Page - 310 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Das Küstenland, Volume 10
Image of the Page - 310 -
Text of the Page - 310 -
310
nur gegen gänzliche Berichtigung der Kriegseontribntion von über 50 Millionen Francs
freigegeben, theilweise aber unter nichtigen Vorwänden verkanst und den Käufern als
verbotene Colouialivaare wieder abgenommen, dreißig der ersten Kaufleute iu Haft
genommen, die Bankozettel im Werthe herabgefetzt, endlich im Jahre 1810 als werthlos
erklärt, Zoll- und Mautherpressungen standen an der Tagesordnung, Ursprungszeugnisse
sür Waareu wurdeu verlangt und der Freihafen überhaupt als solcher aufgehoben, nud
nur die doch zur Geltung kommende Überzeugung von der Wichtigkeit Triests bewirkte,
daß eine Handelskammer nnd ein Handels- und Wechselgericht eingesetzt wurden, sowie
man ein mit bedeuteudeu Kosten und argen Belästigungen verbundenes ^ntrspüt roel
schns, dann im Jahre 1811 den Kaufleuten zugleich mit dem Rechte eines Lntrepül lieliv
die Begünstigung zusprach, levautiuische Wolle in ihren Magazinen zollfrei, jedoch nicht
über ein Jahr niederlegen zu dürfeu, eine Begünstigung, die später auf weitere Waareu,
die aus der Levante über die böhmische uud kärntische Grenze bezogen wurdeu oder, aus
Frankreich und Italien kommend, über jene Grenzen gehen sollten, ausgedehnt wurde.
Zur See durch die Blokade gesperrt, zu Lande in Folge des Wiener Friedens von
den anderen Provinzen Österreichs getrennt, mußte Trieft sein Augenmerk auf Italien
und Frankreich und auf deu levantinifchen Verkehr richten. Die französische Regierung
suchte diesen letzteren zu fördern, doch war der Kaufmannsstand zu sehr geschädigt worden,
um Muth und Mittel zu größeren Geschäftsspeculatiouen zu finden, so daß im Jahre 1813
Trieft nur mehr 20.000 Einwohner zählte und der Werth seiner Ein- nnd Ausfuhr kaum
2'/z Millionen Gulden betrug. Erst nach dem Sturze Napoleons kehrten die Segnungen
dauernden Friedens zurück. Die französische Zollverfassung wurde nun aufgehoben, die
österreichische Zollordnung wieder eingeführt, der freie Verkehr zwischen dem alten
österreichischen Staatskörper und „Jllyrien" wieder hergestellt, endlich die Häfen im
Littorale in ihre vormaligen Vorrechte wieder eingesetzt uud Trieft und Fiume wie vor
deren Abtretung als Freihäfen behandelt. In weniger als zwei Jahren erreichten die
Verkehrsverhältnisse und die Bevölkerungszahl Triests wieder die vordem bezeichneten
günstigen Proportionen. Freilich hatte die Unterbrechung der früher eingegangenen
Verbindungen doch bleibende nachtheilige Folgen, da der bis 1809 blühende Transito-
handel sich mittlerweile nach Venedig, Genua, Marseille gewendet hatte. Auch stellte sich
dein früher beträchtlichen Handel in Eisenerzeugnissen und Fabrikaten, bei dem Trieft und
die producireudeu innerösterreichischen Provinzen so sehr interessirt waren, im ottomanischen
Reiche, in Neapel, Sieilien, Spanien uud Portugal eine mächtige Rivalität in der durch
das Continentalsystem geschaffenen Lage entgegen, welche die ohnedem durch Regierungs-
maßregeln unterstützte und geförderte Concurrenz Rußlands, Frankreichs und Schwedens
wesentlich erleichterte.
back to the
book Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Das Küstenland, Volume 10"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Volume 10
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Das Küstenland
- Volume
- 10
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.63 x 22.44 cm
- Pages
- 390
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch