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bildet. Einer alten Tradition folgend, nach welcher, lange bevor andere Städte eigentliche
Börsen hatten, die Triester Handelsherren täglich zur Abschließung und Abwicklung ihrer
Geschäfte in einem eigens dafür gebauten Hause (korsa veeckia) zusammentrafen, hat
anch die jetzige Generation von Kaufleuten in den die Lesezimmer und den Versammlungs-
ort der Börsebesucher nmfassendeu Localitäten des „Tergesteo", man kann fast sagen, ihren
ständigen Aufenthalt. Vvn den frühen Morgenstunden bis spät Abends, Tag für Tag,
findet man hier sicher den Geschäftsmann, den man anderswo vergeblich gesucht hat.
Vertreter der Bauken, Großhändler und Kaufleute sind im Tergesteo ständige Gäste und
nur die Stagnation im Handel und Verkehr Triests hat gegenwärtig diesem Bilde etwas
von seiner einstigen Farbensattheit benommen, so daß der Besuch des Tergesteo und der
Aufenthalt dortselbst oft mehr die Folge eingewurzelter Gewohnheit sind, als dem Zweck
vvn Geschäftsabschlüssen dienen.
Triests commercielles Actionsgebiet hat in letzter Zeit manche territoriale Ein-
schränkung erfahren. Der Ausbau neuer Schieueuuetze im Norden, im Osten und Westen
Europas, die Herstellung von Kanälen ?c. haben die Verhältnisse der Distanzen überhaupt
verrückt uud deu Weg aus und nach den Jmpvrt- und Exportländern über Trieft nach
mancher Richtung hin zu eiuem minder günstigen und vortheilhafteu gestaltet. Daß dabei
zumeist an und für sich natürliche uud durch die geographische Lage hervorgerufene
Ablenkungen unsers Verkehrs zu Tage getreten sind, kann kaum geleugnet werden; nichts-
destoweniger dürften die Klagen darüber nicht ganz abzuweisen sein, daß bisher nicht Alles
geschehe» ist, um diesen Ereignissen wenigstens durch anderweitige Vorkehrungen uud Maß-
nahmen möglichst zu begegnen oder für den dadurch erlittenen Entgang von Geschäften
neue Aetionsgebiete zu erschließen. Der Ausbau »euer Schieueuwege, billige, der Eoucurreuz
sörderliche Eisenbahn- und Dampfschifftransporte, eine selbständig auftretende, den allge-
meinen Interessen des Evnsuins Rechnung tragende Zollpolitik, die Herstellung und
Festigung uuserer Valuta könnten manche offene Wunde heilen, manch hartem Schlage
znvvrkommen, ja ueue Gesundheit und Kräfte, neues Leben schaffen.
Trieft, dessen nächstes, armes und dünn bevölkertes Hinterland seinem commerciellen
Organismus fast gar keine Nahrung zuzuführen vermag, m»ß schon deshalb und weil es
stets seine Stellung als Ausfallsthor eines großen, an Industrie- und Naturprodukten
reichen Staates erkannt hat, auf die Erhaltung seiner Vermittlerrolle im nationalen Ein-
nnd Ausfuhrhandel, sowie seiner Stellung als Handels- und Seeemporinm für den inter-
nationalen Güteraustausch bedacht seiu. Trieft hat dieser seiner Stellung entsprechend
jederzeit mit den verschiedensten europäischen und überseeischen Ländern Handelsbeziehungen
anzuknüpfen und zu erweitern gestrebt. Heilte noch erstreckt sich Triests Handelsthätigkeit
nach den orientalischen Ländern, Kleinasien, den durch den Suez-Kanal nähergerückten
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Volume 10
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Das Küstenland
- Volume
- 10
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.63 x 22.44 cm
- Pages
- 390
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch