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Ernten jedoch wegen der Überschwemmungen durch Flüsse und Grundwasser — er ist
nämlich zwischen die beiden aneinanderstoßenden Überschwemmungsgebiete der Theiß und
Szamos eingeklemmt — oftmals in Frage gestellt werden. Und nicht nur die fließenden
Gewässer richten Verheerungen an, sondern auch die todte Theiß, die todten Szamos-
arme und andere von der Szamos abzweigende Wasseradern, Grundwässer, der Sär-
Sumpf und sonstige Feuchtigkeitsbecken.
Fast jedes Dorf, und die Dörfer sind dicht gesät, besitzt mehr oder weniger Wald.
In der Gegend von Szatmär werden die Wälder größer. Der S ä r - W a l d , der zur
Stadt Szatmär gehört, der ausgedehnte Gombäs , die schönen Eichenwälder am Tnr-
slüßcheu und auf dem Erdöhät (Waldrücken) bringen viel Abwechslung in die Landschaft.
An dem einen Ende des Gebietes liegt Sza tmär , eine der ältesten Festungen der Ungarn;
mit seinen durch die Königin Gisela angesiedelten deutschen IrosMes (Gastvolk) war es
schon unter dem Ärpäd'schen Hause der Mittelpunkt jener ungeheuren Krondomänen,
welche zuerst als königliche Jagdgebiete die Gebirgsgegenden von Szatmär, Ugocsa und
Märamaros umfaßten. An? Fuß der Berge, längs der Flüsse Lapos, Tür, Szamos und
Kraszna, lagen neben den Besitznngen der Krone ausgedehnte Ländereien der Geschlechter
Tomaj, Käta, Gutkeled uud besonders Kaplyon, was noch durch erhaltene Urkunden aus
dem XIII. Jahrhundert bezeugt wird. Am anderen Ende der Ebene, gegen das Szabolcser
Eomitat hiu, herrschten das seit Beginn des XIV. Jahrhunderts stetig wachsende Nagy-
Käroly, der Stammsitz der Kärolyis, und Eesed, das einer Linie der Bäthorys ihren
Namen gab, eine in den Snmps hineingebaute, uoch im XVII. Jahrhundert für unein-
nehmbar gehaltene Festung.
Das ganze Gebiet ist besät mit den Burgen mächtiger Herren, darunter das dem
Geschlechte Kaplyon gehörige Aranyos-Medgyes , das sein erster bekannter Besitzer
wegen einer an König Ladislans dem Kumanen verübten Majestätsbeleidignng verlor,
dann das Drägsy'sche Erdöd, das Perenyi'sche Nyaläb, das der Familie Kun von
Rozsäly gehörige Rozsäly , das Kärolyi'sche Nagy-Käro ly und außerdem noch zahl-
reiche Kastelle und Enrien des mittleren Adels.
Das Szatmärer Eomitat war nebst der Szilägysäg eine der frühesten und mächtigsten
Burgen des Protestantismus in Ungarn, und dieses protestantische Grundgewebe hält noch
heute Stich. Der mittlere Adel der Gegend von Nagy-Käroly und besonders von Szatmär
ist noch jetzt größtentheils resormirt, desgleichen die Mehrzahl der Gewerbetreibenden
beiderStädte. DieNachkommen jenes meist aus niederem Adel bestehendenKriegsvolkes, das
in den inneren Wirren des XVII. Jahrhunderts namentlich während des Räköczy'fchen
Ausstandes, sich vom Soldatenhandwerk nährte, zogen sich nach dem Szatmärer Frieden
theils auf ihre kleinen, verwüsteten Landgütchen zurück, theils warfen sie sich auf die
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (2), Volume 9
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (2)
- Volume
- 9
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.56 x 21.98 cm
- Pages
- 682
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch