Truppen nieder.
Nu« schlug die Flamme des Ausstaudes mit nicht mehr zu löschender Macht empor; die in
Südnngarn, Siebenbürgen nnd anderwärts nmherstreiseudeu Hajduckeuschareu traten
gleichfalls nacheinander unter Boeskays Fahne nnd eroberten alsbald Kafchau nebst einem
großen Theile von Oberungarn. Als vollends im nächsten Jahre anch Basta aus dem
Laude verjagt war, brachen Boeskays siegreiche Heere in Mähren, Niederösterreich und
Steiermark eiu, woraus endlich der denkwürdige Wiener Friede den Schrecken des
Krieges ein Ende machte.
Für ihre glänzenden kriegerischen Verdienste in dieser Zeit erhob Bocskay die
Hajdncken in den Adelsstand nnd verlieh ihnen den größten Theil ihres jetzigen Gebietes,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (2), Volume 9
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (2)
- Volume
- 9
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.56 x 21.98 cm
- Pages
- 682
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch