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genannt, können es wahrlich, sowohl was Schönheit als auch was die hübsche Volkstracht
betrifft, mit den Frauen jeder Nationalität des Landes aufnehmen. Der Magyare oder
Schwabe des Szatmärer Comitats fährt sehr oft mit einem Viergespann von Pferden zu
Markte, der Walache lieber auf seinem Ochsenwagen oder mit urwüchsigen Bauern-
pferdchen; überhaupt wird im ganzen Comitat die Wirthschaft meist mit Pferden betrieben.
Unter den Magyaren, Walachen, Schwaben und „Russen" aber treibt sich unablässig der
bewegliche uud wachsame Jude umher, um die Gangbarkeit der Waaren, die Menge der
Marktvorrüthe, die Gestaltung der Marktpreise zu erkunden, uud auch die Zigeunerin
geht und kommt und preist unermüdlich ihre Tüchelwaaren und Kränze von getrockneten
Pilzen an. Auf dem Markte zerstreut sieht man die Zelte der einheimischen Handwerker,
die Korbwagen voll Grünzeug und Gemüse, dazwischen „zu Wagen und zu Fuß" die
Erzeugnisse des walachischeu Handwerks, Holzgeschirr, Knfen, Holzlöffel und dergleichen
mehr. In der Sommerhitze grnppirt sich das Marktpublicum da nnd dort um einen
walachischen Wagen aus dem Avaslaude, voll mit dem populärsten und billigsten
Erfrischungsmittel, dem frisch mit Essig gemischten „Sauerwasser" (borkut) der um
einen Kreuzer geschenkt wird.
Die an die geschichtliche Vergangenheit der Stadt erinnernden Häuser sind sammt
der Festung spurlos verschwunden. Selbst das Karolyi'sche Haus, die alte adelige Curie
der Familie Kärolyi, welche seit dem XVII. Jahrhundert durch ihre den Interessen der
Stadt zuwiderlaufenden Adelsprivilegien zu so vielen Klagen Anlaß bot, ist neu auf-
gebaut. Die Stadtverschönerung der Neuzeit nimmt die Richtung gegen den Bahnhof und
das Szamosufer. Die einfachen Gassen von Nemeti, wo die Landwirthschaft- und Gewerbe-
treibenden in schindelgedeckten Häusern wohnen, zeigen das Bild der alten ungarischen
Kleinstadt. Im Allgemeinen aber bietet das auch sonst reiche Szatmär-Nemeti mit seinem
lebhaften Verkehr, der sich gleich auf den ersten Blick bemerklich macht, mit seinen vom
Bahnhofe in drei Richtungen gegen Nagy-Bänya, Nagy-Käroly und Märamaros-Sziget
hin abgehenden Bahnzügen, mit den nicht nur am Marktplatz, sondern auch in den Neben-
gassen hänfigen stockhohen Häusern, den stattlichen reformirten Kirchen in Szatmar und
Nemeti, welche kirchlich auch jetzt getrennt sind, dann mit dem neuen Stadthaus und den
Gebänden der öffentlichen Anstalten und Ämter, der durch die Stadt erbauten schönen
eisernen Szamosbrücke, den ans dem Flusse sich wiegenden Schwimmschulen, dem gleichfalls
schon vollendeten schmucken ständigen Theater, kurz mit allen seinen Merkmalen moderner
Entwicklung das Bild einer jungen und aufblühenden Stadt der Neuzeit.
Im Westen der Stadt, nahe der Szamos, erstrecken sich fast eine Meile weit Obst-
gärten, welche der Bevölkerung als Erfrischungsorte dienen, während im Osten der Stadt
neue anmuthige und ausgedehnte Promenaden angelegt sind.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (2), Volume 9
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (2)
- Volume
- 9
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.56 x 21.98 cm
- Pages
- 682
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch