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und Sommerhüte werden bis nach der Schweiz und Frankreich versendet. Seine Märkte,
insbesondere sein Obst-, Trauben-, Holz- und Getreidehandel, sind namentlich für das
Szilägyer Comitat wichtig, dem es als Geldquelle dient.
Zu den hervorragenden Gebäuden gehört das mitten in der Stadt stehende,
von einem schönen Park umgebene Schloß des Grafen Stefan Kärolyi, welches vom
9. bis 11. October 1884 auch Kronprinz Rudolf als Gast beherbergte, dessen Gedächtniß
dieses Buch mit pietätsvoller Trauer bewahrt. Es ist dies ein im Quadrat gebautes,
einstöckiges Schloß aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts und befindet sich auf dem
Platze, wo ehemals die Burg stand; in dem schönen Parke nennt die Überlieferung einen
alten Baum noch heute nach dem Manne, der ihn gepflanzt, den Raköczy-Banm. Auch
die große und schöne römisch-katholische Kirche ist ein Votivban der Grafen Kärolyi,
vom Grafen Autou um 1770 zur Erinnerung an die Geburt seines einzigen Sohnes
Josef erbaut; sie ist auch Pfarrkirche, au der die priesterlicheu Funktionen noch jetzt durch
die vom Grafen Alexander Kärolyi 1775 hierher verpflanzten Piaristen ausgeübt werden.
Den Piaristen liegt auch die Leitung des neben der Kirche befindlichen, jetzt schon acht-
elassigen Gymnasiums ob. Das große und bequeme Comitatshaus ist 1848, zum Theil
aber erst in den Fünfziger-Jahren erbant und enthält das reiche und wohlgeordnete
Archiv des Szatmärer Comitats. Auch ein Hospital, ein Armenhaus, eiu Volksgarteil und
so fort ist vorhanden.
Ein trauriger Tag für die Stadt war der 6. Mai 1887. In ihrer Mitte, bei
der reformirten Kirche, brach eine große Feuersbrunst aus, die in östlicher Richtung
fortschreitend auf ihrem zwei Kilometer langen Wege einen großen Theil der Stadt in
Asche legte. Die Wohlthätigkeit der Nation bewährte sich aber auch hier ebenso hilfreich,
wie in Eperjes und Toroezkö, welche im nämlichen Sommer abbrannten. Und diese
Hilfe, im Verein mit dem praktischen Sinne der Bevölkerung, heilte die Wunde in kurzer
Zeit und der verheerte Stadttheil steht heute erneuert wieder da.
Südwestlich der Stadt liegen die Weingärten von Nagy-Käroly, zu denen eine
schöne Allee hinausführt. Sie sind in regelmäßigen Gassen oder Reihen angelegt und in
jedem Weingarten steht ein hübsches Landhaus oder wenigstens Kelterhaus. Dies ist die
Sommerfrische der Stadt und war es noch mehr, ehe die Phylloxera bis hierher vor-
gedrungen ist. Hier übt der Landwirth von Nagy-Käroly am liebsten seine Gastfreundschaft
aus. Eiu Theil der Weingärten ist aber dermalen bereits in Obstgärten verwandelt.
Von Nagy-Käroly bringt uns die Nordwestbahn durch fruchtbare, doch oft über-
schwemmte Ebenen mit mäßiger Geschwindigkeit in einer Stunde nach Szatmär-Nemeti,
dem eigentlichen Mittelpunkte des Szatmärer Comitates. Rechter Hand sehen wir in der
Entfernung gegen das Mittel-Szolnoker Comitat hin die Berge der Bikkalja. Diese
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (2), Volume 9
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (2)
- Volume
- 9
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.56 x 21.98 cm
- Pages
- 682
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch