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ist. War doch der Lloyd lange Zeit hindurch das einzige große Dampferunternehmen in
der Levante. Dort genoß er allseitiges Vertrauen, — sein Dienst war sicher, seine Schiffe
waren tüchtig und ihre Führung war eine bewährte. In den fernsten Punkten der Levante
kannte man durch den Lloyd die Flagge der Monarchie und betrachtete sie mit Sympathie.
Die Agenten des Lloyd wurden allwärts zu wichtigen Persönlichkeiten in der Geschäftswelt
und gewannen erheblichen Einfluß.
Die Flotte des Lloyd entwickelte sich rasch. Schon zehn Jahre nach der Gründung
besaß das Unternehmen 20 Dampfer und nach abermals zehn Jahren — 1856 — bereits
61 mit einem Gehalt von 28.000 Tonnen. Seither stieg die Zahl der Dampfer auf 86
als Maximum, dagegen hat sich der Tonnengehalt nahezu vervierfacht. Mit der Regierung
trat der Lloyd seit demJahre 1855 in ein wiederholt erneuertes Vertragsverhältniß, wonach
die Gesellschaft gegen einen in den einzelnen Stadien dieses Verhältnisses verschieden
bemessenen Staatsbeitrag zur Erhaltung regelmäßiger Fahrten auf einer Reihe bestimmter
Linien in der Adria und in der Levante und zur Versehung des Postdienstes auf diesen
Linien verpflichtet war. Dieses Vertragsverhältniß gewährte dem Lloyd eine feste Grund-
lage durch die stets auf eine Reihe von Jahren gesicherte Subvention und hob sein Ansehen;
es stellte aber auch den commerciellen Bestrebungen der Monarchie feste und verläßliche
Seeverbindungeu zur Verfügung.
Während durch den Lloyd die Dampfschiffahrt in unserer Handelsmarine eingeführt
wurde, hielt die private Rhederei an der Segelschiffahrt fest, da noch lange Zeit nach
Gründung des Lloyd die nationalen Segelschiffe ausreichende Beschäftigung fanden und
daher der Antrieb zu einer Änderung mangelte. Diese Verhältnisse haben sich erst in späterer
Zeit anders gestaltet, und zwar durch das Zusammenwirken verschiedener Umstände. Die
Erbauung zahlreicher Eisenbahnen wirkte auf die Seeverbindungen vielfach fördernd,
vielfach aber ablenkend ein; die Bedeutung der Hasenplätze änderte sich nicht selten durch
das neue Verkehrsmittel, neue Routen traten in den Vordergrund. Der verbesserte Land-
verkehr wirkte auch auf die Cousumtiouskraft der Bevölkerung zurück. Es mehrten sich die
Bedürfnisse, aber damit mich die Quellen, aus denen sie Deckung finden konnten. Die
wunderbaren Eorrespondenzmittel, insbesondere der Telegraph, beschleunigten den Verkehr.
Man baute, namentlich in England, massenhaft Dampfer, welche nicht nur die Zahl der
regelmäßigen Linien vermehrten, sondern auch im gewöhnlichen freien Mercantildienst
vielfach die Rolle übernahmen, welche bisher von den Segelschiffen allein versehen worden
war. Da begann denn ein harter Wettkampf zwischen Dampf und Segel, ein Wettkampf,
welcher noch durch ein anderes Ereigniß beeinflußt wurde, durch die Eröffnung des Suez-
Kanals. Dieser Kanal (1869) bewirkte eine völlige Umwälzung des Verkehrs mit Ostasien,
weil er, wie auch das Rothe Meer, mit Vortheil und Sicherheit nur von Dampfern
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Volume 10
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Das Küstenland
- Volume
- 10
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.63 x 22.44 cm
- Pages
- 390
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch