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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Volume 9
Page - 568 -
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568 Volksballaden, welche noch ihre Vorfahren mitgebracht haben. Auch ihre Volksmärchen sind alt. Überdies aber hat noch fast jedes Dorf seine Ortssagen. Im Winter, wenn die Feldarbeit ruht, werden die meisten Besuche bei Bekannten und Verwandten gemacht. Bei solchen Gelegenheiten plaudern die Männer rauchend oder spielen Karten um Geld oder Maiskörner, zuweilen um Bohnen. Die Frauen spinnen und führen leise Gespräche. An winterlichen Festtagen ist auch eine Schlittenfahrt nach dem Essen gebräuchlich. Pfeilschnell fliegen dann die feurig schnaubenden Hengste, die mit jauchzendem jungen Volke beladenen Schlitten dahin. Vor den Häuseru der Bekannten wird Halt gemacht, um den Schinken uud die geräucherte Wurst zu kosten und die durchfrosteten Glieder durch ein paar Gläser Heurigen (rämpüs, Rampasch) zu erwärmen. Im Frühjahr schlägt die Jugend Ball, so lang die Gasse ist, die Kleinen lassen Drachen steigen, die Frauen setzen sich vor das Haus, die Männer an das „scharfe Eck" der Gasse. Sonntags gibt es Kegelspiel im'Hofe des großen Wirthshauses. An den Straßenecken wird große Politik gemacht, wird die hohe Obrigkeit Mann für Mann durch- gehechelt, werden die Parteien organisirt. Der südnngarische Deutsche nährt sich im Allgemeinen, sehr gnt, besonders zur Zeit der Feldarbeit. Bei den bemittelteren Familien wird viermal des Tages gegessen. Kurz nach der Früharbeit nimmt man das Frühstück ein. Dieses besteht aus schönem Weißbrot, das im Hause gebacken wird, ferner aus einer kalten Fleischspeise, Käse oder Topfen. Das Mittagsmahl wird zum Mittagläuten aufgetragen und bietet wohlschmeckende gekochte Speisen. Beliebte Gerichte sind: „Grnndbirn", Knödel, Topfen- und Milchrahmstrudel, Nudeln iu der Milch und Brei. Um vier Uhr Nachmittags folgt ein Imbiß von Butterbrot, Milch oder Speck mit Zwiebeln. Das Nachtmahl wird nm sieben Uhr genommen und besteht aus warmen Speisen. Als Getränk dient gewöhnlich Wasser oder leichter, im Eigenbau gewonnener Gartenwein (Heuriger). Rothwein ist beliebter als weißer. Bei Tische löffelt in der Regel Alles aus der nämlichen Schüssel. Die Eheschließungen beschränken sich zwar nicht auf eine bestimmte Jahreszeit, doch finden die meisten Hochzeiten im Fasching statt. Die Trauungen werden in der Regel Sonntags oder Dienstag Nachmittag vorgenommen. Wenn der Bursche reif zum Heiraten ist, geben seine Eltern irgend einer Frau deu Auftrag, ihm bei dem vorher auserwählteu Mädchen die Wege zu ebnen. Die Frau begibt sich zuerst allein, später mit dem Bräutigam und dessen Vater nebst zwei Zeugen nach der Wohnung der Braut, wo dann vor Allem die osficiellen Unterhandlungen wegen der Mitgist der Braut beginnen. Es wird von der Braut eine mindestens so große Mitgift beansprucht, als das halbe Vermögen des Bräutigams beträgt. Wenn die beiden Theile handelseins werden, wird sofort die Ceremonie der Verlobung vorgenommen, welche
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Volume 9
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (2)
Volume
9
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1891
Language
German
License
PD
Size
15.56 x 21.98 cm
Pages
682
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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